Sonntag, 28. August 2011

Wa-llahu alam

"Gott weiß es besser" schreiben die Muslime unter jeden Text (sicherheitshalber).
Diese Woche hatte einen Besuch in der École biblique zum Auftakt, eine ganz berühmte Bibliothek, die wir Studienjahrler ausnahmsweise nutzen dürfen. Dort führte uns Bruder Pavel, ein Dominikaner-Mönch, der seeeehr gewissenhaft ist, um es freundlich auszudrücken. Tatsächlich darf man zunächst mal fast alles NICHT, während der Führung war es nicht gestattet, ein Buch auch nur in die Hand zu nehmen. Auch darf man die Bücher nicht an ihren Ort zurückstellen, da man uns dafür nicht für kompetent genug hält. Schon jetzt ist allerdings klar, dass uns Br. Pavel für immer im Gedächtnis bleiben wird.
Am Dienstag ging es nach Bethlehem, wo wir natürlich in der Geburtskirche waren. Außerdem hatten wir ein Gespräch mit einem christlichen Palästinenser, das sehr kontrovers war, weil es mal wieder darum ging, wer nun die "Urbevölkerung" des Landes sei... Später waren wir noch in einem Kloster direkt neben der Mauer, wo uns die Nonnen die Füße wuschen, was nicht nur unerwartet, sondern eine krasse Erfahrung war. Nebenbei hatte ich eine kleine Erkältung, auch wenn mir unbegreiflich ist, wo ich mir die in dieser 24/7 Sauna geholt habe. Egal...
Mittwoch bis Freitag lief dann unsere erste Vorlesung bei Professor Körner, über die islamische Eschatologie, was sehr interessant war. Wir haben hier den Vorteil, dass wir mit den Professoren auch zusammen leben, also essen, beten usw., sodass man jederzeit die Möglichkeit zu einem privaten Gespräch hat. Ich musste erstmal realisieren, wie anerkannt das Studienjahr in der Fachwelt ist, und es ist eine große Auszeichnung für einen Professor, hierher eingeladen zu werden. Da ist man umso stolzer, dabei sein zu können! Übrigens ist nicht nur die Promotionsquote des Studienjahres bei 25 %, sondern auch die Heiratsquote...
Am Donnerstag stand ich um 3:00 früh auf wegen meines Halses, was sich als sehr schön erwies, da ich nun mal die Farben der Morgenröte hierzulande beobachten konnte, bevor es in den Tag hineinging, an dem uns nicht zuletzt unsere erste Arabisch-Stunde erwartete, wo wir vor allem lernten, dass man Arabisch LAUT!!! und gern auch AGGRESSIV!! sprechen muss! Wenn zwei Araber sich hier zu streiten scheinen, haben sie eigentlich nur freundschaftlich geplaudert... Besonders das Ain, eine Art Würgelaut, ist sehr schwer zu sprechen, daher wirkt jetzt alles noch sehr fremdartig. Irgendwann werden wir dann wie der Muezzin singen können: Ashadu an la ilaha illa llah (Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott)...
Am Wochenende blieb Zeit für einige Besorgungen, und dass man sich zwischendurch mal ein bisschen entspannt. Heute Morgen war wieder sehr schöne Messe hier in der Abteikirche, zu der mich ein rätselhafter Weckruf meines Telefons erwachen ließ, dessen Urheber noch unbekannt ist... Schließlich muss ich die Ministranten beobachten, bin ich doch nun selbst fast einer! Nächsten Freitag werde ich zum ersten Mal im Einsatz sein...
Bis bald, ;)
Euer Jakob

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