Da bin ich wieder!
Letzten Dienstag waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs, die uns in Jerusalem Stätten zum Thema "Naqba" zeigte: das heißt "Katastrophe" und ist die palästinensische Bezeichnung für das, was Israel Unabhängigkeitskrieg nennt. Wir besichtigten viele Häuser, aus denen Palästinenser vertrieben wurden und erfuhren von den Verbrechen, die jeder Krieg mit sich bringt. Abends schließlich waren wir in dem Ruinendorf Lifna, wo einem schon sehr melancholisch zumute wurde. So lernt man nach und nach beide Seiten des Konfliktes besser verstehen, was unmöglich ist, wenn man sich bloß auf Vorurteile stützt: es ist nicht sinnvoll, sich vorschnell auf eine Seite zu stellen, und es gibt kein schwarz-weiß, wie im Westen viele auf die eine oder andere Art glauben.
Am Mittwoch war Simchat Tora (Freude der Tora), der Abschluss des Laubhüttenfestes, wo es sehr ausgelassen zugeht, viel gesungen und getanzt wird, während die Kinder Bonbons und Plüsch-Toras bekommen, was sehr niedlich ausschaut...
Donnerstag und Freitag hatten wir unsere von den Studenten selbst organisierten Studientage zu Themen der Ökumene, wo natürlich viel diskutiert wurde. Ich hatte mein kleines Referat am Freitag zusammen mit Andreas und Tobi, wo es um Dokumente des katholischen Ökumene-Verständnisses ging. Zwischendurch kam die nächste Getränkelieferung, um die ich mich dann auch noch kümmern musste, abgesehen davon, dass ich sowohl in der Frühmesse, als auch nachmittags in der lutherischen Erlöserkirche als Lektor tätig war: das ist doch mal Ökumene! Abends sitzt man wie so oft noch auf ein Bierchen zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen... Achja, außerdem war ich ja am Freitag noch mit ein paar Freunden in der Stadt bei einem Wohnungsausverkauf, um uns Krempel anzusehen, und schließlich war noch Fußball angesagt: ein voller Tag...
Am Samstag war ich mit Brinthi in der Stadt Pizza essen und dann haben wir die Tour auf der Stadtmauer gemacht, die einfach immer wieder lohnenswert ist. Am nächsten Morgen, sonntags, sind wir dann zur St. George Kirche in den Gottesdienst von den reformierten Schotten gegangen, was echt total schön war, weil es einfach so ein ganz schlichter und toller Gottesdienst war mit einer relativ kleinen, aber internationalen Gemeinde, hat mich ein bisschen an Zuhause erinnert.
Am nächsten Dienstag war dann wieder Tamar Avraham angesagt, die uns diesmal die jüdischen Viertel von Jerusalem näher vorstellte, um weitere Aspekte des hiesigen Konflikts zu erfahren.
Abends war dann noch ein groß angelegter Ball im Österreichischen Hospiz, zum Österreichischen Nationalfeiertag. Da bin ich eigentlich nur für das leckere Essen mitgekommen, was sich voll ausgezahlt hat...
Mittwoch hatten wir unsern Studientag mit Gil Yaron, einem Nahost-Korrespondenten, der wiederum einiges zur Israelischen Seite des Konflikts beitragen konnte, zudem hat er uns die Anfänge des Zionismus erklärt, die man ohnehin unbedingt kennen sollte. Denn die allerersten Zionisten waren evangelikale Christen, und sodann säkulare, sozialistisch geprägte Juden; religiöser Zionismus und Siedlerbewegung sind dagegen davon abgespaltene, vergleichsweise junge Bewegungen (etwa seit 1967, also seit dem Sechs-Tage-Krieg), denn den säkularen Zionismus gibt es fast hundert Jahre früher, und er war ursprünglich auch nicht speziell an Palästina interessiert: dies ist erst dadurch gekommen, dass kein Land bereit war, die Juden im eigenen Land zu dulden, noch ihnen irgendwo die Möglichkeit für einen eigenen Staat gab. Ursprünglich hatte Theodor Herzl den "Judenstaat" in einer verlassenen Gegend von Uganda geplant!
Am Donnerstag Morgen habe ich dann mit Brinthi "Urlaub" gemacht: wir sind mit dem Zug nach Akko, eine schöne Kreuzfahrer-Hafenstadt und haben dort bei "Uri Buri" ganz wunderbar Fisch gegessen. Eigentlich wollten wir noch nach Haifa, doch es war so schön in Akko, dass wir dann dort übernachteten. Heute morgen sind wir dann nach Tel Aviv bzw. Jaffa (Yafo), wo es außer der wunderschönen Altstadt und dem Meer (es ist hier immer noch sehr angenehm warm...) einen riesigen, allseits bekannten Flomarkt gibt, wo man echt Stunden zubringen kann... Irgendwann sind wir dann aber doch hierher zurück. Schließlich ist heute Bruder Josephs Geburtstag und es wurde Grillfleisch versprochen...
