Samstag, 7. April 2012

Er ist wahrhaftig auferstanden!

So lautet der traditionelle Osterruf, mit dem wir Christen die Auferstehung Jesu Christi verkünden, und damit den unerwarteten, ein für allemal geltenden Sieg des Lebens über den Tod.
In dieser Woche habe ich zusammen mit Adrian die ganze Stadt noch einmal gesehen, vor allem die Altstadt; die Märkte, die Kirchen, den Ölberg. Zugleich waren überall die Vorbereitungen für das Pessach-Fest der Juden zu spüren - es gab kein vernünftiges Brot mehr, sondern nur Mazze, das in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten gegessen wird. - Aber ich war natürlich eher mit den christlichen Feiertagen beschäftigt.
Am Karfreitag Morgen gingen wir (alle protestantischen Kirchen) in einer tief bewegten Prozession den Kreuzweg und endeten in der deutsch-lutherischen Erlöserkirche. (Dies ist im Internet auf Tagesschau.de zu sehen.) Am Samstag Abend besuchten Brinthi, Adrian, seine Mutter und ich dann die traditionelle Ostervigil in St. George bei den Anglikanern, um das wiedererstandene Licht zu feiern, unseren Taufbund zu erneuern und die Eucharistie zu empfangen.
Mit diesem Hoffnungszeichen werde ich nun nach Deutschland zurückkehren. Ich danke allen, die Anteil an meinem Leben hier genommen haben! Vielleicht gibt es eines Tages eine Fortsetzung...
Macht's gut und Frieden sei mit euch!
Euer Jakob

Montag, 2. April 2012

Da waren's nur noch Neunzehn

denn Lars und Stefan, die hier die besten Freunde geworden sind, haben sich bereits verabschiedet.
Am Montag hatten wir nochmal einen letzten "normalen" Vorlesungstag, bevor wir am Dienstag unsere letzte Exkursion, nämlich in die Shephelah, das Hügelland, hatten, wieder einmal mit dem Archäologen aus Beer-Sheva, Gunnar Lehmann. So haben wir also jetzt ständig irgendwelche "letzten" Sachen...
Am Mittwoch war dann also tatsächlich unser letzter Vorlesungstag. Donnerstag hatten wir frei, und ich war mit Brinthi zur Entspannung in Tel Aviv, wo wir von einem Café ins andre gewandert sind.
Am Freitag war der große Abschlusstag, mit Gottesdienst und Abschlussfeier. Besonderer Höhepunkt war natürlich die Nachahmung der Spülteams durch Spülteam 2 (dem ich natürlich angehöre), wobei wir uns zum Schluss mit vertauschten Rollen auch selbst nachäfften.
Nach einem Wochenende voller Feriengefühle, aber eben auch der ersten Abschiede, hoffe ich nun, dass Adrian sicher gelandet ist, und ich ihn um sechs treffen werde, damit ich anfangen kann, ihm Jerusalem zu zeigen, bevor wir gemeinsam wieder nach Deutschland reisen werden.
Soweit erstmal, bis bald!!
Euer Jakob

Sonntag, 25. März 2012

Souvenirs d'un autre monde

"Andenken an eine andere Welt", wie ein Album der wunderbaren Band Alcest heißt, sind auch alle diese letzten Tage, nun, da das Studienjahr seinem Abschluss entgegengeht - aber ich will nicht zu dramatisch werden...
Zunächst mal hatte ich vorletzte Woche das letzte Mal Spüldienst, das letzte Mal aufplatzende Müllbeutel des Küchenpersonals zum Container tragen, der von Wesen bevölkert wird, die schon eher wie Ratten als wie Katzen aussehen - achja, da kommt Schwermut auf... denn ohne solch lästigen Pflichten ist das Leben eben doch fad! Am Wochenende waren wir in Beit Jimal (benannt nach einem Rabbi Gamaliel), wo nochmal einige abschließenden Gespräche und Reflexionen zum Studienjahr stattfinden sollten. Am Freitag haben wir alle einen vorbereiteten Zettel vorgelesen, was uns persönlich so bewegt hat. Eigentlich hasse ich derartige Stuhlkreis-Sitzungen, aber es war doch noch mal eien gute Gelegenheit, einige Sachen, auch Schwierigkeiten Revue passieren zu lassen, und auch von anderen zu hören, die man vielleicht nicht so kennengelernt oder anders eingeschätzt hat. Nach einer schrecklich kalten Nacht verbrachten wir den ganzen Samstag mit langweiligen Reflexionsrunden über allen möglichen Kram des Studienjahrs, was uns daran gefiel oder nicht, wobei das meiste ohnehin keinen Einfluss auf irgendwelche Entscheidungen hat - naja, was solls. Der Sonntag war nach einer etwas besseren Nacht auch wunderbar sonnig, schön und frei, sodass man nach einer Morgenandacht von Andreas und Tobias Weyler etwas spazieren konnte in der umliegenden idyllischen Natur. Mit Brinthi lag ich etwas im Gras rum und aßen Pralinen aus dem örtlichen "Shop", wo es auch Crêpe gab - tja, Mönche müssen auch mal was essen. Es gibt nämlich zwei Klöster auf dem Berg dort, einmal die Salesianer, die eher modernistisch sind, und ein Schwesternkloster der Kartäuser, die bekanntlich als Schweigeorden so richtig kontemplativ sind. Von denen lernten wir im Shop auch eine nette kennen, die wohl wegen ihres Dienstes auch mit Kunden reden muss/darf. Es ist unglaublich, welche Ruhe und Freude diese Menschen ausstrahlen - als am Sonntag auf den blühenden Wiesen die Schwestern, mit frischen Zweigen in den Händen, sich (ausnahmsweise) unterhaltend und fröhlich grüßend an uns vorüberzogen, war es wie in einer anderen Welt zu sein.
Am Montag, Tag des Hl. Josef, war ich dann endlich mal wieder in meinem geliebten Herzl-Haus in meiner geliebten Mamilla (Straße/Mall), wo ich Chicken Wings aß, die total lecker waren, auch wenn ich hinterher aussah wie ein Barbar. Am Dienstag waren wir den ganzen Tag mit Tamar Avraham wieder in der West Bank unterwegs, in Hebron und einem Palästinenserdorf nahe der Siedlung Susya, die schon ganz schön um ihre Existenz kämpfen müssen. Als reichte das nicht, hatten wir abends noch eine kräftezehrende Diskussion mit dem Abt wegen dem Abschlussgottesdienst, wo dann eigentlich jeder unzufrieden war, erstens weil erst viele für eine Messe waren, dann wiederum viele einen schlichten Wortgottesdienst wollten, und so jeder irgendwie zwischen den Stühlen saß, und zweitens, weil nach dem aufreibenden Gespräch der Abt deutlich machte, dass er von Anfang an entschieden hatte für einen Wortgottesdienst - man hätte sich diesen Ärger also komplett sparen können.
Am Mittwoch habe ich mir dann erstmal aus Übermut im T-Shirt in der abendlichen Stadt eine Erkältung geholt, die mich bis auf diesen Moment schniefen und husten lässt - dabei dachte ich letzten Winter noch, sowas wird mir in Israel nicht passieren... naja, aber es klingt schon ab...
Trotzdem machte ich am Freitag den Kreuzweg der Franziskaner mit, wo sie also betend die Via Dolorosa in die Grabeskirche wandeln, was doch ein tolles Erlebnis war. "...wie ich zum Hause Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge..." (Ps. 42,5)
Nun erwartet mich noch eine letzte Woche Studienjahr, bevor die ersten Leute sprichwörtlich wieder ausfliegen, und die erste Aprilwoche, in der mich mein Freund Adrian besuchen wird, und die von vielen Abschieden geprägt sein wird, bevor ich nach Ostern selbst auch (nach Tü) zurückkehre...
Bis demnächst, Euer Jakob

