"Tel Aviv" wurde einmal mehr von uns besucht, diesmal mit dem gesamten Studienjahr. Obwohl die Stadt ziemlich grau und riesig aussieht auf den ersten Blick, ist es doch eine gute Stadt zum leben, wenn man sie näher kennenlernt.
Zunächst durften wir diese Woche den großen Ägyptologen Jan Assmann hören in seiner Vorlesung "Eschatologie im Alten Ägypten", darüber hinaus Ruben Zimmermann, dessen Vorlesung über das Johannesevangelium ebenfalls sehr interessant ist. Am Montag war ich dann noch mit Andreas und Brinthi im Keshet haHurva, einem kleinen, netten Restaurant nahe der Hurva-Synagoge. Keshet heißt Bogen, weil über lange Zeit nur noch ein Bogen der Hurva-Synagoge stand, bevor sie in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut wurde. Ebenso interessant war die Synagoge auf dem Campus der Uni in Tel Aviv gebaut. Moderne Architektur kann eben doch manchmal ansprechend sein...
Letzten Dienstag sind wir einmal mehr mit Tamar Avraham unterwegs gewesen, diesmal sind wir in die nördliche Westbank gefahren und haben uns dort einige national-religiöse Siedlungen angesehen (man unterscheide ultra-orthodox und national-religiös!!).
Am Mittwoch Abend hatten wir einen Gastvortrag von Benjamin Berger über messianische Gemeinden. Die messianischen Juden sind Juden, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, sich aber mit der Geschichte der Christenheit schwerlich identifizieren können, und sich daher nicht Christen nennen, auch wenn sie in engen Kontakt mit anderen Christen stehen und selbst auch die grundlegenden Dogmen (wie die Trinität) und Sakramente (Taufe und Abendmahl) teilen. Daneben leben sie in unterschiedlicher Weise ihre jüdischen Wurzeln weiter, indem sie manche Gesetze der Tora weiter befolgen. Vor allem aber sind sie sehr charismatisch (also auf Geistesgaben ausgerichtet, mit sehr freien Gottesdienstformen) und auch missionarisch aktiv. Ich fand den Vortrag total spannend.
Donnerstags besuchte ich mit Andreas noch den ominösen Bible Hill, was einfach ein unbebauter Hügel dem Zion gegenüber ist - ein nettes Fleckchen. Ein Spaziergang in den Parks unterhalb des King David Hotels lohnt sich immer.
Nach einem ebenso entspannenden Wochenende waren wir also gestern (Dienstag) in Tel Aviv. Dort hatten wir nach einer kleinen Stadtführung ein sehr interessantes Treffen mit dem deutschen Botschafter, der uns vieles über die politischen Umstände und Taktierereien im Nahen Osten berichten konnte. Nach einer Mittagspause auf dem Campus der örtlichen Uni hatten wir eine ebenso spannende Führung im Archäologischen Institut, bevor in Jafo zu Abend aßen und wieder zurückfuhren. Die Führung im Institut war von Alexander Fantalkin. Er vertrat den großen Archäologen Israel Finkelstein, wobei er sagte: "It's difficult, I mean, there's only one Finkelstein. But there's only one Fantalkin, too." (Es ist schwierig, denn es gibt nur einen Finkelstein. Aber es gibt auch nur einen Fantalkin!) Er ist wirklich eine sehr fähige (und sehr humorvolle) Person.