Aber die Erholung vom überreligiösen Jerusalem zu den entspannten Kreuzfahrerstädten und dem postmodernen Tel Aviv hat uns jedenfalls sehr, sehr gut getan!
Soweit für heute... Euer Jakob
SED:ACCESSISTIS:AD:SION:MONTEM:ET:CIVITATEM:DEI:VIVENTIS:HIERUSALEM:CAELESTEM:EBR:XII
Freitag, 28. Oktober 2011
Montag, 17. Oktober 2011
Chag Sameach!
Frohes Fest! sagt man zum Laubhütten-Fest (Succoth); es steht sogar auf den Cola-Flaschen. Succoth ist, was hier in Jerusalem grade abgeht, das heißt, die Juden wohnen in kleinen selbstgebauten Hütten, um sich an die Wanderzeit des Exodus zu erinnern: dabei wird die Stimmung immer ausgelassener, bis die Succoth-Woche in das Tora-Freudenfest mündet.
Am letzten Donnerstag waren fast alle Mönche in die "Kolonie" Tabgha in Galiläa ausgeflogen, also ein Minikloster, was eng mit dieser Gemeinschaft hier verbunden ist. Dadurch hatten wir Gelegenheit, eine Messe mal wieder selbst zu gestalten, was wir zusammen mit Pater Fröhling als zelebrierendem Priester taten. Er ist ein junger Pallottiner, der mit uns Probleme der Ökumene behandelt.
Ansonsten habe ich mir es am Wochende gutgehen lassen, mit den Leuten hier abgehangen usw. Viele kennen inzwischen auch Einheimische, was für uns schwerer ist als zum Beispiel für die Leute von "Studium in Israel", auch so eine Art Studienjahr, nur direkt an der Hebrew University, sehr viel mehr Judaistik- und Ivrit-lastig, vor allem aber wohnt man direkt in der Stadt und nicht wie wir in unserem Mikrokosmos Beit Joseph. Dafür müssen sie aber auch so ziemlich alles selbst organisieren. Jedenfalls: alles hat seine Vor- und Nachteile.
Samstag Abend war ich endlich mal in der German Colony, wo es zwar inzwischen nicht gerade viele Deutsche mehr gibt, dafür aber vieeele (gute) Restaurants und Kneipen. Zusammen mit Brinthanan war ich dort Lachs essen, was sehr gut geschmeckt hat. Dann waren wir am nächsten Morgen, sonntags, in einem ziemlich ätzenden evangelikalen Gottesdienst in der Christ Church der Anglikaner. Nach dem "Worship"-Teil, der mir persönlich schon zu platt war, kam dann eine krasse Bußpredigt, und dass wir doch alle Götzendiener seien und so weiter. Als der Pfarrer fertig damit war, sind wir gleich gegangen; ich hätte es jedenfalls keine Minute länger dort ausgehalten. Naja, aber durch solche Erfahrungen lernt man auch, seinen eigenen Standpunkt zu bestimmen.
Dementsprechend erholsam war dann heute die katholische Liturgie in der Frühmesse in Gedenken an Ignatius von Antiochien, einer der "Apostolischen Väter", also die Leute, die direkt nach den 12 Aposteln gelebt und gelehrt haben. Da er ein Märtyrer war, trug der Priester (Pater Elias) heute ein blutroten Überhang, was ehrlich gesagt echt schön aussah. Nicht ganz so schön, aber doch ungemein lustig war Susi. Susi ist neben "Garfield" eine der Katzen, die sich die Gärten des Beit Joseph teilen, und noch ziemlich klein. Da Garfield sie ständig vertreibt, ist sie wohl irgendwie in die Kirche geraten, versteckte sich während der Messe in einer Niesche und mauzte immer mal vor sich hin, und zwar bei der Lesung des Evangeliums passend nach jedem Vers. Nach der Messe ist sie dann in die Krypta geflüchtet... Bruder Josef war nicht sonderlich begeistert ;)
Ansonsten hatte ich heute ziemliche Kopfschmerzen und habe deshalb sowohl den Ivritunterricht verpasst als auch den Besuch in einer der sefardischen (spanisch-jüdischen) Yeshivas (Talmud-Schulen) in der Nachbarschaft, und blieb auch abends hier. Dafür habe ich wieder Zeit, hier etwas reinzuschreiben, und bedanke mich bei der treuen Leserschaft für die Aufmerksamkeit!