Sonntag, 11. März 2012

Apocrypha

"die Verborgenen", sind Schriften, die ähnlich wie die kanonischen Bücher des Neuen Testaments, von Jesus und seinen Aposteln Worte und Taten überliefern, jedoch häufig aus späterer Zeit und mit teilweise einigermaßen phantastischen Ausschmückungen. Nichtsdestotrotz gibt es unglaublich tiefe Texte darunter und in jedem Falle sind sie ein wunderbares Zeugnis für die Vielfalt frühchristlicher Spiritualität und Theologie. Daneben sind sind sie eins meiner persönlichen theologischen Hauptinteressen. Letztes Wochenende befasste ich mich einmal mehr mit ihnen, um mich auf die für mich sozusagen wichtigste Veranstaltung des Studienjahres vorzubereiten, nämlich "Gericht und Hölle in den Antiken Christlichen Apokryphen", von dem Berliner Kirchengeschichtler Christoph Markschies, der nicht nur total humorvoll und spannend zugleich ist, sondern auch neuer Herausgeber der berühmten (für die Verhältnisse eines Randbereichs der Theologie...) Sammlung apokrypher Schriften, die man bisher oft Hennecke-Schneemelcher nannte, nach den beiden früheren Herausgebern. Da ich meine Leser aber nicht noch weiter ermüden will, halte ich meine begeisterungsschwangeren Ausführungen, die ich jetzt machen könnte, mal lieber zurück... Zugleich wird mit Gericht und Hölle ein bzw. zwei Themen angesprochen, die man heute gern unter den Tisch kehrt, weil sie sehr unangenehm klingen, und schlechte Presse für die Kirche zu sein scheinen. Inwiefern ein taktisches Schweigen darüber sinnvoll ist, das allen möglichen Scharlatanen erlaubt, diese Begriffe mit ihren abstrusen Ideen zu füllen, ist sicher fraglich. Aber auch dies muss jetzt nicht diskutiert werden.
Am Montag Abend hatten wir noch einen sehr spannenden Vortrag mit (selbstproduziertem) Dokumentarfilm von Erzabt Astrik (nein, nicht Asterix) aus Ungarn, wo es um die schlimme Verfolgung der katholischen Kirche zur Zeit der kommunistischen Diktatur ging, von der die DDR in diesem Maße zum Glück verschont blieb (leider aber zugunsten einer schleichenden Entchristianisierung). Er konnte dazu sehr viel aus seinen Erfahrungen berichten. Ein Erzabt ist übrigens der Abt eines Mutterklosters, denn wie antike Kolonialstädte zogen da früher ein paar Brüder aus, um irgendwo ein neues Kloster zu gründen, wenn das alte zu voll war (zu einer Zeit, in der das monastische, spirituelle Leben für viele Menschen reizvoll war). Das ist dann meistens erstmal eine Priorei, also unter der Führung eines Priors, der dem Mutterkloster untersteht. Wenn die Priorei größer wird, ist es selbst eine Abtei, also ein vollwertiges Kloster. Wenn nun ein Kloster viele solche Tochterklöster hat, wird es selbst zur Erzabtei. Tja, auch monastisches Leben will organisiert sein, sonst funktioniert es nicht.
Dienstags hatten wir wieder Exkursion, diesmal nach Massada (wo uns Matthias führte) und En Gedi. Am Mittwoch verabschiedeten wir uns von Miro, unserm Studienassistenten, der wegen einer Gallenblasenentzündung leider ausgeflogen werden musste, was für alle natürlich schade ist. Außerdem war in diesen Tagen Purim, also so eine Art jüdischer Karneval, sodass wir selbst eine Feier machten bzw. in der Stadt uns den Feierlichkeiten anschlossen. Besonders im ultra-orthoxen Mea Shearim ging es recht munter zu. Denn so bierernst, wie die Ultras manchmal wirken, sind sie eben doch nicht, wie man bei solchen Gelegenheiten feststellen kann.
Am Freitag ging es dann endlich los mit Markschies, wo wir zunächst die Petrus-Apokalypse (Apokalypse hier im ursprünglichen Sinne von "Offenbarung") anschauten, die mit ihren für uns sehr brutal anmutenden Bildern von der Hölle zunächst befremdlich wirkt. Betrachtet man jedoch die damalige Zeit und die furchtbare Situation, in der die verfolgte Gemeinde stand, ist es immer noch besser, angestaute Aggressionen in irgendwelchen Jenseitsvorstellungen abzureagieren, als im Hier und Jetzt. Nebenbei sind die Schilderungen für damalige Verhältnisse leider ziemlich normal und nicht sonderlich übertrieben, und sie dienten vor allem dem Zweck der Warnung. Trotz dieser zu beachtenden Umstände hat das Christentum diesen Text nicht allgemein anerkannt, sodass er nicht den Weg in den Kanon fand, und vermutlich ist das auch besser so - das Christentum ist nicht eine Religion der Angst, auch wenn sie von manchen dafür gehalten wird (eigentlich ist sie sogar das Gegenteil).
Am Samstag behandelten wir dann die Paulus-Apokalypse, eine der am weit verbreitetsten apokryphen Schriften überhaupt, was auch kein Wunder ist, da sie eine bilderreiche Reise des Apostels Paulus durch die verschiedenen Himmelssphären berichtet, bei der er alle möglichen Gestalten der Bibel antrifft. Stützen tut sich der Text auf einen Bericht des Paulus im 2. Korintherbrief, wo er unter großem Vorbehalt andeutet, solch eine Vision tatsächlich erlebt zu haben - wie viele Christen nach ihm es noch erleben sollten, die wir heute als Heilige kennen. - Danach gingen wir auf einen Samstagsspaziergang durch das Hinnom-Tal, wo uns Prof. Markschies, der ja neben Theologie, Philosophie und Klassischer Philologie auch Biblische Archäologie studiert hat, noch einiges über die dortigen Grabanlagen berichten konnte, bevor wir uns zu einem gemütlichen Kaffee in der Cinemathek niederließen.
Tja, so weit die Meldungen. :)
Aus einem inzwischen wieder richtig sommerlichen Jerusalem, Euer Jakob