Joa, mehr gibts im Moment nicht zu sagen: Auf uns wartet ein langes Wochenende, in dem einige nach Jordanien fahren werden. Ich werde mit einigen andern hier bleiben und einfach Jerusalem noch etwas genießen. :)
Bis dann, Euer Jakob
SED:ACCESSISTIS:AD:SION:MONTEM:ET:CIVITATEM:DEI:VIVENTIS:HIERUSALEM:CAELESTEM:EBR:XII
Mittwoch, 29. Februar 2012
Samstag, 18. Februar 2012
Bilder zur Kreuzfahrt
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| Stefan und ich am Labern in Ramla |
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| Andreas mit... hypnotisierendem Blick |
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| Weihnachtsikone in Lydda |
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| Jakob am chillen mal wieder |
| die olle Festung nahe der Herberge des Barmherzigen Samariters |
| Montfort |
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| Schlucht hinter Montfort |
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| Wandelnd im Drusenheiligtum Nevi Shu'eib |
| Imperator Saladin kehrt siegreich von den Hörnern von Hattin zurück |
| Brinthanan |
| zwei alte Männer und das Meer (Andreas und ich) |
| Lächeln fällt schwer bei diesem Sauwetter |
Ein Kreuzzug
war es zum Glück nicht diese Woche, aber eine wunderschöne Kreuzfahrer-Exkursion! Aber eins nach dem andern.
Zunächstmal hatten wir vorletzten Freitag unseren Ausflug in das sehr lohnenswerte Israel-Museum, wo wir eine Führung bekamen. Dort gibt es wirklich immer etwas zu sehen, sei es Kunst, oder Archäologie oder Artefakte der religiös-jüdischen Kultur. Am Wochenende probten wir noch ein, zwei Mal unser Theaterstück, bevor es am Montag losging.
Wir fuhren zuerst nach Ramla, wo es eine Moschee zu sehen gab, die einmal eine Kreuzfahrer-Kirche war. In der Stadt fanden wir (Brinthanan und ich) auch noch eine Jesuiten-Kirche, wo wir nach einigem Suchen und Klingeln auch reinkamen. Tja, wer anklopft, dem wird aufgetan. Danach ging es nach Lydda in eine (heute) griechisch-orthodoxe Kirche mit prunkvoller Ausstattung. Den Mittag verbrachten wir im Sonnenschein in der schönen Anlage von Latrun (frz. Le Toron). Dort gibt es ein Trappistenkloster. Trappisten sind im Prinzip auch Benediktiner. Denn von den Benediktiner spalteten sich einstmals die Zisterzienser ab, ein Reformorden, welcher die Benedikt-Regel wieder strenger halten wollte. Von denen wiederum gab es noch einmal eine strengere Abspaltung, und das sind die Trappisten (die Härtesten sind natürlich immer noch die Kartäuser, die aber eine eigene Mönchsregel haben). Neben diesem Kloster gibt es eine ökumenische Brüdergemeinschaft, die Jesus-Bruderschaft, in der man zölibatär oder als Familie leben kann. Alles in allem jedenfalls ein wunderschönes Gelände, wo nebendran unter dem unglaublich frischen Grün, das sich uns noch öfter hier im Frühling (!) zeigen sollte, noch eine alte Kreuzfahrer-Ruine zu besichtigen war. Aber noch war unser Tag nicht abgeschlossen. Wir fuhren noch nach Emmaus Nikopolis, also einer der vielen Orte, die als das biblische Emmaus vorgeschlagen werden, wo Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern auf Wanderschaft begegnet ist. Dort hatte eine Karmeliterinnen-Schwester (von dem Kloster, wo wir vor ein paar Wochen zudritt waren) durch eine Vision ihre Mitschwestern hingeführt, und tatsächlich fand man eine große Kirchenruine unter der bezeigten Stelle. Deshalb gibt es hier inzwischen auch win Schwesternkloster. Die Schwester hieß "Maria von Jesus dem Gekreuzigten" und wurde bereits selig gesprochen. Nach diesem wunderschönen, aber auch anstrengenden Tag gönnte ich mir mit Brinthanan noch ein Gläschen Arak, bevor es in die Heia ging. Diesmal schliefen wir noch in Jerusalem, die nächsten Nächte waren wir wieder in Tabgha in Galiläa untergebracht.
