...hieß es für uns schon gestern Abend, als der Nikolaus (i.e. Steffen) abends kam und jedem nach kurzer Kritik ein Gebäck überreichte... auch die Mönche waren eingeladen und kriegten was ab, verbal und konditoral (gibt es dieses Wort überhaupt?...).
Ansonsten hatten wir am letzten Dienstag eine interessante Exkursion in die arabische Stadt Nablus, die für den Tourismus noch überhaupt nicht erschlossen ist. Daran lag es wohl auch, dass wir schon im Bus wie bunte Zootiere angeschaut wurden, und in der Stadt selbst erst recht. Wie schon in Akko, geht es in den Araberstädten ziemlich entspannt zu, und die Leute waren sehr freundlich. Man konnte die Stadt richtig liebgewinnen, auch wegen all der lustigen Dinge, die es dort gibt, neben einem angeblichen ehemaligen Freimaurerhaus und einer zweifelhaften Saunaanlage einen tollen Laden, der Gewürzsammelsurium, Kaffeeshop und nicht zuletzt Kuriositätenkabinett in einem war. Abgesehen von ollen Schwertern und Grammophonen gab es auch ausgetrocknete Ziegen zu "bewundern". Ansonsten fährt man in Nablus fast ausschließlich mit VW, wovon auch viele der berühmten VW-Busse (wie von den Hippies) Zeugnis abgaben. Das einzige, was eben ein bisschen irritierend ist, sind die ganzen Plakate von Leuten mit Maschinengewehr... in einem öffentlichen Haus hing sogar noch Saddam rum. Am Nachmittag waren wir noch bei Gedenkstätten Johannes des Täufers, bevor wir mit einer arabischen Süßigkeit (irgendwie so süß frittierter Käse oder so, jedenfalls lecker und sehr sättigend) verabschiedet wurden, wobei ein Beamter der Stadtverwaltung noch eine feierliche Abschiedsrede hielt, und mehrmals betonte, dass alle Bürger von Nablus für unseren Besuch dankbar seien, und wir jederzeit wiederkommen könnten. Na, jedenfalls war es ein langer Tag und wir fuhren im Dunkeln zurück nach Jerusalem.
Am Mittwoch war ich dann mal wieder in Gallicantu, einer Kirche in der Nachbarschaft, um bei der etwas unsortierten, aber sehr witzigen Soeur Laurence nochmal über das Zimmer meiner Eltern zu reden. Nachmittags war ich mit Brinthi in einer tollen Waffelbar. Waffeln haben wir zwar nicht gegessen, aber einen tollen Becher, der Shokobo heißt, und zur einen Hälfte aus Eis, geschmolzener Schokolade und Kaffee besteht, zur anderen Hälfte aus einem riesigen Berg Sahne. Extrem sättigend und extrem lecker!
Donnerstag Nachmittag hatten wir unsere Audienz beim koptischen Patriarchen, im Rahmen unserer Vorlesung zur Ostkirchenkunde haben wir nämlich die Ehre, einige der orthodoxen Patriarchen hier in Jerusalem zu besuchen! Die haben natürlich jeweils einen eigenen Thronsaal. Nach einiger Wartezeit wurden wir da auch reingelassen. Der Patriarch freute sich, dass wir bei ihm anfingen. Man kann aber nicht ganz verschweigen, dass er vor allem die Wahl für den ersten Besuch war, weil er altersblind ist, und er somit all die Patzer von uns nicht sieht, denn es gibt etliches an Verhaltensregeln bei einer solchen Audienz zu beachten; zum Beispiel darf man nicht die Beine übereinanderschlagen, da dies als Verspottung des Kreuzes gilt, usw. Wir wussten uns aber in jedem Falle zu benehmen, und der Patriarch war auch total nett drauf. Typisch orientalisch antwortete er auf etliche Fragen auch sehr ausweichend: denn man würde nie die Antwort verweigern, man sagt bloß was völlig anderes und damit soll dem Frager klar sein, dass man dazu nichts sagen will... wobei das bei unseren lieben Politikern zuhause eigentlich auch so ist.
Ansonsten gab es Freitag noch einen sogenannten "Herrenabend" der Verbindungsleute (also von den Leuten unter uns (Studis/Volontäre/Mönche), die in einer Studentenverbindung sind; die haben eine sog. Kneipe veranstaltet, also ein Zusammensein mit festem Programm für Unterhaltungen, kleine Reden und Lieder). Dabei kann man auch viel falsch machen, so wie ich: 1. hatte ich keinen Hemdkragen, 2. ein Mischbier und das habe ich 3. auch noch aus der Flasche getrunken... naja, es war ganz ok, aber ich bin dann doch relativ früh wieder abgehauen... selbst um Pinkeln zu gehen, musste man ein Pause-Zeichen an das "Präsidium" geben (um aufstehen zu dürfen)!
Am Wochenende habe ich dann eigentlich nur für das Referat am Montag (gestern) gearbeitet. Heute wäre eigentlich auch Exkursion, aber ich bin hier geblieben, weils mir nicht so gut ging heute morgen und schon die letzten Tage... aber inzwischen gehts wieder. Ich brauch wahrscheinlich nur mehr Schlaf...
Bis bald, Euer Jakob
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