Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ex Oriente Lux

"Licht aus dem Osten" ist eine viel zitierte Wendung, wenn es um den Einfluss östlicher Kultur auf den Westen geht, und passt ganz besonders auch zum Weihnachtsereignis von Bethlehem, denn mit der Geburt Jesu schien dem Westen tatsächlich ein neues Morgenlicht auf, als die Kultur der Antike bereits "alt" wurde... so jedenfalls aus heutiger Perspektive.
Weihnachten habe ich vor allem mit meiner Familie verbracht, die letzten Mittwoch spät abends kamen. Donnerstags stand erstmal eine Runde durch die Altstadt an, deren superreligiösen Tumult man ja als "Einwohner" nach ein paar Wochen satt hat... Deswegen sind wir schon nachmittags noch in die Neustadt und haben uns in der WaffleBar mit süßen Dingen versorgen lassen.
Am Freitag wurden Erinnerungen wach: schon 1997 sind wir durchs Wadi Qelt zum Georgskloster gewandert und dies machten wir auch diesmal, was eine sehr schöne Tour war. (Leider) war abends dann schon wieder Shabbat, so dass meine Restaurant-Pläne durchkreuzt wurden, da die Geschäfte alle geschlossen hatten. Dadurch blieb uns nur ein eher schlichtes Lokal in der Altstadt, wo ich dann irgendwas falsches gegessen habe, sodass ich leider die nächsten zwei Tage mit Bauchschmerzen flach auf dem Bett (bzw. auf dem Klo) verbringen konnte. Meine Familie war in der Zeit in Akko (wo sie ebenfalls dem exzentrischen Uri Buri begegneten und seine hervorragenden Speisen genießen konnten) und En Gedi. Zumindest am Heiligabend bin ich abends rüber zu Gallicantu (die Kirche, in deren Gästehaus meine Familie untergebracht war), sodass wir ein bisschen Bescherung machen konnten und war noch kurz in der Mitternachtsmesse. Der geplante Gang nach Betlehem fiel leider schon aufgrund des starken Regens aus.
Am Montag flog Jette zurück, dafür war ich wieder fit, ebenso die Sonne, die nun wieder ungetrübt strahlte. Deshalb sind wir zuviert nach Massada und wanderten hoch, womit ich mir keinen großen Gefallen tat, da mein Kreislauf noch ziemlich im Eimer war... Aber ich habs jedenfalls geschafft und bin dann gleich mit der Seilbahn wieder runter. Abends waren wir wunderbar im Herzl-Haus gegrilltes Fleisch essen, das war ein sehr schöner Abend, und der Abschlussabend für Paul, der am nächsten Morgen nach Hause flog.
Dienstag war dann endlich wieder ganz nach (meinem) Plan Tel Aviv / Yafo angesagt. Yafo ist ja eine Kreuzfahrerstadt, wo ich auch vor kurzem mit Brinthi schonmal war (wir berichteten ;). Dort machten wir jedenfalls einen Rundgang, gingen dann zu dem großen Flomarkt, einen laaangen Weg zu einer Straße, wo ich noch wusste, dass es da leckere Oliven, getrocknete Früchte und so gab, dann wiederum durch ein entspanntes Viertel zurück Richtung Strand, wo wir auf einem Hügel ein sehr leckeres Piknik einnahmen. Dort wurden wir nicht nur von etwa zwanzig Katzen kreisförmig belagert und vorwurfsvoll angejammert, sondern wir konnten auch ständig vorbeifliegende Plastiktüten beobachten, die von unseren Nachbarn auf der nächsten Bank kamen, die offenbar aufgrund des leichten Windes der erwähnten Tüten über längere Zeit hinweg nicht Herr wurden. Andererseits sind vorüberfliegende Plastetüten in Israel ein gewohnter Anblick und gehören fast schon zur einheimischen Fauna. In Jerusalem ist dabei besonders die Gemeine Schwarze Plastiktüte verbreitet, die auch alle Suq-Händler benutzen... Schließlich fuhren wir dann zurück auf den Zion und aßen abends noch in der "Olive", einem Restaurant in der sog. German Colony.
Am Mittwoch folgte dann der grandiose Abschluss mit dem Wadi Darya, das wir nur über Brinthis Lonely Planet (ein Reiseführer) fanden und wo auch nur einheimische Leute, und auch von diesen nur wenige, unterwegs waren. Man fuhr also vom Toten Meer aus auf das Plateau hinauf und konnte von da in das Wadi hinabsteigen und es zurück hinauf wandern (wo es her"fließt"). Es war mit etlichen Klettereinheiten verbunden (zB mit einem Bein auf dem Stein in der großen Wasserlache stehen, das andere in einer völlig glatten Stein"rutsche", dann mit dem Rücken abstützen und irgendwie hochziehen...), aber gerade dadurch wurde es richtig spannend, die Felsformationen, die dort zu sehen waren (abgestochen vor dem stahlblauen Himmel, bei 30°, Freunde...) jedenfalls phantastisch.
Ich denke, ich habe euch schon genug neidisch gemacht, aber noch bin ich nicht ganz fertig. Denn schließlich waren wir abends noch in der Armenian Tavern, die, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, von Armeniern geleitet wird und außer einem Haufen einsturzgefährdeten, nichtsdestotrotz sehr interessanten Gerümpels, von dem man da umgeben ist, auch sehr gutes Essen zu bieten hat. Nach einem letzten Verdauungsspaziergang durch die Altstadt gingen wir hier in der Krypta der Dormitio in die Komplet, um den mehrstimmigen Gesängen der Mönche in toller Atmosphäre und hervorragender Akustik zuzuhören... Danach verabschiedete ich mich von meinen Eltern, die am nächsten Tag nach Hause flogen.
Ich selbst habe gestern einmal mehr versucht, ins Grundstück der Mormonen auf dem Skopus-Berg zu gelangen, habe es (mit Brinthi) auch bis zum Tor geschafft, aber wir wurden dort aufgehalten, und es gäbe keine "Visits" bis zum 11. Januar. Das war nun das zweite Mal (wir berichteten abermals). Ein drittes wird mit Sicherheit folgen! Dafür waren wir aber endlich in der wunderschönen Maria Magdalena Kirche der Russen am Ölberg, die auch so komische Öffnungszeiten hat (das ist die mit den goldenen Zwiebelkuppeln). Drinnen ist sie (für orthodoxe Verhältnisse!) vergleichsweise schlicht, in jedem Falle sehr schön. Tja, und mit Pralinen von Margret und einer kühlen Cola erholten wir uns auf der Dachterrasse von dieser "harten" Tour...
Naja, jetzt ist aber wieder Arbeit angesagt... meine Referatsausarbeitung harrt schließlich immer noch ihrer Vollendung, bevor es in einigen Tagen wieder losgeht.
Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch! :) Bis bald!
Euer Jakob