Am Dienstag besuchten wir zunächst die sog. Herberge des Barmherzigen Samariters, also eine Kirchenruine, die der Tradition nach an der Stelle steht, wo die Herberge stand, die in dem berühmten Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter erwähnt ist (der auf "der Straße hinab nach Jericho" wanderte). Nebenan gab es auch ein interessantes Mosaik-Museum. Dort war auch eine olle Kanzel aufgestellt, mit zugehöriger Treppe, die ich natürlich sofort besteigen musste, worauf wie aus der Pistole geschossen ein Wachmann aus einem Megaphon an der Wand irgendetwas Unverständliches brüllte... Big Brother is watching you. :D Danach jedenfalls kamen wir zur Burg Belvoir, wo Tobias Jammerthal (Kommilitone und Pfarrerssohn) uns führte. Nebst dieser Bilderbuch-Burgruine gab es noch einen scheußlichen Kunstpark, der zumindest gut genug war, im Schatten dieser "Werke" ein Mittagsschläfchen zu ermöglichen. Als nächstes wanderten wir zur Ankerkirche (Ruine), auf einem Hügel, von dem man über Tiberias und den See Genezareth blicken kann. Die Kirche heißt deshalb so, weil dort ein merkwürdiger Ankerstein gefunden wurde (sicherlich heilig). Dann fuhren wir zu unserem Quartier nach Tabgha, wo wir nun also wieder zu Gast waren, und wo ich auch gleich die Vesper besuchte.
Mittwochs ging es zunächst nach Baram, wo eine antike Synagoge zu finden ist und daneben ein neuzeitliches, ehemals christliches, von den frühen Zionisten zerstörtes Dorf. Ich las einen Augenzeugenbericht von der Vertreibung vor, bevor wir durch das Ruinenfeld wanderten. Davon waren alle ziemlich mitgenommen. Daraufhin fuhren wir nach zu der Klippe Rosh haNiqra (wir berichteten), wo ich mit Brinthanan nur einen Milchshake trank, da wir uns das ja schon angesehen hatten. Danach kam ein wahrer Höhepunkt: Die Kreuzfahrerburg Montfort. Zunächst kamen wir auf der anderen Seite des Tales an, in das wir dann hinabwanderten, den kleinen Fluss an einer flachen Stelle überquerten, bevor wir eine eingefallene mittelalterliche Mühle der Kreuzfahrer sahen. Dieser Ort war unglaublich verwunschen, überall alte Steine und Bögen mit Bäumen und Pflanzen überwachsen, und dennoch waren noch einige Räume und Gänge zugänglich. Nun folgte der Aufstieg zur eigentlichen Burg, an der es sich wunderbar klettern lässt, und die sich einige Stufen am Fels nach obenhin entlangzieht. Auf der anderen Seite hinaufgekraxelt, erwartete uns der Bus, mit dem wir nach Tabgha zurückfuhren. Dort gab es eine leckere Linsensuppe mit Würstchen und Apfeltasche als Nachtisch, alles von Dominique gekocht... mmmh. Am See hielt Nancy noch eine Abendandacht. Und dann gab es zuallerletzt noch die Nachtwanderung nach El Minye, einem alten orientalischen Palast.
Am Donnerstag ging es nach Tsfat, wo uns nach einigen Synagogen auch endlich der befürchtete Regen einholte, der ja bekanntermaßen in Israel ganz oder gar nicht fällt, d.h. wenn es regnet, dann aus Kübeln, und zwar tagelang. Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Wir besuchten nach dem Mittag das Drusenheiligtum Nevi Shueib. Die Drusen sind eine kleine Volksgruppe, die sich vom Islam abgespalten hat und in diesem Heiligtum den Schwiegervater des Mose, Jithro, verehrt. Dann wanderten wir weiter zu den Hörnern von Hattin, wo unser Theaterstück stattfinden sollte, und wie ein Zeichen des Himmels klarte derselbe völlig auf und schenkte uns reichlich Sonnenschein trotz einer Menge Wind. Das Stück hat Johannes geschrieben und es geht im Wesentlichen um die Niederlage der Kreuzfahrer gegen Saladin. Die Hauptrolle hatte Nancy als ruchloser Kreuzritter-Hauptmann Raynald v. Chatillon inne, während ich als Saladin mehr ein zweiter Erzähler war. Immerhin musste ich Nancy in der letzten Szene den Kopf abschlagen... ;) Aber es würde zu lang, das ganze Drama und jeden Teilnehmer jetzt nachzuerzählen, es ging immerhin fast ne Dreiviertelstunde. Jedenfalls war es ein großer Spaß, was nicht zuletzt daran lag, dass unsere Autorität als mutige Kreuzritter bzw. Muselmanen-Krieger immer wieder durch ein Minenfeld von Kuhfladen beeinträchtigt wurde, in die wir im sprichwörtlichen Eifer des Gefechts ständig reintraten. - Diesen Abend gab es Kürbissuppe und Kaiserschmarrn von Nancy, sehr lecker!