Mittwoch, 29. Februar 2012

Der Hügel des Frühlings

"Tel Aviv" wurde einmal mehr von uns besucht, diesmal mit dem gesamten Studienjahr. Obwohl die Stadt ziemlich grau und riesig aussieht auf den ersten Blick, ist es doch eine gute Stadt zum leben, wenn man sie näher kennenlernt.
Zunächst durften wir diese Woche den großen Ägyptologen Jan Assmann hören in seiner Vorlesung "Eschatologie im Alten Ägypten", darüber hinaus Ruben Zimmermann, dessen Vorlesung über das Johannesevangelium ebenfalls sehr interessant ist. Am Montag war ich dann noch mit Andreas und Brinthi im Keshet haHurva, einem kleinen, netten Restaurant nahe der Hurva-Synagoge. Keshet heißt Bogen, weil über lange Zeit nur noch ein Bogen der Hurva-Synagoge stand, bevor sie in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut wurde. Ebenso interessant war die Synagoge auf dem Campus der Uni in Tel Aviv gebaut. Moderne Architektur kann eben doch manchmal ansprechend sein...
Letzten Dienstag sind wir einmal mehr mit Tamar Avraham unterwegs gewesen, diesmal sind wir in die nördliche Westbank gefahren und haben uns dort einige national-religiöse Siedlungen angesehen (man unterscheide ultra-orthodox und national-religiös!!).
Am Mittwoch Abend hatten wir einen Gastvortrag von Benjamin Berger über messianische Gemeinden. Die messianischen Juden sind Juden, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, sich aber mit der Geschichte der Christenheit schwerlich identifizieren können, und sich daher nicht Christen nennen, auch wenn sie in engen Kontakt mit anderen Christen stehen und selbst auch die grundlegenden Dogmen (wie die Trinität) und Sakramente (Taufe und Abendmahl) teilen. Daneben leben sie in unterschiedlicher Weise ihre jüdischen Wurzeln weiter, indem sie manche Gesetze der Tora weiter befolgen. Vor allem aber sind sie sehr charismatisch (also auf Geistesgaben ausgerichtet, mit sehr freien Gottesdienstformen) und auch missionarisch aktiv. Ich fand den Vortrag total spannend.
Donnerstags besuchte ich mit Andreas noch den ominösen Bible Hill, was einfach ein unbebauter Hügel dem Zion gegenüber ist - ein nettes Fleckchen. Ein Spaziergang in den Parks unterhalb des King David Hotels lohnt sich immer.
Nach einem ebenso entspannenden Wochenende waren wir also gestern (Dienstag) in Tel Aviv. Dort hatten wir nach einer kleinen Stadtführung ein sehr interessantes Treffen mit dem deutschen Botschafter, der uns vieles über die politischen Umstände und Taktierereien im Nahen Osten berichten konnte. Nach einer Mittagspause auf dem Campus der örtlichen Uni hatten wir eine ebenso spannende Führung im Archäologischen Institut, bevor in Jafo zu Abend aßen und wieder zurückfuhren. Die Führung im Institut war von Alexander Fantalkin. Er vertrat den großen Archäologen Israel Finkelstein, wobei er sagte: "It's difficult, I mean, there's only one Finkelstein. But there's only one Fantalkin, too." (Es ist schwierig, denn es gibt nur einen Finkelstein. Aber es gibt auch nur einen Fantalkin!) Er ist wirklich eine sehr fähige (und sehr humorvolle) Person.
Joa, mehr gibts im Moment nicht zu sagen: Auf uns wartet ein langes Wochenende, in dem einige nach Jordanien fahren werden. Ich werde mit einigen andern hier bleiben und einfach Jerusalem noch etwas genießen. :)
Bis dann, Euer Jakob