Sonntag, 18. Dezember 2011

Immaculata

"makellos", unbefleckt durch die Erbsünde sei Maria von Geburt an gewesen, um als reines Gefäß für Gottes Sohn dienen zu können - tja, über derartige Einzelheiten katholischer Theologie kann man sich sicherlich streiten, aber das war jedenfalls vorigen Donnerstag der Festtag. Da wollte ich eigentlich zur Vorbereitung meiner Ortsführung nach Qumran, aber ich war wegen eines rumgehenden Virus krank... Am Freitag hatten wir dann von Sonnenauf- bis -untergang Archäologie-Vorlesung von Gunnar Lehmann. Danach war noch Rorate-Messe in der Kirche, völlig im Dunkeln, bis auf viele Kerzen. Das war wirklich sehr schön. Abends habe ich mir mit anderen noch den Film Die große Stille angesehen, wo es um ein Karthäuserkloster geht. Der Film ist ziemlich lang und ruhig, aber sehr interessant.
Am Samstag habe ich mit der schriftlichen Ausarbeitung meines Referates über Qumran begonnen, was ich immer noch mit mir rumschleppe, 15 Seiten sollen's mal werden... naja, hab ja noch Zeit. ;)
Abends gab es die Geburtstagsfeier von Tobias Jammerthal, wo Bruder Nikodemus Grog machte. Der war den meisten zu stark, so dass später viele volle Tassen rumstanden. Mit einigen anderen machte ich es mir zur Aufgabe, selbstaufopferungsvoll diese Krüge zu leeren, so dass wir bis tief in die Nacht sehr beschäftigt waren...
Am Sonntag war dann morgens wieder Messe, und es war die absolute Hölle, weil ich Ministrant war und sonntags ist ja alles ein bisschen anders im Ablauf, sodass ich erstmal alles falsch machte und so weiter. Naja, inzwischen hab ich mit Pater Elias sowieso ausgemacht, dass ich nur noch bei den Frühmessen um 7:15 ministriere, da ist man schön unter sich und es ist nicht alles so hektisch.
Joa, ansonsten hatten wir dienstags noch eine Führung auf dem Skopus-Berg und eine sehr interessante Führung von Peer durch die melkitische Kirche (die Melkiten sind eine der Orthodoxen Kirchen), mittwochs dann eine Führung durchs armenische Viertel, wo man ja sonst kaum reinkommt; das war schon sehr spannend, weil das ja innerhalb der Altstadt nochmal ein in sich abgeschlossener Komplex ist, wo auch abends die Tore geschlossen werden usw. Witzigerweise gibt es auch im Armenischen Viertel noch ein spezielles Viertelchen um einen heiligen Ölbaum, das auch rundherum abgeschlossen ist...
Am Donnerstag war dann wieder große Exkursion nach Qumran, wo ich führte, also etwa eine Stunde durch das Gelände ging und überall ein bisschen was erzählte zu den archäologischen Einzelheiten, und nach Arad, wo Lars und Steffen führten und schließlich noch nach Tel Beer Sheva, wo Gunnar Lehmann uns führte, und einige interessante Dinge auch über das moderne Beer Sheva erzählte, wo er nämlich lebt. Da dort ab und zu Raketen von Gaza reinfliegen, ist er es ganz automatisch gewohnt, nachts um 2:00, wenn der Alarm ertönt, seine Kinder zu greifen und in den Bunker zu gehen. Dies und mehreres zu dieser Problematik erzählte er also noch. Am Abend verabschiedeten sich dann noch die Gasthörer Thomas und Julia Drum von uns (insgeheim von uns nur: die Drums genannt, also mit englischer Aussprache, was soviel wie "Schlagzeug" heißt).
Gestern, Samstag war ich noch auf einer Einkaufstour in Ost-Jerusalem unterwegs und heute habe ich es mir im Kadosh, einem wunderbaren Café, zum Mittag gutgehen lassen.
Ansonsten freue ich mich auf Familienbesuch am Mittwoch!!
Euer Jakob

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Endlich mal ein paar Bilder...

Im Sinai (im Vordergrund: Olga)

in der Neustadt von Jerusalem (links: Brinthi)

chillen auf der Stadtmauer

Jakob, Andreas und ihre Amts-Insignie: der goldene Schlüssel zum Getränkelager

Gruppe von merkwürdigen Gestalten in Safed (Rebekka, Andreas, Jakob, Olga)

ja ja, die Schlammschlacht von Gamla...

der Kreuzweg in Tabgha

das schönste Mosaik von Sepphoris

Wolkendecke über Caesarea Maris (rechts: Rebekka)

Jakob mit neuem Metal-Album <Werbung>

Messiaskomplexe im Sinai...

zwei coole Typen in Bethelehem... :P

na, ist das nicht idyllisch!

So, die sind mir grad in die Hände gefallen, und ich dachte ich poste die mal nachträglich...
Noch eine schöne Adventszeit wünscht
Euer Jakob

Dienstag, 6. Dezember 2011

Alles Liebe zum Nikolaus...

...hieß es für uns schon gestern Abend, als der Nikolaus (i.e. Steffen) abends kam und jedem nach kurzer Kritik ein Gebäck überreichte... auch die Mönche waren eingeladen und kriegten was ab, verbal und konditoral (gibt es dieses Wort überhaupt?...).
Ansonsten hatten wir am letzten Dienstag eine interessante Exkursion in die arabische Stadt Nablus, die für den Tourismus noch überhaupt nicht erschlossen ist. Daran lag es wohl auch, dass wir schon im Bus wie bunte Zootiere angeschaut wurden, und in der Stadt selbst erst recht. Wie schon in Akko, geht es in den Araberstädten ziemlich entspannt zu, und die Leute waren sehr freundlich. Man konnte die Stadt richtig liebgewinnen, auch wegen all der lustigen Dinge, die es dort gibt, neben einem angeblichen ehemaligen Freimaurerhaus und einer zweifelhaften Saunaanlage einen tollen Laden, der Gewürzsammelsurium, Kaffeeshop und nicht zuletzt Kuriositätenkabinett in einem war. Abgesehen von ollen Schwertern und Grammophonen gab es auch ausgetrocknete Ziegen zu "bewundern". Ansonsten fährt man in Nablus fast ausschließlich mit VW, wovon auch viele der berühmten VW-Busse (wie von den Hippies) Zeugnis abgaben. Das einzige, was eben ein bisschen irritierend ist, sind die ganzen Plakate von Leuten mit Maschinengewehr... in einem öffentlichen Haus hing sogar noch Saddam rum. Am Nachmittag waren wir noch bei Gedenkstätten Johannes des Täufers, bevor wir mit einer arabischen Süßigkeit (irgendwie so süß frittierter Käse oder so, jedenfalls lecker und sehr sättigend) verabschiedet wurden, wobei ein Beamter der Stadtverwaltung noch eine feierliche Abschiedsrede hielt, und mehrmals betonte, dass alle Bürger von Nablus für unseren Besuch dankbar seien, und wir jederzeit wiederkommen könnten. Na, jedenfalls war es ein langer Tag und wir fuhren im Dunkeln zurück nach Jerusalem.
Am Mittwoch war ich dann mal wieder in Gallicantu, einer Kirche in der Nachbarschaft, um bei der etwas unsortierten, aber sehr witzigen Soeur Laurence nochmal über das Zimmer meiner Eltern zu reden. Nachmittags war ich mit Brinthi in einer tollen Waffelbar. Waffeln haben wir zwar nicht gegessen, aber einen tollen Becher, der Shokobo heißt, und zur einen Hälfte aus Eis, geschmolzener Schokolade und Kaffee besteht, zur anderen Hälfte aus einem riesigen Berg Sahne. Extrem sättigend und extrem lecker!
Donnerstag Nachmittag hatten wir unsere Audienz beim koptischen Patriarchen, im Rahmen unserer Vorlesung zur Ostkirchenkunde haben wir nämlich die Ehre, einige der orthodoxen Patriarchen hier in Jerusalem zu besuchen! Die haben natürlich jeweils einen eigenen Thronsaal. Nach einiger Wartezeit wurden wir da auch reingelassen. Der Patriarch freute sich, dass wir bei ihm anfingen. Man kann aber nicht ganz verschweigen, dass er vor allem die Wahl für den ersten Besuch war, weil er altersblind ist, und er somit all die Patzer von uns nicht sieht, denn es gibt etliches an Verhaltensregeln bei einer solchen Audienz zu beachten; zum Beispiel darf man nicht die Beine übereinanderschlagen, da dies als Verspottung des Kreuzes gilt, usw. Wir wussten uns aber in jedem Falle zu benehmen, und der Patriarch war auch total nett drauf. Typisch orientalisch antwortete er auf etliche Fragen auch sehr ausweichend: denn man würde nie die Antwort verweigern, man sagt bloß was völlig anderes und damit soll dem Frager klar sein, dass man dazu nichts sagen will... wobei das bei unseren lieben Politikern zuhause eigentlich auch so ist.
Ansonsten gab es Freitag noch einen sogenannten "Herrenabend" der Verbindungsleute (also von den Leuten unter uns (Studis/Volontäre/Mönche), die in einer Studentenverbindung sind; die haben eine sog. Kneipe veranstaltet, also ein Zusammensein mit festem Programm für Unterhaltungen, kleine Reden und Lieder). Dabei kann man auch viel falsch machen, so wie ich: 1. hatte ich keinen Hemdkragen, 2. ein Mischbier und das habe ich 3. auch noch aus der Flasche getrunken... naja, es war ganz ok, aber ich bin dann doch relativ früh wieder abgehauen... selbst um Pinkeln zu gehen, musste man ein Pause-Zeichen an das "Präsidium" geben (um aufstehen zu dürfen)!
Am Wochenende habe ich dann eigentlich nur für das Referat am Montag (gestern) gearbeitet. Heute wäre eigentlich auch Exkursion, aber ich bin hier geblieben, weils mir nicht so gut ging heute morgen und schon die letzten Tage... aber inzwischen gehts wieder. Ich brauch wahrscheinlich nur mehr Schlaf...
Bis bald, Euer Jakob

