"Unauflösbare Unterschiede" sind laut Mr. Isaacs, Dozent in unserer Ringvorlesung zum Verständnis des Judentums, in allen Diskussionen nicht nur faktisch da, sondern auch zu bejahen. Aber dies geht über das Feld des Judentums noch hinaus: Ist es wirklich so, wie man in den westlichen Traditionen (im Gegensatz beispielsweise zum in sich so differenten Judentum) wirklich nötig, in allen Punkten Einigung zu erzielen um jeden Preis? Denn die Frage ist doch: Warum können wir nicht einfach damit leben, dass andere Menschen andere Ansichten haben? Kompromisslösungen sind daher oft nur ein anderer Ausdruck unserer Unfähigkeit mit anderen Anschauungen klarzukommen (Stichwort: Ökumene)...
Aber hier ist nicht der Ort, darüber zu philosophieren... Letzten Mittwoch hatten wir abends unser mönchsmäßiges Schweigeessen. Als dieser Vorschlag eingereicht wurde, habe ich mich fast als einziger offen dagegen ausgesprochen, da mir das zu unentspannt ist... als es aber soweit war, wollte ich dann zumindest Lektor sein! Somit begann ich abends, den Anfang von Josef und seinen Brüdern (Thomas Mann) vorzulesen...
An unseren ziemlich vollgepackten Tagen hatte ich dann am Donnerstag und Freitag noch die ersten Prüfungen in AT und Systematischer Theologie, schriftlich und mündlich; sie sind soweit ganz gut gelaufen. In der AT-Prüfung ging es um Psalm 88, den wir historisch-kritisch beleuchten mussten. Bei der Systematik ging es darum, inwieweit christliche Eschatologie-Vorstellungen heute anthropologisch aufgelöst werden können (wobei ich mich persönlich frage, ob dies nötig ist - denn die biblischen Bilder sind poetische Bilder aus dem alten Orient, ist es nötig, unseren Zwang nach Systematisierung ihnen aufzunötigen, statt sie in ihrer intuitiven Kraft sprechen zu lassen? aber ich schweife mal wieder ab...)
Am Samstag war Yom Kippur. Selbst wenn man dies nicht weiß, merkt man es spätestens, wenn man morgens vor die Tür tritt, und zwar an dem, was nicht da ist: Lärm. Die ganze Stadt ist in eine fast gespenstische Ruhe gesenkt, kein Auto fährt usw., während man sich in den Synagogen zum Gebet sammelt, um schließlich abends die Versöhnung mit Gott zu feiern.
Sonntags war bei uns in der Abteikirche wieder eine feierliche Messe, diesmal zur Profess von Pater Zacharias, das heißt, dass er endgültig in den Mönchsstand eintritt. Er hat eigentlich schon ein ganzes Leben als Pastor in verschiedenen Orten hinter sich, und hat dennoch noch einmal die Koffer gepackt, um hier im heiligen Land Mönch zu werden.
Gestern schließlich waren wir zu Besuch an der Hebrew University auf dem Mt. Scopus, wo wir auch einige Veranstaltungen hatten und uns allgemein das Gelände ansahen. Am Morgen sind wir zu Fuß hoch, abends mit dem Bus zurück, da es nach wie vor nicht ratsam ist, nach Sonnenuntergang durch arabische Viertel zu laufen...
Bis demnächst,
Euer Jakob!
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