Freitags, am letzten Tag der Exkursion, führte uns der Weg einmal mehr nach Akko, wo wir allerdings viel Neues sahen (ich war ja mit Brinthanan und Andreas bereits zweimal dort gewesen). Zunächst wurden wir nämlich in die Bahai-Gärten dort in der Nähe geführt, wo deren Prophet Bahaullah begraben liegt. Dieser hatte den Eindruck, es müsste nach Mohammed mal ein neuer Offenbarer drankommen, den er in der eigenen Person erblickte. Bei einem ziemlich enttäuschenden Abschlussgespräch über ihren Glauben offenbarte sich diese weitere Abspaltung vom Islam als eine extrem tolerante, aber leider auch ziemlich oberflächliche Wohlstandsreligion, in der existentielle menschliche Dimensionen wie Angst und Schuld offenbar kaum einen Platz finden. Und es ist immer die Frage, ob man wirklich respektvoller ist, wenn man alle Religionsstifter in eine gleichwertige Reihe stellt und auf ein paar ethische Grundsätze reduziert, statt ehrlicherweise ihre Andersheit zu akzeptieren. Bei solch einer Toleranz des kleinsten gemeinsamen Nenners würde ich mich jedenfalls nicht ernst genommen fühlen (siehe auch Ökumene). Dennoch ist das moralische und gesellschaftliche Engagement vieler Bahai natürlich lobenswert (ebenso wie ihre akkurat angelegten Gärten).
Zum Mittag konnten wir es uns natürlich nicht verkneifen, ein letztes Mal bei Uri Buri einzukehren... Aber wie immer bei solchen Restaurants, bleibt doch nur das erste Mal wirklich unvergesslich. Am Nachmittag erwartete uns eine Führung von Stefan, der uns die mittelalterlichen Anlagen des Johanniter-Ordens und einen dazugehörigen unterirdischen Tunnel präsentierte.
Danach ging es auf eine lange, gemütliche Heimfahrt zurück ins regnerische und sturmgepeitschte Jerusalem... heute morgen scheint aber schon wieder die Sonne.
So weit erstmal! Kaum mehr als ein Monat bleibt uns hier noch, und die ersten Pläne und Vorbereitungen haben schon begonnen, wenn wir wieder (in alle Welt) auseinandergehen. Aber noch ist es ja nicht soweit.
Euer Jakob
Zunächstmal hatten wir vorletzten Freitag unseren Ausflug in das sehr lohnenswerte Israel-Museum, wo wir eine Führung bekamen. Dort gibt es wirklich immer etwas zu sehen, sei es Kunst, oder Archäologie oder Artefakte der religiös-jüdischen Kultur. Am Wochenende probten wir noch ein, zwei Mal unser Theaterstück, bevor es am Montag losging.