Bis demnächst,
Euer Jakob
Am letzten Donnerstag waren fast alle Mönche in die "Kolonie" Tabgha in Galiläa ausgeflogen, also ein Minikloster, was eng mit dieser Gemeinschaft hier verbunden ist. Dadurch hatten wir Gelegenheit, eine Messe mal wieder selbst zu gestalten, was wir zusammen mit Pater Fröhling als zelebrierendem Priester taten. Er ist ein junger Pallottiner, der mit uns Probleme der Ökumene behandelt.
Ansonsten habe ich mir es am Wochende gutgehen lassen, mit den Leuten hier abgehangen usw. Viele kennen inzwischen auch Einheimische, was für uns schwerer ist als zum Beispiel für die Leute von "Studium in Israel", auch so eine Art Studienjahr, nur direkt an der Hebrew University, sehr viel mehr Judaistik- und Ivrit-lastig, vor allem aber wohnt man direkt in der Stadt und nicht wie wir in unserem Mikrokosmos Beit Joseph. Dafür müssen sie aber auch so ziemlich alles selbst organisieren. Jedenfalls: alles hat seine Vor- und Nachteile.
Samstag Abend war ich endlich mal in der German Colony, wo es zwar inzwischen nicht gerade viele Deutsche mehr gibt, dafür aber vieeele (gute) Restaurants und Kneipen. Zusammen mit Brinthanan war ich dort Lachs essen, was sehr gut geschmeckt hat. Dann waren wir am nächsten Morgen, sonntags, in einem ziemlich ätzenden evangelikalen Gottesdienst in der Christ Church der Anglikaner. Nach dem "Worship"-Teil, der mir persönlich schon zu platt war, kam dann eine krasse Bußpredigt, und dass wir doch alle Götzendiener seien und so weiter. Als der Pfarrer fertig damit war, sind wir gleich gegangen; ich hätte es jedenfalls keine Minute länger dort ausgehalten. Naja, aber durch solche Erfahrungen lernt man auch, seinen eigenen Standpunkt zu bestimmen.
Dementsprechend erholsam war dann heute die katholische Liturgie in der Frühmesse in Gedenken an Ignatius von Antiochien, einer der "Apostolischen Väter", also die Leute, die direkt nach den 12 Aposteln gelebt und gelehrt haben. Da er ein Märtyrer war, trug der Priester (Pater Elias) heute ein blutroten Überhang, was ehrlich gesagt echt schön aussah. Nicht ganz so schön, aber doch ungemein lustig war Susi. Susi ist neben "Garfield" eine der Katzen, die sich die Gärten des Beit Joseph teilen, und noch ziemlich klein. Da Garfield sie ständig vertreibt, ist sie wohl irgendwie in die Kirche geraten, versteckte sich während der Messe in einer Niesche und mauzte immer mal vor sich hin, und zwar bei der Lesung des Evangeliums passend nach jedem Vers. Nach der Messe ist sie dann in die Krypta geflüchtet... Bruder Josef war nicht sonderlich begeistert ;)
Ansonsten hatte ich heute ziemliche Kopfschmerzen und habe deshalb sowohl den Ivritunterricht verpasst als auch den Besuch in einer der sefardischen (spanisch-jüdischen) Yeshivas (Talmud-Schulen) in der Nachbarschaft, und blieb auch abends hier. Dafür habe ich wieder Zeit, hier etwas reinzuschreiben, und bedanke mich bei der treuen Leserschaft für die Aufmerksamkeit!
Bis demnächst,
Euer Jakob
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Irreconcilable Differences
"Unauflösbare Unterschiede" sind laut Mr. Isaacs, Dozent in unserer Ringvorlesung zum Verständnis des Judentums, in allen Diskussionen nicht nur faktisch da, sondern auch zu bejahen. Aber dies geht über das Feld des Judentums noch hinaus: Ist es wirklich so, wie man in den westlichen Traditionen (im Gegensatz beispielsweise zum in sich so differenten Judentum) wirklich nötig, in allen Punkten Einigung zu erzielen um jeden Preis? Denn die Frage ist doch: Warum können wir nicht einfach damit leben, dass andere Menschen andere Ansichten haben? Kompromisslösungen sind daher oft nur ein anderer Ausdruck unserer Unfähigkeit mit anderen Anschauungen klarzukommen (Stichwort: Ökumene)...
