Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ex Oriente Lux

"Licht aus dem Osten" ist eine viel zitierte Wendung, wenn es um den Einfluss östlicher Kultur auf den Westen geht, und passt ganz besonders auch zum Weihnachtsereignis von Bethlehem, denn mit der Geburt Jesu schien dem Westen tatsächlich ein neues Morgenlicht auf, als die Kultur der Antike bereits "alt" wurde... so jedenfalls aus heutiger Perspektive.
Weihnachten habe ich vor allem mit meiner Familie verbracht, die letzten Mittwoch spät abends kamen. Donnerstags stand erstmal eine Runde durch die Altstadt an, deren superreligiösen Tumult man ja als "Einwohner" nach ein paar Wochen satt hat... Deswegen sind wir schon nachmittags noch in die Neustadt und haben uns in der WaffleBar mit süßen Dingen versorgen lassen.
Am Freitag wurden Erinnerungen wach: schon 1997 sind wir durchs Wadi Qelt zum Georgskloster gewandert und dies machten wir auch diesmal, was eine sehr schöne Tour war. (Leider) war abends dann schon wieder Shabbat, so dass meine Restaurant-Pläne durchkreuzt wurden, da die Geschäfte alle geschlossen hatten. Dadurch blieb uns nur ein eher schlichtes Lokal in der Altstadt, wo ich dann irgendwas falsches gegessen habe, sodass ich leider die nächsten zwei Tage mit Bauchschmerzen flach auf dem Bett (bzw. auf dem Klo) verbringen konnte. Meine Familie war in der Zeit in Akko (wo sie ebenfalls dem exzentrischen Uri Buri begegneten und seine hervorragenden Speisen genießen konnten) und En Gedi. Zumindest am Heiligabend bin ich abends rüber zu Gallicantu (die Kirche, in deren Gästehaus meine Familie untergebracht war), sodass wir ein bisschen Bescherung machen konnten und war noch kurz in der Mitternachtsmesse. Der geplante Gang nach Betlehem fiel leider schon aufgrund des starken Regens aus.
Am Montag flog Jette zurück, dafür war ich wieder fit, ebenso die Sonne, die nun wieder ungetrübt strahlte. Deshalb sind wir zuviert nach Massada und wanderten hoch, womit ich mir keinen großen Gefallen tat, da mein Kreislauf noch ziemlich im Eimer war... Aber ich habs jedenfalls geschafft und bin dann gleich mit der Seilbahn wieder runter. Abends waren wir wunderbar im Herzl-Haus gegrilltes Fleisch essen, das war ein sehr schöner Abend, und der Abschlussabend für Paul, der am nächsten Morgen nach Hause flog.
Dienstag war dann endlich wieder ganz nach (meinem) Plan Tel Aviv / Yafo angesagt. Yafo ist ja eine Kreuzfahrerstadt, wo ich auch vor kurzem mit Brinthi schonmal war (wir berichteten ;). Dort machten wir jedenfalls einen Rundgang, gingen dann zu dem großen Flomarkt, einen laaangen Weg zu einer Straße, wo ich noch wusste, dass es da leckere Oliven, getrocknete Früchte und so gab, dann wiederum durch ein entspanntes Viertel zurück Richtung Strand, wo wir auf einem Hügel ein sehr leckeres Piknik einnahmen. Dort wurden wir nicht nur von etwa zwanzig Katzen kreisförmig belagert und vorwurfsvoll angejammert, sondern wir konnten auch ständig vorbeifliegende Plastiktüten beobachten, die