Wir fuhren zuerst nach Ramla, wo es eine Moschee zu sehen gab, die einmal eine Kreuzfahrer-Kirche war. In der Stadt fanden wir (Brinthanan und ich) auch noch eine Jesuiten-Kirche, wo wir nach einigem Suchen und Klingeln auch reinkamen. Tja, wer anklopft, dem wird aufgetan. Danach ging es nach Lydda in eine (heute) griechisch-orthodoxe Kirche mit prunkvoller Ausstattung. Den Mittag verbrachten wir im Sonnenschein in der schönen Anlage von Latrun (frz. Le Toron). Dort gibt es ein Trappistenkloster. Trappisten sind im Prinzip auch Benediktiner. Denn von den Benediktiner spalteten sich einstmals die Zisterzienser ab, ein Reformorden, welcher die Benedikt-Regel wieder strenger halten wollte. Von denen wiederum gab es noch einmal eine strengere Abspaltung, und das sind die Trappisten (die Härtesten sind natürlich immer noch die Kartäuser, die aber eine eigene Mönchsregel haben). Neben diesem Kloster gibt es eine ökumenische Brüdergemeinschaft, die Jesus-Bruderschaft, in der man zölibatär oder als Familie leben kann. Alles in allem jedenfalls ein wunderschönes Gelände, wo nebendran unter dem unglaublich frischen Grün, das sich uns noch öfter hier im Frühling (!) zeigen sollte, noch eine alte Kreuzfahrer-Ruine zu besichtigen war. Aber noch war unser Tag nicht abgeschlossen. Wir fuhren noch nach Emmaus Nikopolis, also einer der vielen Orte, die als das biblische Emmaus vorgeschlagen werden, wo Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern auf Wanderschaft begegnet ist. Dort hatte eine Karmeliterinnen-Schwester (von dem Kloster, wo wir vor ein paar Wochen zudritt waren) durch eine Vision ihre Mitschwestern hingeführt, und tatsächlich fand man eine große Kirchenruine unter der bezeigten Stelle. Deshalb gibt es hier inzwischen auch win Schwesternkloster. Die Schwester hieß "Maria von Jesus dem Gekreuzigten" und wurde bereits selig gesprochen. Nach diesem wunderschönen, aber auch anstrengenden Tag gönnte ich mir mit Brinthanan noch ein Gläschen Arak, bevor es in die Heia ging. Diesmal schliefen wir noch in Jerusalem, die nächsten Nächte waren wir wieder in Tabgha in Galiläa untergebracht.
Am Dienstag besuchten wir zunächst die sog. Herberge des Barmherzigen Samariters, also eine Kirchenruine, die der Tradition nach an der Stelle steht, wo die Herberge stand, die in dem berühmten Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter erwähnt ist (der auf "der Straße hinab nach Jericho" wanderte). Nebenan gab es auch ein interessantes Mosaik-Museum. Dort war auch eine olle Kanzel aufgestellt, mit zugehöriger Treppe, die ich natürlich sofort besteigen musste, worauf wie aus der Pistole geschossen ein Wachmann aus einem Megaphon an der Wand irgendetwas Unverständliches brüllte... Big Brother is watching you. :D Danach jedenfalls kamen wir zur Burg Belvoir, wo Tobias Jammerthal (Kommilitone und Pfarrerssohn) uns führte. Nebst dieser Bilderbuch-Burgruine gab es noch einen scheußlichen Kunstpark, der zumindest gut genug war, im Schatten dieser "Werke" ein Mittagsschläfchen zu ermöglichen. Als nächstes wanderten wir zur Ankerkirche (Ruine), auf einem Hügel, von dem man über Tiberias und den See Genezareth blicken kann. Die Kirche heißt deshalb so, weil dort ein merkwürdiger Ankerstein gefunden wurde (sicherlich heilig). Dann fuhren wir zu unserem Quartier nach Tabgha, wo wir nun also wieder zu Gast waren, und wo ich auch gleich die Vesper besuchte.