Samstag, 18. Februar 2012

Bilder zur Kreuzfahrt



Stefan und ich am Labern in Ramla

Andreas mit... hypnotisierendem Blick

Weihnachtsikone in Lydda

Jakob am chillen mal wieder

die olle Festung nahe der Herberge des Barmherzigen Samariters

Montfort

Schlucht hinter Montfort

Wandelnd im Drusenheiligtum Nevi Shu'eib

Imperator Saladin kehrt siegreich von den Hörnern von Hattin zurück

Brinthanan

zwei alte Männer und das Meer (Andreas und ich)

Lächeln fällt schwer bei diesem Sauwetter

Ein Kreuzzug

war es zum Glück nicht diese Woche, aber eine wunderschöne Kreuzfahrer-Exkursion! Aber eins nach dem andern.
Zunächstmal hatten wir vorletzten Freitag unseren Ausflug in das sehr lohnenswerte Israel-Museum, wo wir eine Führung bekamen. Dort gibt es wirklich immer etwas zu sehen, sei es Kunst, oder Archäologie oder Artefakte der religiös-jüdischen Kultur. Am Wochenende probten wir noch ein, zwei Mal unser Theaterstück, bevor es am Montag losging.
Wir fuhren zuerst nach Ramla, wo es eine Moschee zu sehen gab, die einmal eine Kreuzfahrer-Kirche war. In der Stadt fanden wir (Brinthanan und ich) auch noch eine Jesuiten-Kirche, wo wir nach einigem Suchen und Klingeln auch reinkamen. Tja, wer anklopft, dem wird aufgetan. Danach ging es nach Lydda in eine (heute) griechisch-orthodoxe Kirche mit prunkvoller Ausstattung. Den Mittag verbrachten wir im Sonnenschein in der schönen Anlage von Latrun (frz. Le Toron). Dort gibt es ein Trappistenkloster. Trappisten sind im Prinzip auch Benediktiner. Denn von den Benediktiner spalteten sich einstmals die Zisterzienser ab, ein Reformorden, welcher die Benedikt-Regel wieder strenger halten wollte. Von denen wiederum gab es noch einmal eine strengere Abspaltung, und das sind die Trappisten (die Härtesten sind natürlich immer noch die Kartäuser, die aber eine eigene Mönchsregel haben). Neben diesem Kloster gibt es eine ökumenische Brüdergemeinschaft, die Jesus-Bruderschaft, in der man zölibatär oder als Familie leben kann. Alles in allem jedenfalls ein wunderschönes Gelände, wo nebendran unter dem unglaublich frischen Grün, das sich uns noch öfter hier im Frühling (!) zeigen sollte, noch eine alte Kreuzfahrer-Ruine zu besichtigen war. Aber noch war unser Tag nicht abgeschlossen. Wir fuhren noch nach Emmaus Nikopolis, also einer der vielen Orte, die als das biblische Emmaus vorgeschlagen werden, wo Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern auf Wanderschaft begegnet ist. Dort hatte eine Karmeliterinnen-Schwester (von dem Kloster, wo wir vor ein paar Wochen zudritt waren) durch eine Vision ihre Mitschwestern hingeführt, und tatsächlich fand man eine große Kirchenruine unter der bezeigten Stelle. Deshalb gibt es hier inzwischen auch win Schwesternkloster. Die Schwester hieß "Maria von Jesus dem Gekreuzigten" und wurde bereits selig gesprochen. Nach diesem wunderschönen, aber auch anstrengenden Tag gönnte ich mir mit Brinthanan noch ein Gläschen Arak, bevor es in die Heia ging. Diesmal schliefen wir noch in Jerusalem, die nächsten Nächte waren wir wieder in Tabgha in Galiläa untergebracht.
Am Dienstag besuchten wir zunächst die sog. Herberge des Barmherzigen Samariters, also eine Kirchenruine, die der Tradition nach an der Stelle steht, wo die Herberge stand, die in dem berühmten Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter erwähnt ist (der auf "der Straße hinab nach Jericho" wanderte). Nebenan gab es auch ein interessantes Mosaik-Museum. Dort war auch eine olle Kanzel aufgestellt, mit zugehöriger Treppe, die ich natürlich sofort besteigen musste, worauf wie aus der Pistole geschossen ein Wachmann aus einem Megaphon an der Wand irgendetwas Unverständliches brüllte... Big Brother is watching you. :D Danach jedenfalls kamen wir zur Burg Belvoir, wo Tobias Jammerthal (Kommilitone und Pfarrerssohn) uns führte. Nebst dieser Bilderbuch-Burgruine gab es noch einen scheußlichen Kunstpark, der zumindest gut genug war, im Schatten dieser "Werke" ein Mittagsschläfchen zu ermöglichen. Als nächstes wanderten wir zur Ankerkirche (Ruine), auf einem Hügel, von dem man über Tiberias und den See Genezareth blicken kann. Die Kirche heißt deshalb so, weil dort ein merkwürdiger Ankerstein gefunden wurde (sicherlich heilig). Dann fuhren wir zu unserem Quartier nach Tabgha, wo wir nun also wieder zu Gast waren, und wo ich auch gleich die Vesper besuchte.