von unseren Nachbarn auf der nächsten Bank kamen, die offenbar aufgrund des leichten Windes der erwähnten Tüten über längere Zeit hinweg nicht Herr wurden. Andererseits sind vorüberfliegende Plastetüten in Israel ein gewohnter Anblick und gehören fast schon zur einheimischen Fauna. In Jerusalem ist dabei besonders die Gemeine Schwarze Plastiktüte verbreitet, die auch alle Suq-Händler benutzen... Schließlich fuhren wir dann zurück auf den Zion und aßen abends noch in der "Olive", einem Restaurant in der sog. German Colony.
Am Mittwoch folgte dann der grandiose Abschluss mit dem Wadi Darya, das wir nur über Brinthis Lonely Planet (ein Reiseführer) fanden und wo auch nur einheimische Leute, und auch von diesen nur wenige, unterwegs waren. Man fuhr also vom Toten Meer aus auf das Plateau hinauf und konnte von da in das Wadi hinabsteigen und es zurück hinauf wandern (wo es her"fließt"). Es war mit etlichen Klettereinheiten verbunden (zB mit einem Bein auf dem Stein in der großen Wasserlache stehen, das andere in einer völlig glatten Stein"rutsche", dann mit dem Rücken abstützen und irgendwie hochziehen...), aber gerade dadurch wurde es richtig spannend, die Felsformationen, die dort zu sehen waren (abgestochen vor dem stahlblauen Himmel, bei 30°, Freunde...) jedenfalls phantastisch.
Ich denke, ich habe euch schon genug neidisch gemacht, aber noch bin ich nicht ganz fertig. Denn schließlich waren wir abends noch in der Armenian Tavern, die, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, von Armeniern geleitet wird und außer einem Haufen einsturzgefährdeten, nichtsdestotrotz sehr interessanten Gerümpels, von dem man da umgeben ist, auch sehr gutes Essen zu bieten hat. Nach einem letzten Verdauungsspaziergang durch die Altstadt gingen wir hier in der Krypta der Dormitio in die Komplet, um den mehrstimmigen Gesängen der Mönche in toller Atmosphäre und hervorragender Akustik zuzuhören... Danach verabschiedete ich mich von meinen Eltern, die am nächsten Tag nach Hause flogen.
Ich selbst habe gestern einmal mehr versucht, ins Grundstück der Mormonen auf dem Skopus-Berg zu gelangen, habe es (mit Brinthi) auch bis zum Tor geschafft, aber wir wurden dort aufgehalten, und es gäbe keine "Visits" bis zum 11. Januar. Das war nun das zweite Mal (wir berichteten abermals). Ein drittes wird mit Sicherheit folgen! Dafür waren wir aber endlich in der wunderschönen Maria Magdalena Kirche der Russen am Ölberg, die auch so komische Öffnungszeiten hat (das ist die mit den goldenen Zwiebelkuppeln). Drinnen ist sie (für orthodoxe Verhältnisse!) vergleichsweise schlicht, in jedem Falle sehr schön. Tja, und mit Pralinen von Margret und einer kühlen Cola erholten wir uns auf der Dachterrasse von dieser "harten" Tour...
Naja, jetzt ist aber wieder Arbeit angesagt... meine Referatsausarbeitung harrt schließlich immer noch ihrer Vollendung, bevor es in einigen Tagen wieder losgeht.
Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch! :) Bis bald!
Euer Jakob