Mittwochs ging es zunächst nach Baram, wo eine antike Synagoge zu finden ist und daneben ein neuzeitliches, ehemals christliches, von den frühen Zionisten zerstörtes Dorf. Ich las einen Augenzeugenbericht von der Vertreibung vor, bevor wir durch das Ruinenfeld wanderten. Davon waren alle ziemlich mitgenommen. Daraufhin fuhren wir nach zu der Klippe Rosh haNiqra (wir berichteten), wo ich mit Brinthanan nur einen Milchshake trank, da wir uns das ja schon angesehen hatten. Danach kam ein wahrer Höhepunkt: Die Kreuzfahrerburg Montfort. Zunächst kamen wir auf der anderen Seite des Tales an, in das wir dann hinabwanderten, den kleinen Fluss an einer flachen Stelle überquerten, bevor wir eine eingefallene mittelalterliche Mühle der Kreuzfahrer sahen. Dieser Ort war unglaublich verwunschen, überall alte Steine und Bögen mit Bäumen und Pflanzen überwachsen, und dennoch waren noch einige Räume und Gänge zugänglich. Nun folgte der Aufstieg zur eigentlichen Burg, an der es sich wunderbar klettern lässt, und die sich einige Stufen am Fels nach obenhin entlangzieht. Auf der anderen Seite hinaufgekraxelt, erwartete uns der Bus, mit dem wir nach Tabgha zurückfuhren. Dort gab es eine leckere Linsensuppe mit Würstchen und Apfeltasche als Nachtisch, alles von Dominique gekocht... mmmh. Am See hielt Nancy noch eine Abendandacht. Und dann gab es zuallerletzt noch die Nachtwanderung nach El Minye, einem alten orientalischen Palast.
Am Donnerstag ging es nach Tsfat, wo uns nach einigen Synagogen auch endlich der befürchtete Regen einholte, der ja bekanntermaßen in Israel ganz oder gar nicht fällt, d.h. wenn es regnet, dann aus Kübeln, und zwar tagelang. Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Wir besuchten nach dem Mittag das Drusenheiligtum Nevi Shueib. Die Drusen sind eine kleine Volksgruppe, die sich vom Islam abgespalten hat und in diesem Heiligtum den Schwiegervater des Mose, Jithro, verehrt. Dann wanderten wir weiter zu den Hörnern von Hattin, wo unser Theaterstück stattfinden sollte, und wie ein Zeichen des Himmels klarte derselbe völlig auf und schenkte uns reichlich Sonnenschein trotz einer Menge Wind. Das Stück hat Johannes geschrieben und es geht im Wesentlichen um die Niederlage der Kreuzfahrer gegen Saladin. Die Hauptrolle hatte Nancy als ruchloser Kreuzritter-Hauptmann Raynald v. Chatillon inne, während ich als Saladin mehr ein zweiter Erzähler war. Immerhin musste ich Nancy in der letzten Szene den Kopf abschlagen... ;) Aber es würde zu lang, das ganze Drama und jeden Teilnehmer jetzt nachzuerzählen, es ging immerhin fast ne Dreiviertelstunde. Jedenfalls war es ein großer Spaß, was nicht zuletzt daran lag, dass unsere Autorität als mutige Kreuzritter bzw. Muselmanen-Krieger immer wieder durch ein Minenfeld von Kuhfladen beeinträchtigt wurde, in die wir im sprichwörtlichen Eifer des Gefechts ständig reintraten. - Diesen Abend gab es Kürbissuppe und Kaiserschmarrn von Nancy, sehr lecker!
Freitags, am letzten Tag der Exkursion, führte uns der Weg einmal mehr nach Akko, wo wir allerdings viel Neues sahen (ich war ja mit Brinthanan und Andreas bereits zweimal dort gewesen). Zunächst wurden wir nämlich in die Bahai-Gärten dort in der Nähe geführt, wo deren Prophet Bahaullah begraben liegt. Dieser hatte den Eindruck, es müsste nach Mohammed mal ein neuer Offenbarer drankommen, den er in der eigenen Person erblickte. Bei einem ziemlich enttäuschenden Abschlussgespräch über ihren Glauben offenbarte sich diese weitere Abspaltung vom Islam als eine extrem tolerante, aber leider auch ziemlich oberflächliche Wohlstandsreligion, in der existentielle menschliche Dimensionen wie Angst und Schuld offenbar kaum einen Platz finden. Und es ist immer die Frage, ob man wirklich respektvoller ist, wenn man alle Religionsstifter in eine gleichwertige Reihe stellt und auf ein paar ethische Grundsätze reduziert, statt ehrlicherweise ihre Andersheit zu akzeptieren. Bei solch einer Toleranz des kleinsten gemeinsamen Nenners würde ich mich jedenfalls nicht ernst genommen fühlen (siehe auch Ökumene). Dennoch ist das moralische und gesellschaftliche Engagement vieler Bahai natürlich lobenswert (ebenso wie ihre akkurat angelegten Gärten).