Mittwochs ging es zunächst nach Baram, wo eine antike Synagoge zu finden ist und daneben ein neuzeitliches, ehemals christliches, von den frühen Zionisten zerstörtes Dorf. Ich las einen Augenzeugenbericht von der Vertreibung vor, bevor wir durch das Ruinenfeld wanderten. Davon waren alle ziemlich mitgenommen. Daraufhin fuhren wir nach zu der Klippe Rosh haNiqra (wir berichteten), wo ich mit Brinthanan nur einen Milchshake trank, da wir uns das ja schon angesehen hatten. Danach kam ein wahrer Höhepunkt: Die Kreuzfahrerburg Montfort. Zunächst kamen wir auf der anderen Seite des Tales an, in das wir dann hinabwanderten, den kleinen Fluss an einer flachen Stelle überquerten, bevor wir eine eingefallene mittelalterliche Mühle der Kreuzfahrer sahen. Dieser Ort war unglaublich verwunschen, überall alte Steine und Bögen mit Bäumen und Pflanzen überwachsen, und dennoch waren noch einige Räume und Gänge zugänglich. Nun folgte der Aufstieg zur eigentlichen Burg, an der es sich wunderbar klettern lässt, und die sich einige Stufen am Fels nach obenhin entlangzieht. Auf der anderen Seite hinaufgekraxelt, erwartete uns der Bus, mit dem wir nach Tabgha zurückfuhren. Dort gab es eine leckere Linsensuppe mit Würstchen und Apfeltasche als Nachtisch, alles von Dominique gekocht... mmmh. Am See hielt Nancy noch eine Abendandacht. Und dann gab es zuallerletzt noch die Nachtwanderung nach El Minye, einem alten orientalischen Palast.
Am Donnerstag ging es nach Tsfat, wo uns nach einigen Synagogen auch endlich der befürchtete Regen einholte, der ja bekanntermaßen in Israel ganz oder gar nicht fällt, d.h. wenn es regnet, dann aus Kübeln, und zwar tagelang. Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Wir besuchten nach dem Mittag das Drusenheiligtum Nevi Shueib. Die Drusen sind eine kleine Volksgruppe, die sich vom Islam abgespalten hat und in diesem Heiligtum den Schwiegervater des Mose, Jithro, verehrt. Dann wanderten wir weiter zu den Hörnern von Hattin, wo unser Theaterstück stattfinden sollte, und wie ein Zeichen des Himmels klarte derselbe völlig auf und schenkte uns reichlich Sonnenschein trotz einer Menge Wind. Das Stück hat Johannes geschrieben und es geht im Wesentlichen um die Niederlage der Kreuzfahrer gegen Saladin. Die Hauptrolle hatte Nancy als ruchloser Kreuzritter-Hauptmann Raynald v. Chatillon inne, während ich als Saladin mehr ein zweiter Erzähler war. Immerhin musste ich Nancy in der letzten Szene den Kopf abschlagen... ;) Aber es würde zu lang, das ganze Drama und jeden Teilnehmer jetzt nachzuerzählen, es ging immerhin fast ne Dreiviertelstunde. Jedenfalls war es ein großer Spaß, was nicht zuletzt daran lag, dass unsere Autorität als mutige Kreuzritter bzw. Muselmanen-Krieger immer wieder durch ein Minenfeld von Kuhfladen beeinträchtigt wurde, in die wir im sprichwörtlichen Eifer des Gefechts ständig reintraten. - Diesen Abend gab es Kürbissuppe und Kaiserschmarrn von Nancy, sehr lecker!
Freitags, am letzten Tag der Exkursion, führte uns der Weg einmal mehr nach Akko, wo wir allerdings viel Neues sahen (ich war ja mit Brinthanan und Andreas bereits zweimal dort gewesen). Zunächst wurden wir nämlich in die Bahai-Gärten dort in der Nähe geführt, wo deren Prophet Bahaullah begraben liegt. Dieser hatte den Eindruck, es müsste nach Mohammed mal ein neuer Offenbarer drankommen, den er in der eigenen Person erblickte. Bei einem ziemlich enttäuschenden Abschlussgespräch über ihren Glauben offenbarte sich diese weitere Abspaltung vom Islam als eine extrem tolerante, aber leider auch ziemlich oberflächliche Wohlstandsreligion, in der existentielle menschliche Dimensionen wie Angst und Schuld offenbar kaum einen Platz finden. Und es ist immer die Frage, ob man wirklich respektvoller ist, wenn man alle Religionsstifter in eine gleichwertige Reihe stellt und auf ein paar ethische Grundsätze reduziert, statt ehrlicherweise ihre Andersheit zu akzeptieren. Bei solch einer Toleranz des kleinsten gemeinsamen Nenners würde ich mich jedenfalls nicht ernst genommen fühlen (siehe auch Ökumene). Dennoch ist das moralische und gesellschaftliche Engagement vieler Bahai natürlich lobenswert (ebenso wie ihre akkurat angelegten Gärten).
Zum Mittag konnten wir es uns natürlich nicht verkneifen, ein letztes Mal bei Uri Buri einzukehren... Aber wie immer bei solchen Restaurants, bleibt doch nur das erste Mal wirklich unvergesslich. Am Nachmittag erwartete uns eine Führung von Stefan, der uns die mittelalterlichen Anlagen des Johanniter-Ordens und einen dazugehörigen unterirdischen Tunnel präsentierte.
Danach ging es auf eine lange, gemütliche Heimfahrt zurück ins regnerische und sturmgepeitschte Jerusalem... heute morgen scheint aber schon wieder die Sonne.
So weit erstmal! Kaum mehr als ein Monat bleibt uns hier noch, und die ersten Pläne und Vorbereitungen haben schon begonnen, wenn wir wieder (in alle Welt) auseinandergehen. Aber noch ist es ja nicht soweit.
Euer Jakob