Sonntag, 27. November 2011

Apocalyptica

ist nicht nur der Name einer sehr guten Cello/Metal-Band, sondern auch das Thema in der Vorlesung unserer Studiendekanin, nämlich zur Offenbarung des Johannes. Sie ist Franziskanerin und hat den Lehrstuhl des Studienjahres inne. Daher habe ich mich bei einem meiner nerdigen (engl. Nerd ist ein freundliches Wort für Fachidiot) Lieblingsbücher, Neutestamentliche Apokryphen, schonmal in das Thema eingelesen.
Ansonsten hatten wir noch eine Vorlesung von Herrn Lehnert aus Wittenberg, der uns sein Theaterstück zu Paulus vorgestellt hat, wobei natürlich einiges zu Paulus und Theater allgemein diskutiert wurde. Und dann hatten wir auch noch Vorlesung von Pater Mark und Bruder Nikodemus (hier von der Abtei) zum Thema der Ostkirchen, die ja hier viel wichtiger und präsenter sind als die katholische oder gar evangelische.
Am Mittwoch war dann eine dieser nervigen Reflexionsrunden, wo wir uns über Sachen in der Gruppe austauschen sollen. Eigentlich ist es aber schon wichtig, weil man hockt halt ständig aufeinander, und da kann einem schon mal das eine oder andere auf den Wecker gehen. Ist halt doch ne Insel hier...
Abends war dann von Pater Bernhard ein seeehr schöner Vortrag über Ikonen, denn er ist selber ausgewiesener Ikonenmaler.
Am Freitag habe ich zunächst mal den Adventskalender von meinen Eltern rechtzeitig bekommen, das war eine sehr schöne Überraschung! Abends war Schlagerparty, war echt total abgefahren und ging dann noch ewig die Nacht hinein...
Samstags war Weihnachtsmarkt bei der Erlöserkirche, mit Würschtchen und Glühwein... nur die Wärme und die Palmen waren irritierend... Ein kurzes Orgelkonzert gabs noch dazu, dass war sehr schön. Abends war dann feierliche Vesper mit Entzündung des Adventskranzes.
Ansonsten war ich heute noch schön essen gehen in dem Grillrestaurant, wo ich schon mal war, und versuche mich weiterhin zu bewegen, endlich mehr für mein Referat zu tun...
Bis dann, Euer Jakob

Sonntag, 20. November 2011

Exkursion nach Galiläa

Vorgestern sind wir zurückgekommen aus Galiläa, direkt in unsere kalten Zimmer. Erstmals funktioniert die Heizung, doch da das Wasser für die Heizung erst hundert Meter unter der Erde durchgepumpt wird (vom Abteikeller) und das Beit Joseph leider null Isolierung hat, nützt es nicht sonderlich viel (außer als moralischer Beistand).
Los ging es nach Galiläa am Montag, dem siebten November. Zuerst kamen wir nach Beit Shean, wo man eine römische Stadtstruktur sehr eindrucksvoll anschauen konnte. Man merkt sofort, worum es in Galiläa fast einzig und allein geht: um Archäologie. Die ersten Tage wurden wir von Jürgen Zangenberg geführt (Experte für Hellenismus), und dann noch zwei Tage von Gunnar Lehmann (Experte für die späte Bronzezeit). Na, jedenfalls sind wir dann weiter nach Tiberias, das ist die große Stadt am See, wo es nur ein olles Stadttor zu sehen gab. Tiberias selbst ist eine Betonhochburg und, außer zum einkaufen, nicht sehr empfehlenswert. Schließlich kamen wir in unserem Quartier für die nächsten zwei Wochen an: Tabgha, der Legende nach der Ort der wunderbaren Brotvermehrung, und, was viel wichtiger ist, ein kleines Paradies mit großem verwinkelten Garten, wo Quellen und Bäche fließen, und viele kleine Orte, an denen man sitzen (oder beten) kann. Auch die Kirche, die auf uralten Fundamenten steht, was man an alten Mosaiken sehen kann, ist sehr schön, dazu ein kleiner Kreuzgang mit Fischteich. Die ganze Anlage samt dem Klosterneubau und einem großen Olivenhain liegt direkt am See Genezareth, wo man also auch ans Ufer kann. Nebenbei fließt eine "warme" Quelle vom benachbarten Franziskanergrundstück direkt vors Beit Noah (unser Gästehaus), wo wir denn auch gleich reingsprungen sind.
Am Dienstag sind wir dann nach Magdala (wo Maria Magdalena herkommt) und nach Hippos. Letzteres liegt auf einem Pferdekopf-ähnlichen Hügel (griech. Hippos = Pferd, hebräisch heißt die Stadt Susita, von hebr. Sus = Pferd), dort gab es etliche Kirchenruinen zu sehen und einen schönen Sonnenuntergang, wobei die Sonne direkt in den Tabor zu versinken schien, ein Berg, von dem noch die Rede sein wird. Leider wurde mir den Tag sehr schlecht, und abends musste ich mich übergeben. Den nächsten Tag war ich dann halbtot mitgefahren... Da waren wir in Omrit, auch ein oller Tempel, dann in Banias, wo ich die Wanderung schon nicht mehr mitmachte, und schließlich auf dem Har Bental, eine Art Nationalheiligtum, weil er von einer Handvoll Israelis gegen die arabische Übermacht verteidigt worden war. Dort hatte ich die Kopfschmerzen des Jahrhunderts, und ich entschied, am Donnerstag doch in Tabgha zu bleiben und mich auszukurieren. Am Freitag sind wir in das gut aufbereitete Megiddo gefahren, eine uralte Stadt, und später nach Dor, wo wir Zeit hatten, am Strand zu sitzen.
Dann kam das Wochenende, zunächst war am Freitag Tabghafest, wo die Einheimischen die Brotvermehrung feiern, daher war die Messe auf Arabisch... Außerdem hatte ich mit Brinthi abends Andacht, denn auf der Galiläa-Exkursion machte jeden Abend jemand anders Andacht (war aber keine Pflicht oder so), mit Kerzen direkt am See. Sonntags war dann "Geistlicher Tag", den ich vormittags in der letzten warmen Sonne am See verbrachte, später war ich im Kreuzgang. Kurzum, es gab viel Zeit, einfach da zu sein, zu lesen, oder auch nur rumzugammeln. Am Montag hatten wir einen komplett freien Tag, sodass wir (also Andreas, Brinthi, Rebekka, Olga und ich) spontan beschlossen, nach Tiberias zu trampen und uns ein Auto zu mieten. Damit ging die Landpartie los und wir fuhren zuerst nach Tsfat (Saphed), die Kabbalisten- und Künstlerstadt), wo man viel rumbummeln und gucken kann. Danach machten wir uns auf ins orthodoxe Kapharnaum, also den Ort, wo Jesus lehrte. Viele der heiligen Orte teilen sich bekanntlich die christlichen Konfessionen, ohne dabei besonders freundschaftlich verbunden zu sein. Die orthodoxe Kirche dort ist relativ bekannt, weil sie außen ganz lustig anzuschauen ist, mit runden Kuppeln, die in einem Barby-rot gehalten sind. Aber auch innen ist sie sehr eindrucksvoll ausgemalt mit vielen Motiven, Ikonen etc. Nach einem Stop beim Burgerrestaurant sind wir ins Kibbuz Kinnereth, wo es eine Schokoladenfabrik gibt, und natürlich kauften wir einiges davon. Schließlich sind wir dann nach Tiberias bzw. Tabgha zurückgekehrt.
Dienstag ging wieder unser Programm weiter, und zwar mit Nazareth und Tabor. In Nazareth trafen wie einen "Kleinen Bruder vom Herzen Jesu" und die ätzende 60er-Jahre-Architektur der Verkündigungskirche. Besonders die stille Wanderung auf den Berg Tabor, dem legendären Ort der Verklärung Christi, wo er also in himmlischem Licht erstrahlte, hat mir sehr angetan, die Kirche auf dem Gipfel ist sehr schön, die Innengestaltung hat von nichts zuviel und von nichts zuwenig. Dies war für mich persönlich (geistlich gesehen) der Höhepunkt der Exkursion. Am Mittwoch ging es ins katholische / franziskanische Kapharnaum, wo sie ein komisches Ufo hingestellt haben, was eine Kirche sein soll. Nun ja. Wir reisten jedenfalls weiter nach Gamla und inzwischen machte sich die einbrechende Regenzeit voll und ganz bemerkbar, denn ab jetzt schüttete es ohne Ende, sodass aus dem Besuch in Gamla eine einzige Matschtour wurde. Gamla kommt übrigens von hebr. Gamal = Kamel, weil es auf zwei Hügeln, die von oben tatsächlich wie Kamelhöcker aussehen, gebaut wurde. Donnerstags waren wir dann in Sepphoris (sprich: Sefforis, von hebr. Zippori = Vogel), wo es ganz wunderschöne und gut erhaltene Mosaike zu bewundern gibt; und in Yod'fat (griech. Iotapata), wo weiland Josephus Flavius auf die Römer traf, im Jüdischen Krieg 70 n.Chr. Am Freitag jedenfalls ging es noch nach Beit Shearim (wörtlich: Haus der Tore), und das war ein wirklich mystischer Ort. Inzwischen regnete es nicht mehr. Der Berg war wirklich ein Haus der Tore, nämlich der Grabtore, denn in dem Ding gibt es haufenweise Grabhöhlen, die man auch betreten kann, und die sehr umfangreich und langgestreckt sind, auch ganz kunstfertig ausgestaltet waren. Allein in der Abenddämmerung wäre es dort sehr gruselig geworden... Den Abschluss bildete Caesarea Maritima, eine einstmale gewaltige Hafenstadt, heute eine Art archäologischer Freizeitpark, und es gibt tatsächlich einiges zu sehen. Nachdem wir uns vom Meer verabschiedet haben, ging es endlich wieder nach Hause, nach Jerusalem.
Es war auf jeden Fall eine sehr spaßige und wahnsinnig interessante Tour!
Ansonsten war ich heute Morgen in der Messe der französischen Dominikaner in St. Etienne bei der École biblique. Denn das Schöne in Jerusalem ist ja, dass man tausend verschiedene Gottesdienste und jede Art und Weise, jede Nationalität und Eigentümlichkeit in einer einzigen Stadt kennenlernen kann. Etwas spöttisch, aber doch nicht ganz verkehrt hat mal jemand die Stadt ein "religiöses Disneyland" genannt... Heute abend will ich noch ins Burgerrestaurant und zum Bowling, bevor morgen wieder die Vorlesungen beginnen, und bald muss ich ja auch mein Qumran-Referat vorbereiten... Tja, es gibt immer was zu tun.
Bis demnächst, Euer Jakob

