Freitag, 28. Oktober 2011

Von Lifna bis Yafo

Da bin ich wieder!
Letzten Dienstag waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs, die uns in Jerusalem Stätten zum Thema "Naqba" zeigte: das heißt "Katastrophe" und ist die palästinensische Bezeichnung für das, was Israel Unabhängigkeitskrieg nennt. Wir besichtigten viele Häuser, aus denen Palästinenser vertrieben wurden und erfuhren von den Verbrechen, die jeder Krieg mit sich bringt. Abends schließlich waren wir in dem Ruinendorf Lifna, wo einem schon sehr melancholisch zumute wurde. So lernt man nach und nach beide Seiten des Konfliktes besser verstehen, was unmöglich ist, wenn man sich bloß auf Vorurteile stützt: es ist nicht sinnvoll, sich vorschnell auf eine Seite zu stellen, und es gibt kein schwarz-weiß, wie im Westen viele auf die eine oder andere Art glauben.
Am Mittwoch war Simchat Tora (Freude der Tora), der Abschluss des Laubhüttenfestes, wo es sehr ausgelassen zugeht, viel gesungen und getanzt wird, während die Kinder Bonbons und Plüsch-Toras bekommen, was sehr niedlich ausschaut...
Donnerstag und Freitag hatten wir unsere von den Studenten selbst organisierten Studientage zu Themen der Ökumene, wo natürlich viel diskutiert wurde. Ich hatte mein kleines Referat am Freitag zusammen mit Andreas und Tobi, wo es um Dokumente des katholischen Ökumene-Verständnisses ging. Zwischendurch kam die nächste Getränkelieferung, um die ich mich dann auch noch kümmern musste, abgesehen davon, dass ich sowohl in der Frühmesse, als auch nachmittags in der lutherischen Erlöserkirche als Lektor tätig war: das ist doch mal Ökumene! Abends sitzt man wie so oft noch auf ein Bierchen zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen... Achja, außerdem war ich ja am Freitag noch mit ein paar Freunden in der Stadt bei einem Wohnungsausverkauf, um uns Krempel anzusehen, und schließlich war noch Fußball angesagt: ein voller Tag...
Am Samstag war ich mit Brinthi in der Stadt Pizza essen und dann haben wir die Tour auf der Stadtmauer gemacht, die einfach immer wieder lohnenswert ist. Am nächsten Morgen, sonntags, sind wir dann zur St. George Kirche in den Gottesdienst von den reformierten Schotten gegangen, was echt total schön war, weil es einfach so ein ganz schlichter und toller Gottesdienst war mit einer relativ kleinen, aber internationalen Gemeinde, hat mich ein bisschen an Zuhause erinnert.
Am nächsten Dienstag war dann wieder Tamar Avraham angesagt, die uns diesmal die jüdischen Viertel von Jerusalem näher vorstellte, um weitere Aspekte des hiesigen Konflikts zu erfahren.
Abends war dann noch ein groß angelegter Ball im Österreichischen Hospiz, zum Österreichischen Nationalfeiertag. Da bin ich eigentlich nur für das leckere Essen mitgekommen, was sich voll ausgezahlt hat...
Mittwoch hatten wir unsern Studientag mit Gil Yaron, einem Nahost-Korrespondenten, der wiederum einiges zur Israelischen Seite des Konflikts beitragen konnte, zudem hat er uns die Anfänge des Zionismus erklärt, die man ohnehin unbedingt kennen sollte. Denn die allerersten Zionisten waren evangelikale Christen, und sodann säkulare, sozialistisch geprägte Juden; religiöser Zionismus und Siedlerbewegung sind dagegen davon abgespaltene, vergleichsweise junge Bewegungen (etwa seit 1967, also seit dem Sechs-Tage-Krieg), denn den säkularen Zionismus gibt es fast hundert Jahre früher, und er war ursprünglich auch nicht speziell an Palästina interessiert: dies ist erst dadurch gekommen, dass kein Land bereit war, die Juden im eigenen Land zu dulden, noch ihnen irgendwo die Möglichkeit für einen eigenen Staat gab. Ursprünglich hatte Theodor Herzl den "Judenstaat" in einer verlassenen Gegend von Uganda geplant!
Am Donnerstag Morgen habe ich dann mit Brinthi "Urlaub" gemacht: wir sind mit dem Zug nach Akko, eine schöne Kreuzfahrer-Hafenstadt und haben dort bei "Uri Buri" ganz wunderbar Fisch gegessen. Eigentlich wollten wir noch nach Haifa, doch es war so schön in Akko, dass wir dann dort übernachteten. Heute morgen sind wir dann nach Tel Aviv bzw. Jaffa (Yafo), wo es außer der wunderschönen Altstadt und dem Meer (es ist hier immer noch sehr angenehm warm...) einen riesigen, allseits bekannten Flomarkt gibt, wo man echt Stunden zubringen kann... Irgendwann sind wir dann aber doch hierher zurück. Schließlich ist heute Bruder Josephs Geburtstag und es wurde Grillfleisch versprochen...
Aber die Erholung vom überreligiösen Jerusalem zu den entspannten Kreuzfahrerstädten und dem postmodernen Tel Aviv hat uns jedenfalls sehr, sehr gut getan!
Soweit für heute... Euer Jakob

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