Sonntag, 5. Februar 2012

William und Kate

...wurden von der Hand getraut, die ich letzten Mittwoch Abend schütteln durfte: Der Erzbischof von Canterbury, höchster Würdenträger der Anglikanischen Kirche, war in der Dormitio zu Gast. Er war total locker und nett. Als man ihn auf die royale Hochzeit ansprach, meinte er ironisch: "Well, it's a marriage. I do marriages all the time, you know..." (Naja, es war eine Hochzeit. Ich mache ständig Hochzeiten...)
Am Tag davor waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs und besuchten dabei die viel diskutierte Mauer, die sich in der Umgebung von Jerusalem entlangzieht. Man kann viel darüber schimpfen, aber eines steht fest: Seit sie da ist, gibt es keine Anschläge mehr in Jerusalem. Vorher konnte man sich nicht ohne eine leise Angst in ein Café der Neustadt setzen. Dennoch muss auch die Behandlung der Palästinenser in den Checkpoints berücksichtigt werden. Es gibt eben immer zwei Weisen der Betrachtung.
Ansonsten haben wir im Moment zwei Vorlesung, einmal Hrn. Hartenstein aus München zu den Psalmen und weiterhin Verena Lenzen aus Luzern, die eine total interessante Vorlesung zu Jesus aus jüdischer Sicht hält, von den abwertenden Geschichten der Toledot Jeshu über erste wichtige jüdische Interpretationen wie die von Klausner und David Flusser bis zu großen Würdigern und Bewunderern Jesu wie Martin Buber und Shalom Ben-Chorin.
Am Freitag konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Aber das hatte auch seinen Vorteil, da ich so endlich einmal an der Vigil bzw. Laudes teilnehmen konnte, also dem Morgengebet der Mönche um 5:30... das ist schon cool, so früh seinen Tag zu beginnen.
Desweiteren sind jetzt viele dabei, noch all die Orte zu entdecken, die man in Jerusalem bisher links liegen lassen hat, einfach weil man denkt: naja, ich wohne ja noch lang hier... aber irgendwann muss man dann halt auch mal hingehen! (In der Umgebung von Tübingen habe ich zum Beispiel auch kaum was gesehen, man ist so sehr mit dem Alltag beschäftigt, dass man sich die wichtigsten Sachen gar nicht näher ansieht.) Dazu gehörte bei mir persönlich am Samstag das Gartengrab und am Sonntag die Zitadelle (Tower of David) - besonders von letzterer waren wir (Andreas und ich) schwer begeistert! Total schöner, bepflanzter Innenhof, ein witziger Film über die Geschichte Jerusalem und sehr modern und anschauliche Ausstellungen - da kommt keine Langeweile auf, und man hat vom Turm der Zitadelle den herrlichsten Ausblick über Jerusalem, den man sich nur vorstellen kann.
Am Freitag war ich außerdem noch in der Armenisch-katholischen Kirche (also eine Kirche mit armenisch-orthodoxem Ritus, die aber mit Rom uniert ist), wo es jede Woche eucharistische Anbetung gibt. Das ist eine besondere katholische Frömmigkeit, wo das Allerheiligste (eine geweihte Hostie, also der Leib Christi) in einer Monstranz (einem Gestell, in deren Mitte die Hostie eingelegt wird) "ausgesetzt" wird zur Anbetung. Dabei kniet man in einem stillen Raum davor nieder und betet still. Das ist schon was sehr Spezielles, und ich konnte mich bei diesem ersten Mal noch nicht so recht damit anfreunden.
Ansonsten bereitet Johannes mit uns gerade ein Theaterstück für die Kreuzfahrer-Exkursion nächste Woche vor, aber davon wird später noch zu berichten sein...
Bis dahin, Euer Jakob