Aber hier ist nicht der Ort, darüber zu philosophieren... Letzten Mittwoch hatten wir abends unser mönchsmäßiges Schweigeessen. Als dieser Vorschlag eingereicht wurde, habe ich mich fast als einziger offen dagegen ausgesprochen, da mir das zu unentspannt ist... als es aber soweit war, wollte ich dann zumindest Lektor sein! Somit begann ich abends, den Anfang von Josef und seinen Brüdern (Thomas Mann) vorzulesen...
An unseren ziemlich vollgepackten Tagen hatte ich dann am Donnerstag und Freitag noch die ersten Prüfungen in AT und Systematischer Theologie, schriftlich und mündlich; sie sind soweit ganz gut gelaufen. In der AT-Prüfung ging es um Psalm 88, den wir historisch-kritisch beleuchten mussten. Bei der Systematik ging es darum, inwieweit christliche Eschatologie-Vorstellungen heute anthropologisch aufgelöst werden können (wobei ich mich persönlich frage, ob dies nötig ist - denn die biblischen Bilder sind poetische Bilder aus dem alten Orient, ist es nötig, unseren Zwang nach Systematisierung ihnen aufzunötigen, statt sie in ihrer intuitiven Kraft sprechen zu lassen? aber ich schweife mal wieder ab...)
Am Samstag war Yom Kippur. Selbst wenn man dies nicht weiß, merkt man es spätestens, wenn man morgens vor die Tür tritt, und zwar an dem, was nicht da ist: Lärm. Die ganze Stadt ist in eine fast gespenstische Ruhe gesenkt, kein Auto fährt usw., während man sich in den Synagogen zum Gebet sammelt, um schließlich abends die Versöhnung mit Gott zu feiern.
Sonntags war bei uns in der Abteikirche wieder eine feierliche Messe, diesmal zur Profess von Pater Zacharias, das heißt, dass er endgültig in den Mönchsstand eintritt. Er hat eigentlich schon ein ganzes Leben als Pastor in verschiedenen Orten hinter sich, und hat dennoch noch einmal die Koffer gepackt, um hier im heiligen Land Mönch zu werden.
Gestern schließlich waren wir zu Besuch an der Hebrew University auf dem Mt. Scopus, wo wir auch einige Veranstaltungen hatten und uns allgemein das Gelände ansahen. Am Morgen sind wir zu Fuß hoch, abends mit dem Bus zurück, da es nach wie vor nicht ratsam ist, nach Sonnenuntergang durch arabische Viertel zu laufen...
Bis demnächst,
Euer Jakob!
Aber hier ist nicht der Ort, darüber zu philosophieren... Letzten Mittwoch hatten wir abends unser mönchsmäßiges Schweigeessen. Als dieser Vorschlag eingereicht wurde, habe ich mich fast als einziger offen dagegen ausgesprochen, da mir das zu unentspannt ist... als es aber soweit war, wollte ich dann zumindest Lektor sein! Somit begann ich abends, den Anfang von Josef und seinen Brüdern (Thomas Mann) vorzulesen...
An unseren ziemlich vollgepackten Tagen hatte ich dann am Donnerstag und Freitag noch die ersten Prüfungen in AT und Systematischer Theologie, schriftlich und mündlich; sie sind soweit ganz gut gelaufen. In der AT-Prüfung ging es um Psalm 88, den wir historisch-kritisch beleuchten mussten. Bei der Systematik ging es darum, inwieweit christliche Eschatologie-Vorstellungen heute anthropologisch aufgelöst werden können (wobei ich mich persönlich frage, ob dies nötig ist - denn die biblischen Bilder sind poetische Bilder aus dem alten Orient, ist es nötig, unseren Zwang nach Systematisierung ihnen aufzunötigen, statt sie in ihrer intuitiven Kraft sprechen zu lassen? aber ich schweife mal wieder ab...)
Am Samstag war Yom Kippur. Selbst wenn man dies nicht weiß, merkt man es spätestens, wenn man morgens vor die Tür tritt, und zwar an dem, was nicht da ist: Lärm. Die ganze Stadt ist in eine fast gespenstische Ruhe gesenkt, kein Auto fährt usw., während man sich in den Synagogen zum Gebet sammelt, um schließlich abends die Versöhnung mit Gott zu feiern.
Sonntags war bei uns in der Abteikirche wieder eine feierliche Messe, diesmal zur Profess von Pater Zacharias, das heißt, dass er endgültig in den Mönchsstand eintritt. Er hat eigentlich schon ein ganzes Leben als Pastor in verschiedenen Orten hinter sich, und hat dennoch noch einmal die Koffer gepackt, um hier im heiligen Land Mönch zu werden.