Sonntag, 6. November 2011

Brrr!

Zehn Grad in Jerusalem, und wir haben alle den Eindruck, die Eiszeit ist ausgebrochen...
Ansonsten ist die Woche auch nicht SO viel passiert... Wir hatten fast nur Archäologie-Vorlesungen als Vorbereitung auf Galiläa, wo wir im Tochterkloster Tabgha jetzt zwei Wochen verbringen werden. Danach gibts auch den nächsten Bericht, wo dann sicher wieder mehr zu erzählen ist...
Die Prüfung bei Hrn. Zangenberg habe ich auch bestanden, sodass ich jetzt vier von den fünf Pflichtprüfungen schon in der Tasche hab... Fehlen nur noch die Referate, die Hausarbeiten, die Ortsführung usw. usw. ;)
Ansonsten war ich heute in der Neustadt nett Fisch essen und werd jetzt gleich anfangen zu packen...
Bis bald,
Euer Jakob

Freitag, 28. Oktober 2011

Von Lifna bis Yafo

Da bin ich wieder!
Letzten Dienstag waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs, die uns in Jerusalem Stätten zum Thema "Naqba" zeigte: das heißt "Katastrophe" und ist die palästinensische Bezeichnung für das, was Israel Unabhängigkeitskrieg nennt. Wir besichtigten viele Häuser, aus denen Palästinenser vertrieben wurden und erfuhren von den Verbrechen, die jeder Krieg mit sich bringt. Abends schließlich waren wir in dem Ruinendorf Lifna, wo einem schon sehr melancholisch zumute wurde. So lernt man nach und nach beide Seiten des Konfliktes besser verstehen, was unmöglich ist, wenn man sich bloß auf Vorurteile stützt: es ist nicht sinnvoll, sich vorschnell auf eine Seite zu stellen, und es gibt kein schwarz-weiß, wie im Westen viele auf die eine oder andere Art glauben.
Am Mittwoch war Simchat Tora (Freude der Tora), der Abschluss des Laubhüttenfestes, wo es sehr ausgelassen zugeht, viel gesungen und getanzt wird, während die Kinder Bonbons und Plüsch-Toras bekommen, was sehr niedlich ausschaut...
Donnerstag und Freitag hatten wir unsere von den Studenten selbst organisierten Studientage zu Themen der Ökumene, wo natürlich viel diskutiert wurde. Ich hatte mein kleines Referat am Freitag zusammen mit Andreas und Tobi, wo es um Dokumente des katholischen Ökumene-Verständnisses ging. Zwischendurch kam die nächste Getränkelieferung, um die ich mich dann auch noch kümmern musste, abgesehen davon, dass ich sowohl in der Frühmesse, als auch nachmittags in der lutherischen Erlöserkirche als Lektor tätig war: das ist doch mal Ökumene! Abends sitzt man wie so oft noch auf ein Bierchen zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen... Achja, außerdem war ich ja am Freitag noch mit ein paar Freunden in der Stadt bei einem Wohnungsausverkauf, um uns Krempel anzusehen, und schließlich war noch Fußball angesagt: ein voller Tag...
Am Samstag war ich mit Brinthi in der Stadt Pizza essen und dann haben wir die Tour auf der Stadtmauer gemacht, die einfach immer wieder lohnenswert ist. Am nächsten Morgen, sonntags, sind wir dann zur St. George Kirche in den Gottesdienst von den reformierten Schotten gegangen, was echt total schön war, weil es einfach so ein ganz schlichter und toller Gottesdienst war mit einer relativ kleinen, aber internationalen Gemeinde, hat mich ein bisschen an Zuhause erinnert.
Am nächsten Dienstag war dann wieder Tamar Avraham angesagt, die uns diesmal die jüdischen Viertel von Jerusalem näher vorstellte, um weitere Aspekte des hiesigen Konflikts zu erfahren.
Abends war dann noch ein groß angelegter Ball im Österreichischen Hospiz, zum Österreichischen Nationalfeiertag. Da bin ich eigentlich nur für das leckere Essen mitgekommen, was sich voll ausgezahlt hat...
Mittwoch hatten wir unsern Studientag mit Gil Yaron, einem Nahost-Korrespondenten, der wiederum einiges zur Israelischen Seite des Konflikts beitragen konnte, zudem hat er uns die Anfänge des Zionismus erklärt, die man ohnehin unbedingt kennen sollte. Denn die allerersten Zionisten waren evangelikale Christen, und sodann säkulare, sozialistisch geprägte Juden; religiöser Zionismus und Siedlerbewegung sind dagegen davon abgespaltene, vergleichsweise junge Bewegungen (etwa seit 1967, also seit dem Sechs-Tage-Krieg), denn den säkularen Zionismus gibt es fast hundert Jahre früher, und er war ursprünglich auch nicht speziell an Palästina interessiert: dies ist erst dadurch gekommen, dass kein Land bereit war, die Juden im eigenen Land zu dulden, noch ihnen irgendwo die Möglichkeit für einen eigenen Staat gab. Ursprünglich hatte Theodor Herzl den "Judenstaat" in einer verlassenen Gegend von Uganda geplant!
Am Donnerstag Morgen habe ich dann mit Brinthi "Urlaub" gemacht: wir sind mit dem Zug nach Akko, eine schöne Kreuzfahrer-Hafenstadt und haben dort bei "Uri Buri" ganz wunderbar Fisch gegessen. Eigentlich wollten wir noch nach Haifa, doch es war so schön in Akko, dass wir dann dort übernachteten. Heute morgen sind wir dann nach Tel Aviv bzw. Jaffa (Yafo), wo es außer der wunderschönen Altstadt und dem Meer (es ist hier immer noch sehr angenehm warm...) einen riesigen, allseits bekannten Flomarkt gibt, wo man echt Stunden zubringen kann... Irgendwann sind wir dann aber doch hierher zurück. Schließlich ist heute Bruder Josephs Geburtstag und es wurde Grillfleisch versprochen...
Aber die Erholung vom überreligiösen Jerusalem zu den entspannten Kreuzfahrerstädten und dem postmodernen Tel Aviv hat uns jedenfalls sehr, sehr gut getan!
Soweit für heute... Euer Jakob

Montag, 17. Oktober 2011

Chag Sameach!