Montag, 30. Januar 2012

Roseneis

ist nur eines der wundersamen, und doch total leckeren Spezialitäten von Uri Buri, den wir in Akko endlich wiedersahen...
Zunächst war die Gebetswoche für die Einheit der Christen weiterhin sehr bereichernd. Am Dienstag waren die Lutheraner in der deutschen Erlöserkirche dran, dann die Katholiken im Lateinischen Patriarchat, wo der Patriarch auch selbst da war; und dann waren am Donnerstag unsere benediktinischen Mönche an der Reihe, die im Abendmahlssaal das Gebet organisierten.
Am Freitag waren wir dann vormittags mit unseren zwei Professoren Petra Heldt und Jürgen Krüger in der Grabeskirche, wo wir auch das bisher "unentdeckte" zweite Geschoss der Armenier besuchten.
Dann holten wir (Brinthanan, Andreas und ich) unser Auto ab und fuhren erst einmal zu einer Tropfsteinhöhle, die wir unbedingt sehen wollten. Wir kamen auf Umwegen dann rein und konnten die schönen Formationen bewundern, die dort bei einem Steinbruch unter der Erde entdeckt wurden.
Danach fuhren wir zu einem Aussichtspunkt am Rande des Städtchens Sdeirot, was öfter auch von den Raketen aus Gaza heimgesucht wurde. Dort konnten wir den Gazastreifen überblicken, bevor wir gegen Sonnenuntergang einen Zwischenstopp in Ashkelon einlegten, wo wir dann endlich direkt am Meer waren und etwas auf der Mole entlangspazierten, bis das stürmische Meer mit einer scheinbar beiläufigen Bewegung uns von oben bis unten quatschnass machte und wir etwas bedröppelt auf die Wellen schauten, bevor wir selber lachen mussten.
Dann sind wir also in unser Nachtquartier, ein nettes Apartment in Tel Aviv, gefahren, und aßen noch zu Abend im Pasta Mia, ein toller Italiener.
Am nächsten Morgen standen wir sehr gemütlich auf und frühstückten noch gemütlicher in Jaffa auf dem sonnenbeschienenen Balkon eines tollen Cafés, während wir über Argumente nachdachten, warum wir dies doch verdient hätten...
Danach gings in den Norden zu einem Karmeliterkloster, und ins Drusendorf, Süßigkeiten kaufen. Dementsprechend gesättigt kamen wir in Haifa an, wo wir die wunderschönen Bahai-Gärten bestaunten. Sie sind zwar wirklich auch alles, was es in Haifa zu sehen gibt, aber dennoch einen Besuch wert!
Am nächsten Morgen ging es zunächst in die eher evangelikal wirkende, katholische Messe im Kloster Stella Maris ("Meeresstern", ein Symbol für Maria). Dann besuchten wir noch Rosh haNikrot, eine Meeresklippe an der libanesischen Grenze, wo man unterhalb einige meerbespülte Grotten sehen kann, und dazu einen schrecklich schönen Film von einer Braut, die hier ertrank und nun über den Ort wacht usw... Daraufhin schlossen wir unsere Tour mit einem langersehnten zweiten Besuch bei Uri Buri in Akko ab, wo uns wieder ein wahres Festmahl aufgetischt wurde... ich wage gar nicht, alles aufzuzählen... tja, und mit einer langen, aber entspannten Heimfahrt endete unser sehr erholsamer Urlaub vom allzu theologischen Beit Joseph: Man muss ja auch leben.
In diesem Sinne,
Euer Jakob

Montag, 23. Januar 2012

Haram as-Sharif

...das Edle Heiligtum, hat seinen Namen mehr als verdient: so lautet der arabische Name für den Tempelberg. Heute waren wir zusammen mit der ausgezeichneten Koran-Forscherin Angelika Neuwirth dort, am 11. Januar mit unseren muslimischen Gästen, und das Beste daran war, dass wir ausnahmsweise auch in die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom konnten. Beide Gebäude sind innen unglaublich schön. Und obwohl der Felsendom von außen mehr hermacht, hat mir von innen die Al-Aqsa noch mehr gefallen: eine hohe, weite Halle, komplett mit rotem Teppich ausgelegt, gestützt von etlichen Säulen, und von allen Seiten strömt farbiges Licht herein, aus jedem Fenster anders. Im Felsendom gab es außer der Felsenhöhle besonders viel an Deckenkunst zu sehen und die Kuppel, die mit Mosaiken verziert ist. Dieser Besuch war zweifelsfrei einer der Höhepunkte des Studienjahres. Ein letztes Mal schlenderten wir noch durch den "Park", der auf dem weiten Tempelplatz ist, und gingen zurück zur Dormitio.
Am Wochenende verabschiedeten sich dann die Muslime wieder. Es war wirklich ein extrem spannendes Projekt, so eng in den theologischen Diskurs mit dem Islam einsteigen zu können. Ich hatte derweil auch einiges andere zu tun, denn ich musste ja gleich am Montag noch ein Referat über Kabbala halten, das ich dann auch erfolgreich vortrug. Tags darauf sahen wir Rabbi Bollag wieder, mit dem wir einige jüdische Lehreinrichtungen (Yeshivot) besuchten. Gleich die erste Begegnung war ziemlich frustrierend, aber gerade deswegen auch interessant, wir sprachen mit einem ultra-orthodoxen Rabbi über seine Yeshiva, der es gut verstand, auf keine Frage eine konkrete Antwort zu geben, sondern immer wieder in seinen Sermon über "Peace" und "Happiness" zurückfand.
Am Donnerstag war dann sozusagen wieder das Christentum dran, genauer das Tauffest am Jordan von den Syrisch-Orthodoxen, in Gedenken an die Taufe Jesu. Das war ein ganz schöner Trubel wie bei einem Volksfest, auch wegen einer Dudelsack-"Kapelle" von zwanzig syrischen Christen, was ich nun wirklich nicht erwartet hätte. Abends bin ich noch mit unserem Assistent Miro und zwei Kommilitonen nach Tel Aviv in den Elektronik-Laden. Nicht, dass es das in Jerusalem nicht gäbe, aber Tel Aviv ist einfach cool... Ansonsten wird das Leben jetzt hier immer entspannter... die meisten Prüfungen etc. habe ich weg - es kommen aber noch viele interessante Vorlesungen, auf die ich mich schon freue.
Ansonsten begann am Samstag die Gebetswoche für die Einheit der Christen, was natürlich in Jerusalem besonders spannend ist: jeden Tag wird in der Kirche einer anderen Konfession gebetet. Am Samstag waren es die Griechisch-Orthodoxen in der Grabeskirche, gestern die Anglikaner in St. George und heute nachmittag gehts zu den Armeniern in der Jakobus-Kathedrale.
Soweit die Meldungen. Auf bald, Euer Jakob!

