"Licht aus dem Osten" ist eine viel zitierte Wendung, wenn es um den Einfluss östlicher Kultur auf den Westen geht, und passt ganz besonders auch zum Weihnachtsereignis von Bethlehem, denn mit der Geburt Jesu schien dem Westen tatsächlich ein neues Morgenlicht auf, als die Kultur der Antike bereits "alt" wurde... so jedenfalls aus heutiger Perspektive.
Weihnachten habe ich vor allem mit meiner Familie verbracht, die letzten Mittwoch spät abends kamen. Donnerstags stand erstmal eine Runde durch die Altstadt an, deren superreligiösen Tumult man ja als "Einwohner" nach ein paar Wochen satt hat... Deswegen sind wir schon nachmittags noch in die Neustadt und haben uns in der WaffleBar mit süßen Dingen versorgen lassen.
Am Freitag wurden Erinnerungen wach: schon 1997 sind wir durchs Wadi Qelt zum Georgskloster gewandert und dies machten wir auch diesmal, was eine sehr schöne Tour war. (Leider) war abends dann schon wieder Shabbat, so dass meine Restaurant-Pläne durchkreuzt wurden, da die Geschäfte alle geschlossen hatten. Dadurch blieb uns nur ein eher schlichtes Lokal in der Altstadt, wo ich dann irgendwas falsches gegessen habe, sodass ich leider die nächsten zwei Tage mit Bauchschmerzen flach auf dem Bett (bzw. auf dem Klo) verbringen konnte. Meine Familie war in der Zeit in Akko (wo sie ebenfalls dem exzentrischen Uri Buri begegneten und seine hervorragenden Speisen genießen konnten) und En Gedi. Zumindest am Heiligabend bin ich abends rüber zu Gallicantu (die Kirche, in deren Gästehaus meine Familie untergebracht war), sodass wir ein bisschen Bescherung machen konnten und war noch kurz in der Mitternachtsmesse. Der geplante Gang nach Betlehem fiel leider schon aufgrund des starken Regens aus.
Am Montag flog Jette zurück, dafür war ich wieder fit, ebenso die Sonne, die nun wieder ungetrübt strahlte. Deshalb sind wir zuviert nach Massada und wanderten hoch, womit ich mir keinen großen Gefallen tat, da mein Kreislauf noch ziemlich im Eimer war... Aber ich habs jedenfalls geschafft und bin dann gleich mit der Seilbahn wieder runter. Abends waren wir wunderbar im Herzl-Haus gegrilltes Fleisch essen, das war ein sehr schöner Abend, und der Abschlussabend für Paul, der am nächsten Morgen nach Hause flog.
Dienstag war dann endlich wieder ganz nach (meinem) Plan Tel Aviv / Yafo angesagt. Yafo ist ja eine Kreuzfahrerstadt, wo ich auch vor kurzem mit Brinthi schonmal war (wir berichteten ;). Dort machten wir jedenfalls einen Rundgang, gingen dann zu dem großen Flomarkt, einen laaangen Weg zu einer Straße, wo ich noch wusste, dass es da leckere Oliven, getrocknete Früchte und so gab, dann wiederum durch ein entspanntes Viertel zurück Richtung Strand, wo wir auf einem Hügel ein sehr leckeres Piknik einnahmen. Dort wurden wir nicht nur von etwa zwanzig Katzen kreisförmig belagert und vorwurfsvoll angejammert, sondern wir konnten auch ständig vorbeifliegende Plastiktüten beobachten, die von unseren Nachbarn auf der nächsten Bank kamen, die offenbar aufgrund des leichten Windes der erwähnten Tüten über längere Zeit hinweg nicht Herr wurden. Andererseits sind vorüberfliegende Plastetüten in Israel ein gewohnter Anblick und gehören fast schon zur einheimischen Fauna. In Jerusalem ist dabei besonders die Gemeine Schwarze Plastiktüte verbreitet, die auch alle Suq-Händler benutzen... Schließlich fuhren wir dann zurück auf den Zion und aßen abends noch in der "Olive", einem Restaurant in der sog. German Colony.
Am Mittwoch folgte dann der grandiose Abschluss mit dem Wadi Darya, das wir nur über Brinthis Lonely Planet (ein Reiseführer) fanden und wo auch nur einheimische Leute, und auch von diesen nur wenige, unterwegs waren. Man fuhr also vom Toten Meer aus auf das Plateau hinauf und konnte von da in das Wadi hinabsteigen und es zurück hinauf wandern (wo es her"fließt"). Es war mit etlichen Klettereinheiten verbunden (zB mit einem Bein auf dem Stein in der großen Wasserlache stehen, das andere in einer völlig glatten Stein"rutsche", dann mit dem Rücken abstützen und irgendwie hochziehen...), aber gerade dadurch wurde es richtig spannend, die Felsformationen, die dort zu sehen waren (abgestochen vor dem stahlblauen Himmel, bei 30°, Freunde...) jedenfalls phantastisch.
Ich denke, ich habe euch schon genug neidisch gemacht, aber noch bin ich nicht ganz fertig. Denn schließlich waren wir abends noch in der Armenian Tavern, die, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, von Armeniern geleitet wird und außer einem Haufen einsturzgefährdeten, nichtsdestotrotz sehr interessanten Gerümpels, von dem man da umgeben ist, auch sehr gutes Essen zu bieten hat. Nach einem letzten Verdauungsspaziergang durch die Altstadt gingen wir hier in der Krypta der Dormitio in die Komplet, um den mehrstimmigen Gesängen der Mönche in toller Atmosphäre und hervorragender Akustik zuzuhören... Danach verabschiedete ich mich von meinen Eltern, die am nächsten Tag nach Hause flogen.
Ich selbst habe gestern einmal mehr versucht, ins Grundstück der Mormonen auf dem Skopus-Berg zu gelangen, habe es (mit Brinthi) auch bis zum Tor geschafft, aber wir wurden dort aufgehalten, und es gäbe keine "Visits" bis zum 11. Januar. Das war nun das zweite Mal (wir berichteten abermals). Ein drittes wird mit Sicherheit folgen! Dafür waren wir aber endlich in der wunderschönen Maria Magdalena Kirche der Russen am Ölberg, die auch so komische Öffnungszeiten hat (das ist die mit den goldenen Zwiebelkuppeln). Drinnen ist sie (für orthodoxe Verhältnisse!) vergleichsweise schlicht, in jedem Falle sehr schön. Tja, und mit Pralinen von Margret und einer kühlen Cola erholten wir uns auf der Dachterrasse von dieser "harten" Tour...
Naja, jetzt ist aber wieder Arbeit angesagt... meine Referatsausarbeitung harrt schließlich immer noch ihrer Vollendung, bevor es in einigen Tagen wieder losgeht.
Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch! :) Bis bald!
Euer Jakob
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