Frohes Fest! sagt man zum Laubhütten-Fest (Succoth); es steht sogar auf den Cola-Flaschen. Succoth ist, was hier in Jerusalem grade abgeht, das heißt, die Juden wohnen in kleinen selbstgebauten Hütten, um sich an die Wanderzeit des Exodus zu erinnern: dabei wird die Stimmung immer ausgelassener, bis die Succoth-Woche in das Tora-Freudenfest mündet.
Am letzten Donnerstag waren fast alle Mönche in die "Kolonie" Tabgha in Galiläa ausgeflogen, also ein Minikloster, was eng mit dieser Gemeinschaft hier verbunden ist. Dadurch hatten wir Gelegenheit, eine Messe mal wieder selbst zu gestalten, was wir zusammen mit Pater Fröhling als zelebrierendem Priester taten. Er ist ein junger Pallottiner, der mit uns Probleme der Ökumene behandelt.
Ansonsten habe ich mir es am Wochende gutgehen lassen, mit den Leuten hier abgehangen usw. Viele kennen inzwischen auch Einheimische, was für uns schwerer ist als zum Beispiel für die Leute von "Studium in Israel", auch so eine Art Studienjahr, nur direkt an der Hebrew University, sehr viel mehr Judaistik- und Ivrit-lastig, vor allem aber wohnt man direkt in der Stadt und nicht wie wir in unserem Mikrokosmos Beit Joseph. Dafür müssen sie aber auch so ziemlich alles selbst organisieren. Jedenfalls: alles hat seine Vor- und Nachteile.
Samstag Abend war ich endlich mal in der German Colony, wo es zwar inzwischen nicht gerade viele Deutsche mehr gibt, dafür aber vieeele (gute) Restaurants und Kneipen. Zusammen mit Brinthanan war ich dort Lachs essen, was sehr gut geschmeckt hat. Dann waren wir am nächsten Morgen, sonntags, in einem ziemlich ätzenden evangelikalen Gottesdienst in der Christ Church der Anglikaner. Nach dem "Worship"-Teil, der mir persönlich schon zu platt war, kam dann eine krasse Bußpredigt, und dass wir doch alle Götzendiener seien und so weiter. Als der Pfarrer fertig damit war, sind wir gleich gegangen; ich hätte es jedenfalls keine Minute länger dort ausgehalten. Naja, aber durch solche Erfahrungen lernt man auch, seinen eigenen Standpunkt zu bestimmen.
Dementsprechend erholsam war dann heute die katholische Liturgie in der Frühmesse in Gedenken an Ignatius von Antiochien, einer der "Apostolischen Väter", also die Leute, die direkt nach den 12 Aposteln gelebt und gelehrt haben. Da er ein Märtyrer war, trug der Priester (Pater Elias) heute ein blutroten Überhang, was ehrlich gesagt echt schön aussah. Nicht ganz so schön, aber doch ungemein lustig war Susi. Susi ist neben "Garfield" eine der Katzen, die sich die Gärten des Beit Joseph teilen, und noch ziemlich klein. Da Garfield sie ständig vertreibt, ist sie wohl irgendwie in die Kirche geraten, versteckte sich während der Messe in einer Niesche und mauzte immer mal vor sich hin, und zwar bei der Lesung des Evangeliums passend nach jedem Vers. Nach der Messe ist sie dann in die Krypta geflüchtet... Bruder Josef war nicht sonderlich begeistert ;)
Ansonsten hatte ich heute ziemliche Kopfschmerzen und habe deshalb sowohl den Ivritunterricht verpasst als auch den Besuch in einer der sefardischen (spanisch-jüdischen) Yeshivas (Talmud-Schulen) in der Nachbarschaft, und blieb auch abends hier. Dafür habe ich wieder Zeit, hier etwas reinzuschreiben, und bedanke mich bei der treuen Leserschaft für die Aufmerksamkeit!
Bis demnächst,
Euer Jakob

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Irreconcilable Differences

"Unauflösbare Unterschiede" sind laut Mr. Isaacs, Dozent in unserer Ringvorlesung zum Verständnis des Judentums, in allen Diskussionen nicht nur faktisch da, sondern auch zu bejahen. Aber dies geht über das Feld des Judentums noch hinaus: Ist es wirklich so, wie man in den westlichen Traditionen (im Gegensatz beispielsweise zum in sich so differenten Judentum) wirklich nötig, in allen Punkten Einigung zu erzielen um jeden Preis? Denn die Frage ist doch: Warum können wir nicht einfach damit leben, dass andere Menschen andere Ansichten haben? Kompromisslösungen sind daher oft nur ein anderer Ausdruck unserer Unfähigkeit mit anderen Anschauungen klarzukommen (Stichwort: Ökumene)...
Aber hier ist nicht der Ort, darüber zu philosophieren... Letzten Mittwoch hatten wir abends unser mönchsmäßiges Schweigeessen. Als dieser Vorschlag eingereicht wurde, habe ich mich fast als einziger offen dagegen ausgesprochen, da mir das zu unentspannt ist... als es aber soweit war, wollte ich dann zumindest Lektor sein! Somit begann ich abends, den Anfang von Josef und seinen Brüdern (Thomas Mann) vorzulesen...
An unseren ziemlich vollgepackten Tagen hatte ich dann am Donnerstag und Freitag noch die ersten Prüfungen in AT und Systematischer Theologie, schriftlich und mündlich; sie sind soweit ganz gut gelaufen. In der AT-Prüfung ging es um Psalm 88, den wir historisch-kritisch beleuchten mussten. Bei der Systematik ging es darum, inwieweit christliche Eschatologie-Vorstellungen heute anthropologisch aufgelöst werden können (wobei ich mich persönlich frage, ob dies nötig ist - denn die biblischen Bilder sind poetische Bilder aus dem alten Orient, ist es nötig, unseren Zwang nach Systematisierung ihnen aufzunötigen, statt sie in ihrer intuitiven Kraft sprechen zu lassen? aber ich schweife mal wieder ab...)
Am Samstag war Yom Kippur. Selbst wenn man dies nicht weiß, merkt man es spätestens, wenn man morgens vor die Tür tritt, und zwar an dem, was nicht da ist: Lärm. Die ganze Stadt ist in eine fast gespenstische Ruhe gesenkt, kein Auto fährt usw., während man sich in den Synagogen zum Gebet sammelt, um schließlich abends die Versöhnung mit Gott zu feiern.
Sonntags war bei uns in der Abteikirche wieder eine feierliche Messe, diesmal zur Profess von Pater Zacharias, das heißt, dass er endgültig in den Mönchsstand eintritt. Er hat eigentlich schon ein ganzes Leben als Pastor in verschiedenen Orten hinter sich, und hat dennoch noch einmal die Koffer gepackt, um hier im heiligen Land Mönch zu werden.
Gestern schließlich waren wir zu Besuch an der Hebrew University auf dem Mt. Scopus, wo wir auch einige Veranstaltungen hatten und uns allgemein das Gelände ansahen. Am Morgen sind wir zu Fuß hoch, abends mit dem Bus zurück, da es nach wie vor nicht ratsam ist, nach Sonnenuntergang durch arabische Viertel zu laufen...
Bis demnächst,
Euer Jakob!

Dienstag, 4. Oktober 2011

Habemus... öhm... Abt!

"Wir haben einen... Abt!" Hatten wir auch schon vorher, aber nun wurde Gregory Collins aus Irland offiziell in einer großartigen Benediktionsfeier vom Bischof in sein Amt eingesetzt. Das war mal Katholizismus pur. Zwischendurch musste sich der arme Gregory zu Füßen des Bischofsthrones komplett hinlegen mit dem Gesicht nach unten, während eine gefühlte halbe Stunde alle möglichen Engel und Heiligen um ihren Beistand angerufen wurden.
Doch zunächst gab es letzten Donnerstag erstmal einen jüdischen Feiertag mitzuerleben: Rosh haShana, was "der Erste oder das Haupt des Jahres", also soviel wie Neujahr bedeutet, das für die Juden somit im Herbst beginnt. Dabei haben wir den Freudentänzen an der Klagemauer und einem Gottesdienst in einer Synagoge beiwohnen dürfen (also nicht alle zusammen, man hatte den Tag frei, und jeder ist so mit zwei, drei anderen losgezogen - es gibt hier ja genügend Synagogen zur Auswahl).
Heute wiederum hatten wir ein ernsteres Thema auf dem Plan, den Besuch in der Gedenkstätte Yad vaShem, das bedeutet wörtlich "Hand" (bzw. "Denkmal") und "Name". Dies ist einem Vers des Propheten Jesaja entnommen und bedeutet, dass hier den sechs Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors im Deutschland unter Hitler gedacht werden soll, und man versucht auch, diese anonyme Zahl durch Einzelgeschichten und eben Namen erkennbar zu machen, da sonst nicht deutlich wird, welches ungekannte Ausmaß an geradezu industriell organisiertem Mord an Unschuldigen und welche Zerstörung von Kultur hier systematisch vorgenommen wurde. Obwohl ich persönlich natürlich nicht schuldig bin, geht man doch mit einem sehr schwierigen Gefühl aus dieser Stätte heraus, besonders als Deutscher. In jedem Falle haben wir eine Verantwortung für die Zukunft, und wir sollten sehr hellhörig sein, wenn man in Deutschland und anderen Ländern wieder anfängt, Minderheiten pauschal abzustempeln und Angstmache zu betreiben.
"Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unermesslichem Leid."
Aber "Liebe zu den Menschen treibt die Angst aus." (1. Joh. 4,18)
Bis demnächst, Euer Jakob