Zum Mittag konnten wir es uns natürlich nicht verkneifen, ein letztes Mal bei Uri Buri einzukehren... Aber wie immer bei solchen Restaurants, bleibt doch nur das erste Mal wirklich unvergesslich. Am Nachmittag erwartete uns eine Führung von Stefan, der uns die mittelalterlichen Anlagen des Johanniter-Ordens und einen dazugehörigen unterirdischen Tunnel präsentierte.
Danach ging es auf eine lange, gemütliche Heimfahrt zurück ins regnerische und sturmgepeitschte Jerusalem... heute morgen scheint aber schon wieder die Sonne.
So weit erstmal! Kaum mehr als ein Monat bleibt uns hier noch, und die ersten Pläne und Vorbereitungen haben schon begonnen, wenn wir wieder (in alle Welt) auseinandergehen. Aber noch ist es ja nicht soweit.
Euer Jakob
Sonntag, 5. Februar 2012
William und Kate
...wurden von der Hand getraut, die ich letzten Mittwoch Abend schütteln durfte: Der Erzbischof von Canterbury, höchster Würdenträger der Anglikanischen Kirche, war in der Dormitio zu Gast. Er war total locker und nett. Als man ihn auf die royale Hochzeit ansprach, meinte er ironisch: "Well, it's a marriage. I do marriages all the time, you know..." (Naja, es war eine Hochzeit. Ich mache ständig Hochzeiten...)
Am Tag davor waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs und besuchten dabei die viel diskutierte Mauer, die sich in der Umgebung von Jerusalem entlangzieht. Man kann viel darüber schimpfen, aber eines steht fest: Seit sie da ist, gibt es keine Anschläge mehr in Jerusalem. Vorher konnte man sich nicht ohne eine leise Angst in ein Café der Neustadt setzen. Dennoch muss auch die Behandlung der Palästinenser in den Checkpoints berücksichtigt werden. Es gibt eben immer zwei Weisen der Betrachtung.
Ansonsten haben wir im Moment zwei Vorlesung, einmal Hrn. Hartenstein aus München zu den Psalmen und weiterhin Verena Lenzen aus Luzern, die eine total interessante Vorlesung zu Jesus aus jüdischer Sicht hält, von den abwertenden Geschichten der Toledot Jeshu über erste wichtige jüdische Interpretationen wie die von Klausner und David Flusser bis zu großen Würdigern und Bewunderern Jesu wie Martin Buber und Shalom Ben-Chorin.
Am Freitag konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Aber das hatte auch seinen Vorteil, da ich so endlich einmal an der Vigil bzw. Laudes teilnehmen konnte, also dem Morgengebet der Mönche um 5:30... das ist schon cool, so früh seinen Tag zu beginnen.
Desweiteren sind jetzt viele dabei, noch all die Orte zu entdecken, die man in Jerusalem bisher links liegen lassen hat, einfach weil man denkt: naja, ich wohne ja noch lang hier... aber irgendwann muss man dann halt auch mal hingehen! (In der Umgebung von Tübingen habe ich zum Beispiel auch kaum was gesehen, man ist so sehr mit dem Alltag beschäftigt, dass man sich die wichtigsten Sachen gar nicht näher ansieht.) Dazu gehörte bei mir persönlich am Samstag das Gartengrab und am Sonntag die Zitadelle (Tower of David) - besonders von letzterer waren wir (Andreas und ich) schwer begeistert! Total schöner, bepflanzter Innenhof, ein witziger Film über die Geschichte Jerusalem und sehr modern und anschauliche Ausstellungen - da kommt keine Langeweile auf, und man hat vom Turm der Zitadelle den herrlichsten Ausblick über Jerusalem, den man sich nur vorstellen kann.