Gestern schließlich waren wir zu Besuch an der Hebrew University auf dem Mt. Scopus, wo wir auch einige Veranstaltungen hatten und uns allgemein das Gelände ansahen. Am Morgen sind wir zu Fuß hoch, abends mit dem Bus zurück, da es nach wie vor nicht ratsam ist, nach Sonnenuntergang durch arabische Viertel zu laufen...
Bis demnächst,
Euer Jakob!
Dienstag, 4. Oktober 2011
Habemus... öhm... Abt!
"Wir haben einen... Abt!" Hatten wir auch schon vorher, aber nun wurde Gregory Collins aus Irland offiziell in einer großartigen Benediktionsfeier vom Bischof in sein Amt eingesetzt. Das war mal Katholizismus pur. Zwischendurch musste sich der arme Gregory zu Füßen des Bischofsthrones komplett hinlegen mit dem Gesicht nach unten, während eine gefühlte halbe Stunde alle möglichen Engel und Heiligen um ihren Beistand angerufen wurden.
Doch zunächst gab es letzten Donnerstag erstmal einen jüdischen Feiertag mitzuerleben: Rosh haShana, was "der Erste oder das Haupt des Jahres", also soviel wie Neujahr bedeutet, das für die Juden somit im Herbst beginnt. Dabei haben wir den Freudentänzen an der Klagemauer und einem Gottesdienst in einer Synagoge beiwohnen dürfen (also nicht alle zusammen, man hatte den Tag frei, und jeder ist so mit zwei, drei anderen losgezogen - es gibt hier ja genügend Synagogen zur Auswahl).
Heute wiederum hatten wir ein ernsteres Thema auf dem Plan, den Besuch in der Gedenkstätte Yad vaShem, das bedeutet wörtlich "Hand" (bzw. "Denkmal") und "Name". Dies ist einem Vers des Propheten Jesaja entnommen und bedeutet, dass hier den sechs Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors im Deutschland unter Hitler gedacht werden soll, und man versucht auch, diese anonyme Zahl durch Einzelgeschichten und eben Namen erkennbar zu machen, da sonst nicht deutlich wird, welches ungekannte Ausmaß an geradezu industriell organisiertem Mord an Unschuldigen und welche Zerstörung von Kultur hier systematisch vorgenommen wurde. Obwohl ich persönlich natürlich nicht schuldig bin, geht man doch mit einem sehr schwierigen Gefühl aus dieser Stätte heraus, besonders als Deutscher. In jedem Falle haben wir eine Verantwortung für die Zukunft, und wir sollten sehr hellhörig sein, wenn man in Deutschland und anderen Ländern wieder anfängt, Minderheiten pauschal abzustempeln und Angstmache zu betreiben.
"Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unermesslichem Leid."
Aber "Liebe zu den Menschen treibt die Angst aus." (1. Joh. 4,18)
Bis demnächst, Euer Jakob
Doch zunächst gab es letzten Donnerstag erstmal einen jüdischen Feiertag mitzuerleben: Rosh haShana, was "der Erste oder das Haupt des Jahres", also soviel wie Neujahr bedeutet, das für die Juden somit im Herbst beginnt. Dabei haben wir den Freudentänzen an der Klagemauer und einem Gottesdienst in einer Synagoge beiwohnen dürfen (also nicht alle zusammen, man hatte den Tag frei, und jeder ist so mit zwei, drei anderen losgezogen - es gibt hier ja genügend Synagogen zur Auswahl).
Heute wiederum hatten wir ein ernsteres Thema auf dem Plan, den Besuch in der Gedenkstätte Yad vaShem, das bedeutet wörtlich "Hand" (bzw. "Denkmal") und "Name". Dies ist einem Vers des Propheten Jesaja entnommen und bedeutet, dass hier den sechs Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors im Deutschland unter Hitler gedacht werden soll, und man versucht auch, diese anonyme Zahl durch Einzelgeschichten und eben Namen erkennbar zu machen, da sonst nicht deutlich wird, welches ungekannte Ausmaß an geradezu industriell organisiertem Mord an Unschuldigen und welche Zerstörung von Kultur hier systematisch vorgenommen wurde. Obwohl ich persönlich natürlich nicht schuldig bin, geht man doch mit einem sehr schwierigen Gefühl aus dieser Stätte heraus, besonders als Deutscher. In jedem Falle haben wir eine Verantwortung für die Zukunft, und wir sollten sehr hellhörig sein, wenn man in Deutschland und anderen Ländern wieder anfängt, Minderheiten pauschal abzustempeln und Angstmache zu betreiben.
"Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unermesslichem Leid."
Aber "Liebe zu den Menschen treibt die Angst aus." (1. Joh. 4,18)
Bis demnächst, Euer Jakob
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