Montag, 26. September 2011

Sugar Rush

..."Zucker-Rausch" heißt eine Kneipe, da ich nun endlich mal nachts in der Neustadt unterwegs war... so ganz war es allerdings nicht mein Ding, die Musik gefiel mir nicht (für die Eingeweihten: es war so ähnlich wie in Tübingen, Blauer Turm). Sugar Rush holt man sich da besser bei arabischen Süßigkeiten und der sonntäglichen Torte hier im Beit Joseph... (Ich weiß, wir sind verwöhnt) Zumindest war ich mal im koscheren McDonalds, wo es... interessant schmeckt... außerdem war es total leer wegen Shabbat. Ganz ungewohnt, da in Tü selbst zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten der Macces gerammelt voll ist.
Man sieht, es war eine kleine Erholungswoche... aber nicht nur! nach zwei Tagen frei (Di und Mi) hatten wir am Donnerstag unseren Studientag mit der Rabbinerin Nina Redl, die ursprünglich aus Südtirol stammt, in den USA als Professorin lehrt und hier als Rabbinerin und Krankenschwester tätig ist - eine sehr vielseitige Person. Sie erzählte uns einiges über die verschiedenen Richtungen des Judentums, das mindestens so uneinheitlich ist wie das Christentum. Daher das berühmte Sprichwort: Zwei Juden, drei Meinungen. Das Wochenende habe ich hauptsächlich in der Bibliothek zugebracht, weil ich es eben nicht lassen kann, sowas durchzustöbern. Besonders interessant fand ich den "Guide for the Perplexed" von Moshe ben Maimon, aus dem Mittelalter, wo er versucht, die Bibel verständlicher zu machen. Nebenbei brannte am Freitag auf dem Parkplatz direkt vor unserm Haus noch ein Auto ab. (Offenbar ist es nicht unüblich, sein Fahrzeug auf diese Weise 'diskret' zu entsorgen.)
Joa... ansonsten war heute wieder Archäologie dran (Davidsstadt), wobei es echt interessant war, durch all diese Tunnel unter der (noch älteren) Alt-Altstadt zu laufen... Außerdem mussten wir unseren inzwischen beliebten Ivrit-Lehrer Eran verabschieden, der jetzt überraschend für drei Jahre nach Straßburg geht.
Nun ja, soviel für heute...
Also, bis denn,
Euer Jakob

Mittwoch, 21. September 2011

Yalla shabab!

"Auf geht's, ihr jungen Leute!" sprach unser Guide Ahmed, ein älterer und sehr fitter Herr, jedesmal mit basisdiktatorischer Vollmacht, und wir konnten es ihm auch nicht übelnehmen. Schließlich hatten wir bei unserer Exkursion in den Sinai (besser Exodus in die Wüste) ein straffes Programm.
Am Samstag (10.09.) ging es los und wir fuhren zunächst mit dem Bus über die ägyptische Grenze nach Taba, wo wir unsere Guides Ahmed und Rami trafen. Sie stammen beide aus Kairo und konnten uns viel über die Situation in Ägypten erzählen. Ahmed erklärte uns alles, Rami war eher der stille Organisator. Dann kamen wir nach einer weiteren Fahrt zu einem Inschriftenfelsen auf einer alten Karawanenroute, wo das Regenbogenkreuz eingemeißelt ist, das Symbol unserer Abtei auf dem Zion, da Pater Laurentius, der Neugründer derselben, es damals hier entdeckte. Die Abtei und das Studienjahr sind also seit jeher mit dem Sinai verbunden. Wir Studienjahrler bekamen vor der Reise auch alle ein solches Kreuz aus Holz mit auf den Weg. (Für die Interessierten: es deutet auf die drei Bünde Gottes mit den Menschen: Regenbogen - Noah, Zwölf Enden des Kreuzes: Mose und die zwölf Stämme Israels, Kreuz: Jesus Christus.)
An unserem ersten Abend landeten wir schließlich im Katharinendorf, der Hauptsiedlung des Beduinenstamms der Djebeliah, das bedeutet: Bergleute. Am Sonntag ging es dann mit der eigentlichen Wanderung los, auch wenn der erste Tag noch nicht so schlimm war. Aber es wurde zunehmend anstrengender, mit all dem Gepäck die Berge hochzusteigen. Als Hilfe hatten wir jeweils einen beduinischen Guide, das war die meiste Zeit Sayid, ein sehr ruhiger und konzentrierter, ernsthafter Mensch. Die Beduinen haben in vielen Tälern kleine Gärten, die auch ummauert sind, und wo wir unser Nachtlager jeweils aufschlugen. Dieses bestand einfach aus einer Isomatte und dem Schlafsack. Der Sternenhimmel war fantastisch - ohne "Lichtverschmutzung" konnte man ganz verträumt die Milchstraße betrachten und sich über die unendlich vielen Sterne wundern. "Leider" war auch Vollmond angesagt am Anfang, sodass es in der Nacht sehr hell war zum Schlafen. Außerdem war es ziemlich kalt, sodass man in der Wüste wirklich das totale Extrem hat von megawarm zu superkalt. Zudem wird es natürlich anstrengend, wenn zwanzig Leute zehn Tage, 24 Stunden aufeinander hocken, aber es gab überraschenderweise keine ernsthaften Konflikte. Da lebt man dann schon ziemlich eng, sodass man sich plötzlich über sehr intime Sachen unterhält. Eine dieser Sachen war natürlich der Toilettengang. Das ist in der Wüste genau vorgeschrieben. Zunächst mal sucht man sich einen Felsen, damit man nicht gesehen wird. Nach verrichtetem Geschäft decke man die Hinterlassenschaften mit Steinen ab. Unentbehrlich sind neben Toilettenpapier: Streichhölzer. Denn da wir in der Wüste keinen Zivilisationsmüll hinterlassen dürfen, gilt es nun, das benutzte Toilettenpapier zu verbrennen. Wenn aber nun ein leichter Wind weht, und die Dinger sich davonmachen, bevor man sie anzünden kann, kommt natürlich Freude auf. Soviel also dazu. - Dusche gibt es gleich mal gar nicht, und Wechselklamotten müsste man selber mitschleppen - viel zu viel Last, nur einen Teil von unserem Gepäck haben die Kamele genommen, die uns im Nachtlager jeweils wieder begegneten. Das bedeutet offen gesagt, dass wir am Ende aussahen, wie die letzten Penner: jedes Essen konnte man auf den Shirts nachlesen, und alle haben zum Himmel gestunken. - Aber erstmal weiter mit der Chronologie.
Am ersten Tag bin ich mit einem Kumpel noch auf einen Berg gestiegen, um einen wunderbaren Sonnenuntergang zu betrachten. Den zweiten Tag ging es dann weiter zum nächsten Nachtlager. Die Beduinen backten uns Pita, so dünne Brotfladen, die wir mitnahmen und mittags aßen, während sie abends für uns etwas kochten. Die Assistenten erzählten uns natürlich sofort, wie verweichlicht die Sinai-Exkursion inzwischen sei. Schließlich habe man damals noch selber Feuerholz sammeln müssen und Wasser aus den Quellen getrunken statt aus Plastikflaschen. Naja, sicher haben wir späteren Generationen auch etwas zu berichten, denn bekanntlich verweichlicht ja alles nach und nach noch mehr. - Was wirklich schön war, war der Tee, den die Beduinen bei jeder größeren Rast kochten, und der wirklich sehr gut schmeckte. - Ebenfalls sehr erholsam war das Flötenspiel von Florence, das bei den Mittagspausen durch das Wadi klang, was wirklich mystisch wirkte.
Natürlich hatte ich mir in der ersten Nacht gleich eine Erkältung geholt, sodass ich die jetzt die nächsten Tage mit mir rumschleppen konnte. Am Dienstag war ein sehr harter Aufstieg, mit lauter Geröll, sodass man echt aufpassen musste, wo man hintritt. Die meisten sind zu einem kleinen natürlichen Pool, der ganz unten in einem Wadi war gegangen, aber mir war der Tag schon stressig genug. Denn wo man runtersteigt, muss man ja auch wieder hoch.
Am Mittwoch war dann ein leichter Tag, da ich auf einen Felsen mit aufstieg, sondern mit Andreas unten wartete (nachdem wir endlich Schatten gefunden hatten - die Sonne ist erbarmungslos da unten), um meine Erkältung auszukurieren. - Doch der härteste Tag sollte noch kommen.
Zunächst kam aber erstmal der Donnerstag, unser "Wüstentag", wo wir einen Tag nach freier Gestaltung in der Wüste zubringen konnten, wobei wir alle uns ein einsames Plätzchen suchten und jeder quasi mal für einen Tag Einsiedler war. Entsprechend kamen wir alle mit unseren eigenen "spirituellen" Erfahrungen zurück, die wir abends austauschten. (Ok, zugegeben, Gruppenrunden sind nervig. Aber es war trotzdem interessant nach so einem Tag...)
Am Freitag kam dann der Hammer. Zunächst sind wir (nicht alle) rauf auf den Katharinenberg, den höchsten Berg des Sinai. Dann den kompletten Berg wieder runter auf einem ultra anstrengenden Schotterweg in brütender toter Mittagshitze. Nach kurzer Mittagspause gings dann hoch auf den Moseberg, und ich war schon am Mittag so fertig und durcheinander, dass ich echt dachte, ich hab nen Sonnenstich oder sowas. Weiter oben auf dem Moseberg muss man dann eine unendliche Naturstein-Treppe hinaufsteigen, um schließlich zur Spitze zu kommen. Dort warteten wir den Sonnenuntergang ab, um dann im Dunkel der Nacht wieder runterzusteigen zu unserem Nachtlager.
Samstags sind wir dann den Rest vom Moseberg runter und endlich ins griechisch-orthodoxe Katharinenkloster, wo es haufenweise uralte Ikonen gibt, die ziemlich berühmt sind. Übrigens ist das einzige Kloster mit einer Moschee - einige islamische Besatzer hatten sie einstmals mitten reingesetzt.
Danach kam der totale Spaßfaktor - der Beginn unserer Jeeptour, denn nach einer Woche Höhenwandern mussten wir nun nicht selber laufen. Vorher verabschiedeten wir uns natürlich von den Beduinen. In den Jeeps ging es nun in die Sandwüste, mit ungeheurem Karacho fuhren sie da ein Rennen durch die Wadis, dass wir uns echt festhalten mussten. Die Sandwüste selbst war total schön, ganz weich und warm, auch die Nächte. Vorher musste man immer auf harten Steinen schlafen, da war das echt die reinste Erholung. Ich hab meine Isomatte gar nicht erst rausgeholt, sondern meinen Schlafsack direkt auf die Düne gepackt - der Sand passt sich ergonomisch an. Am nächsten Morgen ist man dann doch überrascht, wie viele Spuren im Sand zu finden sind - und zwar von riesigen Käfern die zum Teil unsere Rucksäcke infiltrierten. Brinthanan hatte am Abend unter seinem Hemd ein wahres Riesenvieh begrüßen können, der Panzer allein war ungefähr 5x3 cm, ein dicker Skarabäus oder so. Am Sonntag sind wir jedenfalls vormittags noch zu einem Hathortempel hoch, was auch sehr anstrengend war, da die Hitze weiter unten in der Sandwüste noch viel drückender ist als im Bergland. Hathor ist eine ägyptische Muttergottheit, die den Sonnengott Horus geboren hat. Deshalb hat sie oft zwei Hörner - Symbol für die Mutterkuh - mit einer Sonne dazwischen.
Montag war dann unser Rückreisetag, wo wir uns zunächst von den Jeeps verabschiedeten und dann mit dem Bus in ein Hotel am Golf von Akaba fuhren - jetzt kommt nämlich der dekadente Entspannungsteil unserer Exkursion... es muss wirklich ein tolles Bild gegeben haben, wie zwanzig völlig verdreckte und stinkende Leute in dieses super-saubere Hotel reinstiefeln und zum Buffee wanderten, wo wir Mittag essen konnten. Danach hielt es kaum einer mehr aus und alle sprangen ins Meer zum Baden. Nach dem Trocknen in der Sonne konnte man sich auch noch etwas im Pool entspannen, alle Anstrengungen waren wie abgewaschen, und man konnte sich wieder etwas sauberer fühlen. Bei mir blieben nur die fettigen Haare und ein Gesträuch von einem Bart übrig... Dann sind wir also mit dem Bus wieder über die Grenze und durch die Nacht schließlich wieder hier im Beit Joseph eingetroffen, wo man für uns Kuchen und Bier zur Begrüßung bereitgestellt hatte! Kurz danach fielen aber schon alle ermattet ins Bett.
Es war eine fantastische Reise! Und nie zuvor habe ich den Wert von einem Dach über dem Kopf und einer weichen Matratze so sehr geschätzt... ich kann nur dankbar sein.
Euer Jakob