Sonntag, 18. Dezember 2011

Immaculata

"makellos", unbefleckt durch die Erbsünde sei Maria von Geburt an gewesen, um als reines Gefäß für Gottes Sohn dienen zu können - tja, über derartige Einzelheiten katholischer Theologie kann man sich sicherlich streiten, aber das war jedenfalls vorigen Donnerstag der Festtag. Da wollte ich eigentlich zur Vorbereitung meiner Ortsführung nach Qumran, aber ich war wegen eines rumgehenden Virus krank... Am Freitag hatten wir dann von Sonnenauf- bis -untergang Archäologie-Vorlesung von Gunnar Lehmann. Danach war noch Rorate-Messe in der Kirche, völlig im Dunkeln, bis auf viele Kerzen. Das war wirklich sehr schön. Abends habe ich mir mit anderen noch den Film Die große Stille angesehen, wo es um ein Karthäuserkloster geht. Der Film ist ziemlich lang und ruhig, aber sehr interessant.
Am Samstag habe ich mit der schriftlichen Ausarbeitung meines Referates über Qumran begonnen, was ich immer noch mit mir rumschleppe, 15 Seiten sollen's mal werden... naja, hab ja noch Zeit. ;)
Abends gab es die Geburtstagsfeier von Tobias Jammerthal, wo Bruder Nikodemus Grog machte. Der war den meisten zu stark, so dass später viele volle Tassen rumstanden. Mit einigen anderen machte ich es mir zur Aufgabe, selbstaufopferungsvoll diese Krüge zu leeren, so dass wir bis tief in die Nacht sehr beschäftigt waren...
Am Sonntag war dann morgens wieder Messe, und es war die absolute Hölle, weil ich Ministrant war und sonntags ist ja alles ein bisschen anders im Ablauf, sodass ich erstmal alles falsch machte und so weiter. Naja, inzwischen hab ich mit Pater Elias sowieso ausgemacht, dass ich nur noch bei den Frühmessen um 7:15 ministriere, da ist man schön unter sich und es ist nicht alles so hektisch.
Joa, ansonsten hatten wir dienstags noch eine Führung auf dem Skopus-Berg und eine sehr interessante Führung von Peer durch die melkitische Kirche (die Melkiten sind eine der Orthodoxen Kirchen), mittwochs dann eine Führung durchs armenische Viertel, wo man ja sonst kaum reinkommt; das war schon sehr spannend, weil das ja innerhalb der Altstadt nochmal ein in sich abgeschlossener Komplex ist, wo auch abends die Tore geschlossen werden usw. Witzigerweise gibt es auch im Armenischen Viertel noch ein spezielles Viertelchen um einen heiligen Ölbaum, das auch rundherum abgeschlossen ist...
Am Donnerstag war dann wieder große Exkursion nach Qumran, wo ich führte, also etwa eine Stunde durch das Gelände ging und überall ein bisschen was erzählte zu den archäologischen Einzelheiten, und nach Arad, wo Lars und Steffen führten und schließlich noch nach Tel Beer Sheva, wo Gunnar Lehmann uns führte, und einige interessante Dinge auch über das moderne Beer Sheva erzählte, wo er nämlich lebt. Da dort ab und zu Raketen von Gaza reinfliegen, ist er es ganz automatisch gewohnt, nachts um 2:00, wenn der Alarm ertönt, seine Kinder zu greifen und in den Bunker zu gehen. Dies und mehreres zu dieser Problematik erzählte er also noch. Am Abend verabschiedeten sich dann noch die Gasthörer Thomas und Julia Drum von uns (insgeheim von uns nur: die Drums genannt, also mit englischer Aussprache, was soviel wie "Schlagzeug" heißt).
Gestern, Samstag war ich noch auf einer Einkaufstour in Ost-Jerusalem unterwegs und heute habe ich es mir im Kadosh, einem wunderbaren Café, zum Mittag gutgehen lassen.
Ansonsten freue ich mich auf Familienbesuch am Mittwoch!!
Euer Jakob

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Endlich mal ein paar Bilder...

Im Sinai (im Vordergrund: Olga)

in der Neustadt von Jerusalem (links: Brinthi)

chillen auf der Stadtmauer

Jakob, Andreas und ihre Amts-Insignie: der goldene Schlüssel zum Getränkelager

Gruppe von merkwürdigen Gestalten in Safed (Rebekka, Andreas, Jakob, Olga)

ja ja, die Schlammschlacht von Gamla...

der Kreuzweg in Tabgha

das schönste Mosaik von Sepphoris

Wolkendecke über Caesarea Maris (rechts: Rebekka)

Jakob mit neuem Metal-Album <Werbung>

Messiaskomplexe im Sinai...

zwei coole Typen in Bethelehem... :P

na, ist das nicht idyllisch!

So, die sind mir grad in die Hände gefallen, und ich dachte ich poste die mal nachträglich...
Noch eine schöne Adventszeit wünscht
Euer Jakob

Dienstag, 6. Dezember 2011

Alles Liebe zum Nikolaus...

