"Gott weiß es besser" schreiben die Muslime unter jeden Text (sicherheitshalber).
Diese Woche hatte einen Besuch in der École biblique zum Auftakt, eine ganz berühmte Bibliothek, die wir Studienjahrler ausnahmsweise nutzen dürfen. Dort führte uns Bruder Pavel, ein Dominikaner-Mönch, der seeeehr gewissenhaft ist, um es freundlich auszudrücken. Tatsächlich darf man zunächst mal fast alles NICHT, während der Führung war es nicht gestattet, ein Buch auch nur in die Hand zu nehmen. Auch darf man die Bücher nicht an ihren Ort zurückstellen, da man uns dafür nicht für kompetent genug hält. Schon jetzt ist allerdings klar, dass uns Br. Pavel für immer im Gedächtnis bleiben wird.
Am Dienstag ging es nach Bethlehem, wo wir natürlich in der Geburtskirche waren. Außerdem hatten wir ein Gespräch mit einem christlichen Palästinenser, das sehr kontrovers war, weil es mal wieder darum ging, wer nun die "Urbevölkerung" des Landes sei... Später waren wir noch in einem Kloster direkt neben der Mauer, wo uns die Nonnen die Füße wuschen, was nicht nur unerwartet, sondern eine krasse Erfahrung war. Nebenbei hatte ich eine kleine Erkältung, auch wenn mir unbegreiflich ist, wo ich mir die in dieser 24/7 Sauna geholt habe. Egal...
Mittwoch bis Freitag lief dann unsere erste Vorlesung bei Professor Körner, über die islamische Eschatologie, was sehr interessant war. Wir haben hier den Vorteil, dass wir mit den Professoren auch zusammen leben, also essen, beten usw., sodass man jederzeit die Möglichkeit zu einem privaten Gespräch hat. Ich musste erstmal realisieren, wie anerkannt das Studienjahr in der Fachwelt ist, und es ist eine große Auszeichnung für einen Professor, hierher eingeladen zu werden. Da ist man umso stolzer, dabei sein zu können! Übrigens ist nicht nur die Promotionsquote des Studienjahres bei 25 %, sondern auch die Heiratsquote...
Am Donnerstag stand ich um 3:00 früh auf wegen meines Halses, was sich als sehr schön erwies, da ich nun mal die Farben der Morgenröte hierzulande beobachten konnte, bevor es in den Tag hineinging, an dem uns nicht zuletzt unsere erste Arabisch-Stunde erwartete, wo wir vor allem lernten, dass man Arabisch LAUT!!! und gern auch AGGRESSIV!! sprechen muss! Wenn zwei Araber sich hier zu streiten scheinen, haben sie eigentlich nur freundschaftlich geplaudert... Besonders das Ain, eine Art Würgelaut, ist sehr schwer zu sprechen, daher wirkt jetzt alles noch sehr fremdartig. Irgendwann werden wir dann wie der Muezzin singen können: Ashadu an la ilaha illa llah (Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott)...
Am Wochenende blieb Zeit für einige Besorgungen, und dass man sich zwischendurch mal ein bisschen entspannt. Heute Morgen war wieder sehr schöne Messe hier in der Abteikirche, zu der mich ein rätselhafter Weckruf meines Telefons erwachen ließ, dessen Urheber noch unbekannt ist... Schließlich muss ich die Ministranten beobachten, bin ich doch nun selbst fast einer! Nächsten Freitag werde ich zum ersten Mal im Einsatz sein...
Bis bald, ;)
Euer Jakob
SED:ACCESSISTIS:AD:SION:MONTEM:ET:CIVITATEM:DEI:VIVENTIS:HIERUSALEM:CAELESTEM:EBR:XII
Sonntag, 28. August 2011
Samstag, 20. August 2011
Assumptio Mariae
"Himmelfahrt der Maria", damit ging am Montag unsere Einführungswoche los, dem katholischen Hochfest hier auf dem Zion, an dem Maria nach ihrem Tod von Christus in den Himmel geführt wurde. Man bekommt hier also gleich die volle Ladung an katholischen Riten, an die ich mich erst gewöhnen muss, Weihrauch, Weihwasser, aber auch schöne Psalmengesänge von Bruder Joseph, dem "Studienpräfekten" oder "Mönch zum Anfassen". Eigentlich sind aber alle Mönche sehr nett und total locker drauf. Am Dienstag Abend hatten wir auch ein nettes Gespräch mit dem Abt des hiesigen Klosters und er hat uns sehr beeindruckt mit seiner Botschaft der Ökumene und Verständigung, die er uns auf Irisch mitgab, denn er ist selbst erst seit zwei Wochen hier. Sonst redet er im Gottesdienst auch deutsch, wobei sich "die heilige Gottesmutter" mit total englischem Slang voll cool anhört.
Darüber hinaus haben wir natürlich inzwischen die nähere Umgebung erkundet, also zunächst in kleinen Gruppen die Altstadt von Jerusalem und einige Orte in der Nähe, wie Emmaus, Abu Ghosh, die Auguste Victoria Kirche, oder das Grab des Propheten Samuel.