Sonntag, 4. September 2011

mi ata? ani yaakov. mi ain ata? ani mi kahlwinkel!

"Wer bist du? Ich bin Jakob. Woher kommst du? Ich komme aus Kahlwinkel!" ;) so und ähnlich ging am Montag unser (Neu-)Hebräisch-Unterricht ab, der dank übereifriger Klimaanlage geradezu frostig war.
Abends war dann Choralschola bei Bruder Josef, wo einige von uns (die Lust dazu haben) lernen, einigermaßen gregorianisch zu singen! Br. Josefs Begeisterung färbt sehr schnell ab!
Dienstag nachmittag gings mit Max Küchler, der uns gestern schon vorlas, um die Stadtmauer Jerusalems, wo er uns in brütender Hitze unermüdlich archäologische Einzelheiten erklärte... Abends verabschiedeten wir noch Pater Körner, der letzte Woche seine Islamvorlesung abgeschlossen hatte.
Donnerstag war dann die Probe-Exkursion ins Wadi Qelt, vor dem Sinai, in den wir nächste Woche Samstag fahren werden. Deshalb gibts den nächsten Post auch etwas später, da ich dann mehr als eine Woche dort in der Wüste auf Wanderschaft bin, was wirklich ein extrem einschneidendes Erlebnis sein soll, abgesehen davon, dass man hinterher stinkt wie ein Iltis... Da dies aber für alle gilt, werden wir es wohl ertragen können/müssen... Das Wadi Qelt jedenfalls war wunderschön, nach dem Sonnenaufgang stiegen wir herab und wandern bis zum Georgskloster, wo uns ein Mönch, der offenbar nur griechisch kann, empfing. Da wir uns jedoch als außerordentlich schweige- und andachtsfreundlich erwiesen, führte er uns in immer weitere Teile des Klosters. Wir wurden nämlich im Vorfeld gewarnt, dass ein Lachen zum sofortigen Rausschmiss führt, wovor wir uns dann auch geflissentlich hüteten. Also wer länger schweigt, sieht mehr!
Den nächsten Morgen mussten wir wieder sehr früh raus, sodass ich extrem müde war. Wir sind mit Professor Küchler diesmal auf den Ölberg rauf, wo wir den ganzen Tag unterwegs waren. Dort hat uns Herr Küchler stichhaltig dargelegt, dass Jesu Himmelfahrt sicher nicht bei der nahegelegenen Kapelle standfand, sondern wenn dann auf der nahegelegenen asphaltierten Straßenkreuzung...
Am Samstag nahm ich mir mit Andreas vor, endlich mal das Zentrum der hiesigen Mormonen aufzusuchen... nachdem wir aber ewig den Eingang nicht fanden, wurden wir schließlich von einer Gruppe palästinensischer Jugendlicher angepöbelt. Als sie anfingen, mit Steinen zu werfen, haben wir uns dann verzogen... - in den arabischen Teilen wird man schnell mit der schwierigen sozialen Lage konfrontiert, besonders Jugendarbeitslosigkeit. Wir wollen aber später nochmal versuchen, zu den Mormonen zu gelangen. Immerhin haben sie die größte Orgel hier in Jerusalem, mit spanischen Trompeten und so weiter.
Heute abend war ich mit vier anderen Studenten zum Abendessen bei den Mönchen hier in der Abtei. Das Essen wurde im Schweigen bei zugegeben etwas nerviger Musik eingenommen. Danach, bei der so schön benannten "Rekreation" konnte man sich bei starkem Getränk (einer der Mönche hat Cocktailmixer-Erfahrungen) noch nett unterhalten, bevor es um acht in die Komplet ging.
Tja, soweit für diese Woche! Das einzig negative: uns ist das Bier ausgegangen... für mich als Teil des Getränke-"Ausschusses" natürlich oberpeinlich...
Euer Jakob