...hieß es für uns schon gestern Abend, als der Nikolaus (i.e. Steffen) abends kam und jedem nach kurzer Kritik ein Gebäck überreichte... auch die Mönche waren eingeladen und kriegten was ab, verbal und konditoral (gibt es dieses Wort überhaupt?...).
Ansonsten hatten wir am letzten Dienstag eine interessante Exkursion in die arabische Stadt Nablus, die für den Tourismus noch überhaupt nicht erschlossen ist. Daran lag es wohl auch, dass wir schon im Bus wie bunte Zootiere angeschaut wurden, und in der Stadt selbst erst recht. Wie schon in Akko, geht es in den Araberstädten ziemlich entspannt zu, und die Leute waren sehr freundlich. Man konnte die Stadt richtig liebgewinnen, auch wegen all der lustigen Dinge, die es dort gibt, neben einem angeblichen ehemaligen Freimaurerhaus und einer zweifelhaften Saunaanlage einen tollen Laden, der Gewürzsammelsurium, Kaffeeshop und nicht zuletzt Kuriositätenkabinett in einem war. Abgesehen von ollen Schwertern und Grammophonen gab es auch ausgetrocknete Ziegen zu "bewundern". Ansonsten fährt man in Nablus fast ausschließlich mit VW, wovon auch viele der berühmten VW-Busse (wie von den Hippies) Zeugnis abgaben. Das einzige, was eben ein bisschen irritierend ist, sind die ganzen Plakate von Leuten mit Maschinengewehr... in einem öffentlichen Haus hing sogar noch Saddam rum. Am Nachmittag waren wir noch bei Gedenkstätten Johannes des Täufers, bevor wir mit einer arabischen Süßigkeit (irgendwie so süß frittierter Käse oder so, jedenfalls lecker und sehr sättigend) verabschiedet wurden, wobei ein Beamter der Stadtverwaltung noch eine feierliche Abschiedsrede hielt, und mehrmals betonte, dass alle Bürger von Nablus für unseren Besuch dankbar seien, und wir jederzeit wiederkommen könnten. Na, jedenfalls war es ein langer Tag und wir fuhren im Dunkeln zurück nach Jerusalem.
Am Mittwoch war ich dann mal wieder in Gallicantu, einer Kirche in der Nachbarschaft, um bei der etwas unsortierten, aber sehr witzigen Soeur Laurence nochmal über das Zimmer meiner Eltern zu reden. Nachmittags war ich mit Brinthi in einer tollen Waffelbar. Waffeln haben wir zwar nicht gegessen, aber einen tollen Becher, der Shokobo heißt, und zur einen Hälfte aus Eis, geschmolzener Schokolade und Kaffee besteht, zur anderen Hälfte aus einem riesigen Berg Sahne. Extrem sättigend und extrem lecker!
Donnerstag Nachmittag hatten wir unsere Audienz beim koptischen Patriarchen, im Rahmen unserer Vorlesung zur Ostkirchenkunde haben wir nämlich die Ehre, einige der orthodoxen Patriarchen hier in Jerusalem zu besuchen! Die haben natürlich jeweils einen eigenen Thronsaal. Nach einiger Wartezeit wurden wir da auch reingelassen. Der Patriarch freute sich, dass wir bei ihm anfingen. Man kann aber nicht ganz verschweigen, dass er vor allem die Wahl für den ersten Besuch war, weil er altersblind ist, und er somit all die Patzer von uns nicht sieht, denn es gibt etliches an Verhaltensregeln bei einer solchen Audienz zu beachten; zum Beispiel darf man nicht die Beine übereinanderschlagen, da dies als Verspottung des Kreuzes gilt, usw. Wir wussten uns aber in jedem Falle zu benehmen, und der Patriarch war auch total nett drauf. Typisch orientalisch antwortete er auf etliche Fragen auch sehr ausweichend: denn man würde nie die Antwort verweigern, man sagt bloß was völlig anderes und damit soll dem Frager klar sein, dass man dazu nichts sagen will... wobei das bei unseren lieben Politikern zuhause eigentlich auch so ist.
Ansonsten gab es Freitag noch einen sogenannten "Herrenabend" der Verbindungsleute (also von den Leuten unter uns (Studis/Volontäre/Mönche), die in einer Studentenverbindung sind; die haben eine sog. Kneipe veranstaltet, also ein Zusammensein mit festem Programm für Unterhaltungen, kleine Reden und Lieder). Dabei kann man auch viel falsch machen, so wie ich: 1. hatte ich keinen Hemdkragen, 2. ein Mischbier und das habe ich 3. auch noch aus der Flasche getrunken... naja, es war ganz ok, aber ich bin dann doch relativ früh wieder abgehauen... selbst um Pinkeln zu gehen, musste man ein Pause-Zeichen an das "Präsidium" geben (um aufstehen zu dürfen)!
Am Wochenende habe ich dann eigentlich nur für das Referat am Montag (gestern) gearbeitet. Heute wäre eigentlich auch Exkursion, aber ich bin hier geblieben, weils mir nicht so gut ging heute morgen und schon die letzten Tage... aber inzwischen gehts wieder. Ich brauch wahrscheinlich nur mehr Schlaf...
Bis bald, Euer Jakob