Am Freitag war ich außerdem noch in der Armenisch-katholischen Kirche (also eine Kirche mit armenisch-orthodoxem Ritus, die aber mit Rom uniert ist), wo es jede Woche eucharistische Anbetung gibt. Das ist eine besondere katholische Frömmigkeit, wo das Allerheiligste (eine geweihte Hostie, also der Leib Christi) in einer Monstranz (einem Gestell, in deren Mitte die Hostie eingelegt wird) "ausgesetzt" wird zur Anbetung. Dabei kniet man in einem stillen Raum davor nieder und betet still. Das ist schon was sehr Spezielles, und ich konnte mich bei diesem ersten Mal noch nicht so recht damit anfreunden.
Ansonsten bereitet Johannes mit uns gerade ein Theaterstück für die Kreuzfahrer-Exkursion nächste Woche vor, aber davon wird später noch zu berichten sein...
Bis dahin, Euer Jakob
Am Tag davor waren wir wieder mit Tamar Avraham unterwegs und besuchten dabei die viel diskutierte Mauer, die sich in der Umgebung von Jerusalem entlangzieht. Man kann viel darüber schimpfen, aber eines steht fest: Seit sie da ist, gibt es keine Anschläge mehr in Jerusalem. Vorher konnte man sich nicht ohne eine leise Angst in ein Café der Neustadt setzen. Dennoch muss auch die Behandlung der Palästinenser in den Checkpoints berücksichtigt werden. Es gibt eben immer zwei Weisen der Betrachtung.
Ansonsten haben wir im Moment zwei Vorlesung, einmal Hrn. Hartenstein aus München zu den Psalmen und weiterhin Verena Lenzen aus Luzern, die eine total interessante Vorlesung zu Jesus aus jüdischer Sicht hält, von den abwertenden Geschichten der Toledot Jeshu über erste wichtige jüdische Interpretationen wie die von Klausner und David Flusser bis zu großen Würdigern und Bewunderern Jesu wie Martin Buber und Shalom Ben-Chorin.
Am Freitag konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Aber das hatte auch seinen Vorteil, da ich so endlich einmal an der Vigil bzw. Laudes teilnehmen konnte, also dem Morgengebet der Mönche um 5:30... das ist schon cool, so früh seinen Tag zu beginnen.
Desweiteren sind jetzt viele dabei, noch all die Orte zu entdecken, die man in Jerusalem bisher links liegen lassen hat, einfach weil man denkt: naja, ich wohne ja noch lang hier... aber irgendwann muss man dann halt auch mal hingehen! (In der Umgebung von Tübingen habe ich zum Beispiel auch kaum was gesehen, man ist so sehr mit dem Alltag beschäftigt, dass man sich die wichtigsten Sachen gar nicht näher ansieht.) Dazu gehörte bei mir persönlich am Samstag das Gartengrab und am Sonntag die Zitadelle (Tower of David) - besonders von letzterer waren wir (Andreas und ich) schwer begeistert! Total schöner, bepflanzter Innenhof, ein witziger Film über die Geschichte Jerusalem und sehr modern und anschauliche Ausstellungen - da kommt keine Langeweile auf, und man hat vom Turm der Zitadelle den herrlichsten Ausblick über Jerusalem, den man sich nur vorstellen kann.
Am Freitag war ich außerdem noch in der Armenisch-katholischen Kirche (also eine Kirche mit armenisch-orthodoxem Ritus, die aber mit Rom uniert ist), wo es jede Woche eucharistische Anbetung gibt. Das ist eine besondere katholische Frömmigkeit, wo das Allerheiligste (eine geweihte Hostie, also der Leib Christi) in einer Monstranz (einem Gestell, in deren Mitte die Hostie eingelegt wird) "ausgesetzt" wird zur Anbetung. Dabei kniet man in einem stillen Raum davor nieder und betet still. Das ist schon was sehr Spezielles, und ich konnte mich bei diesem ersten Mal noch nicht so recht damit anfreunden.
Ansonsten bereitet Johannes mit uns gerade ein Theaterstück für die Kreuzfahrer-Exkursion nächste Woche vor, aber davon wird später noch zu berichten sein...
Bis dahin, Euer Jakob
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