Sonntag, 28. August 2011

Wa-llahu alam

"Gott weiß es besser" schreiben die Muslime unter jeden Text (sicherheitshalber).
Diese Woche hatte einen Besuch in der École biblique zum Auftakt, eine ganz berühmte Bibliothek, die wir Studienjahrler ausnahmsweise nutzen dürfen. Dort führte uns Bruder Pavel, ein Dominikaner-Mönch, der seeeehr gewissenhaft ist, um es freundlich auszudrücken. Tatsächlich darf man zunächst mal fast alles NICHT, während der Führung war es nicht gestattet, ein Buch auch nur in die Hand zu nehmen. Auch darf man die Bücher nicht an ihren Ort zurückstellen, da man uns dafür nicht für kompetent genug hält. Schon jetzt ist allerdings klar, dass uns Br. Pavel für immer im Gedächtnis bleiben wird.
Am Dienstag ging es nach Bethlehem, wo wir natürlich in der Geburtskirche waren. Außerdem hatten wir ein Gespräch mit einem christlichen Palästinenser, das sehr kontrovers war, weil es mal wieder darum ging, wer nun die "Urbevölkerung" des Landes sei... Später waren wir noch in einem Kloster direkt neben der Mauer, wo uns die Nonnen die Füße wuschen, was nicht nur unerwartet, sondern eine krasse Erfahrung war. Nebenbei hatte ich eine kleine Erkältung, auch wenn mir unbegreiflich ist, wo ich mir die in dieser 24/7 Sauna geholt habe. Egal...
Mittwoch bis Freitag lief dann unsere erste Vorlesung bei Professor Körner, über die islamische Eschatologie, was sehr interessant war. Wir haben hier den Vorteil, dass wir mit den Professoren auch zusammen leben, also essen, beten usw., sodass man jederzeit die Möglichkeit zu einem privaten Gespräch hat. Ich musste erstmal realisieren, wie anerkannt das Studienjahr in der Fachwelt ist, und es ist eine große Auszeichnung für einen Professor, hierher eingeladen zu werden. Da ist man umso stolzer, dabei sein zu können! Übrigens ist nicht nur die Promotionsquote des Studienjahres bei 25 %, sondern auch die Heiratsquote...
Am Donnerstag stand ich um 3:00 früh auf wegen meines Halses, was sich als sehr schön erwies, da ich nun mal die Farben der Morgenröte hierzulande beobachten konnte, bevor es in den Tag hineinging, an dem uns nicht zuletzt unsere erste Arabisch-Stunde erwartete, wo wir vor allem lernten, dass man Arabisch LAUT!!! und gern auch AGGRESSIV!! sprechen muss! Wenn zwei Araber sich hier zu streiten scheinen, haben sie eigentlich nur freundschaftlich geplaudert... Besonders das Ain, eine Art Würgelaut, ist sehr schwer zu sprechen, daher wirkt jetzt alles noch sehr fremdartig. Irgendwann werden wir dann wie der Muezzin singen können: Ashadu an la ilaha illa llah (Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott)...
Am Wochenende blieb Zeit für einige Besorgungen, und dass man sich zwischendurch mal ein bisschen entspannt. Heute Morgen war wieder sehr schöne Messe hier in der Abteikirche, zu der mich ein rätselhafter Weckruf meines Telefons erwachen ließ, dessen Urheber noch unbekannt ist... Schließlich muss ich die Ministranten beobachten, bin ich doch nun selbst fast einer! Nächsten Freitag werde ich zum ersten Mal im Einsatz sein...
Bis bald, ;)
Euer Jakob

Samstag, 20. August 2011

Assumptio Mariae

"Himmelfahrt der Maria", damit ging am Montag unsere Einführungswoche los, dem katholischen Hochfest hier auf dem Zion, an dem Maria nach ihrem Tod von Christus in den Himmel geführt wurde. Man bekommt hier also gleich die volle Ladung an katholischen Riten, an die ich mich erst gewöhnen muss, Weihrauch, Weihwasser, aber auch schöne Psalmengesänge von Bruder Joseph, dem "Studienpräfekten" oder "Mönch zum Anfassen". Eigentlich sind aber alle Mönche sehr nett und total locker drauf. Am Dienstag Abend hatten wir auch ein nettes Gespräch mit dem Abt des hiesigen Klosters und er hat uns sehr beeindruckt mit seiner Botschaft der Ökumene und Verständigung, die er uns auf Irisch mitgab, denn er ist selbst erst seit zwei Wochen hier. Sonst redet er im Gottesdienst auch deutsch, wobei sich "die heilige Gottesmutter" mit total englischem Slang voll cool anhört.
Darüber hinaus haben wir natürlich inzwischen die nähere Umgebung erkundet, also zunächst in kleinen Gruppen die Altstadt von Jerusalem und einige Orte in der Nähe, wie Emmaus, Abu Ghosh, die Auguste Victoria Kirche, oder das Grab des Propheten Samuel.
Gestern hatten wir unseren Eröffnungsgottesdienst, den wir selbst zu gestalten hatten. Dass erst einer der eingeladenen Mönche bewusstlos zusammenklappte (wohl Sonnenstich) und unser Chorlied "Unsere wahre Heimat ist im Himmel" sich hoffnungslos schief anhörte, soll nichts unsere Kompetenzen aussagen! Es war ein sehr netter Abend, zu dem auch die Studenten des Komplementär- (eigentlich: Konkurrenz-) Programmes "Studium in Israel" eingeladen waren, wo ich noch einige Tübinger traf. In beiden Programmen stellen die Tübinger jeweils ein Drittel der Mannschaft! Ansonsten hatte unser Geburtstagskind Johannes noch eine Backstreet-Boys-mäßige Choreographie von uns zu erwarten (besser: zu befürchten), wo ich natürlich auch nicht fehlen durfte. Dann waren wir noch auf der Dachterasse und später habe ich mit Andreas noch einen Kuchen gegessen, nachts um eins, gemütlich gegenüber dem Felsendom im jüdischen Viertel.
Darüber haben wir alle auch im Haus und in der Gemeinschaft Pflichten. Ich persönlich bin im Getränkedienst (eine sehr machtvolle Position, würde ich meinen, da hier IMMER Sonnenschein ist...), in der Gruppe, die das gemeinsame Liederbuch zusammenstellt, und ab nächste Woche im Spüldienst.
Ab nächste Woche beginnen dann auch die eigentlichen Vorlesungen und Veranstaltungen. Ich bin gespannt!
vale | J

Sonntag, 14. August 2011

Olá lirushalaim

"Aufstieg nach Jerusalem" - hier bin ich also! Nach einem problemlosen Flug mit überraschend wenig Sicherheitseinheiten, und einer Fahrt mit überspannten Taxifahrern habe ich gestern meine Reise zum Zion vollendet. Wir lernen uns hier alle erstmal kennen, aber ich denke, wir sind eine tolle Gruppe! Ansonsten erfreute uns das nachbarliche Hochzeitshotel mit seiner Dauerbeschallung mittels hebräischer Popklassiker die halbe Nacht... jetzt ist gleich erstmal Gottesdienst. Den gibt es hier in großer Auswahl - fast jede christliche Denomination hat in Jerusalem einen Ableger und somit ist alles möglich: syrisch-orthodox, deutsch-lutherisch, katholisch sowieso usw. Gestern war auch schon Andacht in der Abteikirche hier... ich bin noch etwas unerfahren mit all diesen verschiedenen Liturgien, aber ich freue mich schon darauf, mehr zu lernen!
Soweit für den Start. :)
 Euer Jakob

Montag, 8. August 2011

Vor(aus)schau

Shalom chaverim, Freunde der Sonne...
Nachdem mir heute eingefallen ist, dass ein Schlafsack bei zweiwöchigen Wüsten-Exkursionen möglicherweise hilfreich sein könnte, sehe ich mit heiterem Fatalismus all den anderen Momenten entgegen, in denen mir Dinge einfallen werden, die meine vormaligen (zugegeben, schlampigen) Vorbereitungen leider nicht abdecken konnten...
Man überlege ein Vorhaben reiflich und wiederholt, ehe man dasselbe ins Werk setzt, und selbst nachdem man alles auf das gründlichste durchdacht hat, räume man noch der Unzulänglichkeit aller menschlichen Erkenntnis etwas ein, infolge welcher es immer noch Umstände geben kann, die zu erforschen oder vorherzusehn unmöglich ist und welche die ganze Berechnung unrichtig machen könnten." - Schopenhauer...    ;)
Naja, ich melde mich dann wieder, wenn es wirklich was zu berichten gibt... ;)
vale | J