Dienstag, 10. Januar 2012

Das Ende aller Dinge

...ist trotz der Jahreszahl 2012 noch nicht gekommen, obwohl ich doch vorsorglich den Herrn der Ringe noch einmal las, falls ich nicht mehr dazu komme...
Doch schon zu Sylvester in Tel Aviv stellten wir nach dem Abendessen beim Italiener (beste Lasagne ever) und dem Rumlungern in "Mike's Place" (einer Bar) fast enttäuscht fest, dass der Weltuntergang noch nicht eingetreten ist, wovon sich Filmemacher aller Art sicher nicht abhalten lassen, diesen weiterhin kreativ auszumalen.
Zu Neujahr bin ich dann der Kontinuität halber nochmal zum Italiener, nochmal Lasagne, aber diesmal in Jerusalem, und diesmal vegetarisch (wie wir alsbald feststellten). Dann war erstmal die letzten Ferientage abhängen angesagt, während ich mir mühsam ab und zu eine Seite Referatsausarbeitung abpresste (Archäologie ist dann doch nicht so mein Lieblingsgebiet, jedenfalls nicht in diesem Detailgrad).
Am vierten Januar begann dann wieder das Studienprogramm, und zwar mit einem zweiwöchigen Projekt, wo wir uns mit acht Muslimen, die aus Deutschland angereist sind, über theologische Fragen unterhalten und diskutieren, was total spannend ist, weil man die Frömmigkeit und Vorstellungen des andern wirklich mal im Detail kennenlernen kann. So haben wir am Mittwoch über einige Texte diskutiert, bevor wir am Donnerstag Ölberg und Via Dolorosa gemeinsam besuchten. Am Freitag (Epiphanias) gab es dann noch feierliche Vesper mit Haussegnung, was wieder ein nettes katholisches Ritual war. Dabei wird über den gesegneten Hauseingang mit (selbstverständl. gesegneter) Kreide die Jahreszahl gemalt und die Buchstaben CMB (Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus).
Am Sonntag sind wir dann in aller Frühe gemeinsam in den Negev (wörtlich "Süden", der Süden Israels, eine große Wüste) aufgebrochen, wo wir uns zuerst die Ruinenstadt Shivta anschauten, die wegen ihrer Gassen und Kirchenruinen sehr sehenswert ist.  Dann wanderten wir bei Ein Avdat und schauten uns auch die Ruine in der Nähe an (bevor alle erschöpft zum naheliegenden McDonalds strömten, der hier unverhofft mitten in der Wüste steht). Nachdem wir schließlich noch den Blick über den atemberaubenden Krater Machtesh Ramon schweifen ließen, kamen wir in unserem Quartier im Qibbuz Keturah an, das nach der zweiten Frau des Abraham benannt ist.
Am nächsten Morgen erhielten wir dort eine Führung und erfuhren einiges über die kommunale und sozialistisch beeinflusste Lebensweise der Bewohner dort, wo beispielsweise jeder ein gleiches Einkommen aus einer gemeinsamen Kasse erhält. Dies ist aber nicht in jedem Qibbuz so, es gibt eine große Bandbreite zwischen sozialistischen und kapitalistischen Tendenzen einerseits und säkularen und religiösen Tendenzen andererseits. In dieser Beziehung ist Keturah eine Ausnahme, da dies religiös gesehen sehr gemischt ist, und auch viele säkulare Israelis leben und arbeiten hier. Ein Rabbi wird aus ideologischen Gründen nicht akzeptiert. Es ist deutlich, dass man sehr viel Wert auf Demokratie legt und sich von keiner Einzelperson etwas sagen lassen will. Jedenfalls haben sie eine Menge interessanter Sachen da am Laufen. Zum einen produzieren sie Milch (bzw. die Kühe dort), zum anderen haben sie eine Dattelplantage. Dort leben Esel, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, dort rumzuwandern und alle herabgefallenen Datteln zu verspeisen; was ich ihnen sehr gönne, wenn ich daran denke, wie mies diese Tiere mancherorts in Israel behandelt werden. Darüberhinaus haben sie etliche Experimente mit Solaranlagen und auch schon ein erstes Feld aufgebaut, ein nächstes soll bald folgen. Last but not least beschäftigt sich dort eine Botanikerin damit, alle möglichen Bäume aus aller Welt auf ihre Wüstenfähigkeit zu testen, und hat schon eine ganze Reihe von Hainen angepflanzt, die dort vor sich hinflorieren, ganz abgesehen von einer besonders abgezäunten Dattelpalme mitten im Gelände, die tatsächlich aus einem 2000 Jahre alten Samen aus Massada entsprossen ist.
Später am Tag waren wir dann noch einmal in der Wüste wandern, wo es einen großen Hang mit ganz feinem Sand gab, wo dann alle (Männer) nochmal rumtollen konnten. Dann haben wir zum Mittag noch Teig frisch auf einer Platte auf dem Feuer "gebacken", bevor wir abgedüst sind nach Timna, wo es bei einem riesigen Felsen einen Hathor-Tempel gibt und weil die Gegend dort einfach sehr schön ist. Danach folgte die lange Fahrt nach Hause und heute gings weiter mit der Vorlesung...
Soweit erst mal. Bis bald!
Euer Jakob