Montag, 17. Oktober 2011

Chag Sameach!

Frohes Fest! sagt man zum Laubhütten-Fest (Succoth); es steht sogar auf den Cola-Flaschen. Succoth ist, was hier in Jerusalem grade abgeht, das heißt, die Juden wohnen in kleinen selbstgebauten Hütten, um sich an die Wanderzeit des Exodus zu erinnern: dabei wird die Stimmung immer ausgelassener, bis die Succoth-Woche in das Tora-Freudenfest mündet.
Am letzten Donnerstag waren fast alle Mönche in die "Kolonie" Tabgha in Galiläa ausgeflogen, also ein Minikloster, was eng mit dieser Gemeinschaft hier verbunden ist. Dadurch hatten wir Gelegenheit, eine Messe mal wieder selbst zu gestalten, was wir zusammen mit Pater Fröhling als zelebrierendem Priester taten. Er ist ein junger Pallottiner, der mit uns Probleme der Ökumene behandelt.
Ansonsten habe ich mir es am Wochende gutgehen lassen, mit den Leuten hier abgehangen usw. Viele kennen inzwischen auch Einheimische, was für uns schwerer ist als zum Beispiel für die Leute von "Studium in Israel", auch so eine Art Studienjahr, nur direkt an der Hebrew University, sehr viel mehr Judaistik- und Ivrit-lastig, vor allem aber wohnt man direkt in der Stadt und nicht wie wir in unserem Mikrokosmos Beit Joseph. Dafür müssen sie aber auch so ziemlich alles selbst organisieren. Jedenfalls: alles hat seine Vor- und Nachteile.
Samstag Abend war ich endlich mal in der German Colony, wo es zwar inzwischen nicht gerade viele Deutsche mehr gibt, dafür aber vieeele (gute) Restaurants und Kneipen. Zusammen mit Brinthanan war ich dort Lachs essen, was sehr gut geschmeckt hat. Dann waren wir am nächsten Morgen, sonntags, in einem ziemlich ätzenden evangelikalen Gottesdienst in der Christ Church der Anglikaner. Nach dem "Worship"-Teil, der mir persönlich schon zu platt war, kam dann eine krasse Bußpredigt, und dass wir doch alle Götzendiener seien und so weiter. Als der Pfarrer fertig damit war, sind wir gleich gegangen; ich hätte es jedenfalls keine Minute länger dort ausgehalten. Naja, aber durch solche Erfahrungen lernt man auch, seinen eigenen Standpunkt zu bestimmen.
Dementsprechend erholsam war dann heute die katholische Liturgie in der Frühmesse in Gedenken an Ignatius von Antiochien, einer der "Apostolischen Väter", also die Leute, die direkt nach den 12 Aposteln gelebt und gelehrt haben. Da er ein Märtyrer war, trug der Priester (Pater Elias) heute ein blutroten Überhang, was ehrlich gesagt echt schön aussah. Nicht ganz so schön, aber doch ungemein lustig war Susi. Susi ist neben "Garfield" eine der Katzen, die sich die Gärten des Beit Joseph teilen, und noch ziemlich klein. Da Garfield sie ständig vertreibt, ist sie wohl irgendwie in die Kirche geraten, versteckte sich während der Messe in einer Niesche und mauzte immer mal vor sich hin, und zwar bei der Lesung des Evangeliums passend nach jedem Vers. Nach der Messe ist sie dann in die Krypta geflüchtet... Bruder Josef war nicht sonderlich begeistert ;)
Ansonsten hatte ich heute ziemliche Kopfschmerzen und habe deshalb sowohl den Ivritunterricht verpasst als auch den Besuch in einer der sefardischen (spanisch-jüdischen) Yeshivas (Talmud-Schulen) in der Nachbarschaft, und blieb auch abends hier. Dafür habe ich wieder Zeit, hier etwas reinzuschreiben, und bedanke mich bei der treuen Leserschaft für die Aufmerksamkeit!
Bis demnächst,
Euer Jakob

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