Gestern hatten wir unseren Eröffnungsgottesdienst, den wir selbst zu gestalten hatten. Dass erst einer der eingeladenen Mönche bewusstlos zusammenklappte (wohl Sonnenstich) und unser Chorlied "Unsere wahre Heimat ist im Himmel" sich hoffnungslos schief anhörte, soll nichts unsere Kompetenzen aussagen! Es war ein sehr netter Abend, zu dem auch die Studenten des Komplementär- (eigentlich: Konkurrenz-) Programmes "Studium in Israel" eingeladen waren, wo ich noch einige Tübinger traf. In beiden Programmen stellen die Tübinger jeweils ein Drittel der Mannschaft! Ansonsten hatte unser Geburtstagskind Johannes noch eine Backstreet-Boys-mäßige Choreographie von uns zu erwarten (besser: zu befürchten), wo ich natürlich auch nicht fehlen durfte. Dann waren wir noch auf der Dachterasse und später habe ich mit Andreas noch einen Kuchen gegessen, nachts um eins, gemütlich gegenüber dem Felsendom im jüdischen Viertel.
Darüber haben wir alle auch im Haus und in der Gemeinschaft Pflichten. Ich persönlich bin im Getränkedienst (eine sehr machtvolle Position, würde ich meinen, da hier IMMER Sonnenschein ist...), in der Gruppe, die das gemeinsame Liederbuch zusammenstellt, und ab nächste Woche im Spüldienst.
Ab nächste Woche beginnen dann auch die eigentlichen Vorlesungen und Veranstaltungen. Ich bin gespannt!
vale | J
Darüber hinaus haben wir natürlich inzwischen die nähere Umgebung erkundet, also zunächst in kleinen Gruppen die Altstadt von Jerusalem und einige Orte in der Nähe, wie Emmaus, Abu Ghosh, die Auguste Victoria Kirche, oder das Grab des Propheten Samuel.
Gestern hatten wir unseren Eröffnungsgottesdienst, den wir selbst zu gestalten hatten. Dass erst einer der eingeladenen Mönche bewusstlos zusammenklappte (wohl Sonnenstich) und unser Chorlied "Unsere wahre Heimat ist im Himmel" sich hoffnungslos schief anhörte, soll nichts unsere Kompetenzen aussagen! Es war ein sehr netter Abend, zu dem auch die Studenten des Komplementär- (eigentlich: Konkurrenz-) Programmes "Studium in Israel" eingeladen waren, wo ich noch einige Tübinger traf. In beiden Programmen stellen die Tübinger jeweils ein Drittel der Mannschaft! Ansonsten hatte unser Geburtstagskind Johannes noch eine Backstreet-Boys-mäßige Choreographie von uns zu erwarten (besser: zu befürchten), wo ich natürlich auch nicht fehlen durfte. Dann waren wir noch auf der Dachterasse und später habe ich mit Andreas noch einen Kuchen gegessen, nachts um eins, gemütlich gegenüber dem Felsendom im jüdischen Viertel.
Darüber haben wir alle auch im Haus und in der Gemeinschaft Pflichten. Ich persönlich bin im Getränkedienst (eine sehr machtvolle Position, würde ich meinen, da hier IMMER Sonnenschein ist...), in der Gruppe, die das gemeinsame Liederbuch zusammenstellt, und ab nächste Woche im Spüldienst.
Ab nächste Woche beginnen dann auch die eigentlichen Vorlesungen und Veranstaltungen. Ich bin gespannt!
vale | J
Sonntag, 14. August 2011
Olá lirushalaim
"Aufstieg nach Jerusalem" - hier bin ich also! Nach einem problemlosen Flug mit überraschend wenig Sicherheitseinheiten, und einer Fahrt mit überspannten Taxifahrern habe ich gestern meine Reise zum Zion vollendet. Wir lernen uns hier alle erstmal kennen, aber ich denke, wir sind eine tolle Gruppe! Ansonsten erfreute uns das nachbarliche Hochzeitshotel mit seiner Dauerbeschallung mittels hebräischer Popklassiker die halbe Nacht... jetzt ist gleich erstmal Gottesdienst. Den gibt es hier in großer Auswahl - fast jede christliche Denomination hat in Jerusalem einen Ableger und somit ist alles möglich: syrisch-orthodox, deutsch-lutherisch, katholisch sowieso usw. Gestern war auch schon Andacht in der Abteikirche hier... ich bin noch etwas unerfahren mit all diesen verschiedenen Liturgien, aber ich freue mich schon darauf, mehr zu lernen!
Soweit für den Start. :)
Euer Jakob
Soweit für den Start. :)
Euer Jakob
Montag, 8. August 2011
Vor(aus)schau
Shalom chaverim, Freunde der Sonne...
Nachdem mir heute eingefallen ist, dass ein Schlafsack bei zweiwöchigen Wüsten-Exkursionen möglicherweise hilfreich sein könnte, sehe ich mit heiterem Fatalismus all den anderen Momenten entgegen, in denen mir Dinge einfallen werden, die meine vormaligen (zugegeben, schlampigen) Vorbereitungen leider nicht abdecken konnten...
Nachdem mir heute eingefallen ist, dass ein Schlafsack bei zweiwöchigen Wüsten-Exkursionen möglicherweise hilfreich sein könnte, sehe ich mit heiterem Fatalismus all den anderen Momenten entgegen, in denen mir Dinge einfallen werden, die meine vormaligen (zugegeben, schlampigen) Vorbereitungen leider nicht abdecken konnten...
„Man überlege ein Vorhaben reiflich und wiederholt, ehe man dasselbe ins Werk setzt, und selbst nachdem man alles auf das gründlichste durchdacht hat, räume man noch der Unzulänglichkeit aller menschlichen Erkenntnis etwas ein, infolge welcher es immer noch Umstände geben kann, die zu erforschen oder vorherzusehn unmöglich ist und welche die ganze Berechnung unrichtig machen könnten." - Schopenhauer... ;)
Naja, ich melde mich dann wieder, wenn es wirklich was zu berichten gibt... ;)
vale | J
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