war es zum Glück nicht diese Woche, aber eine wunderschöne Kreuzfahrer-Exkursion! Aber eins nach dem andern.
Zunächstmal hatten wir vorletzten Freitag unseren Ausflug in das sehr lohnenswerte Israel-Museum, wo wir eine Führung bekamen. Dort gibt es wirklich immer etwas zu sehen, sei es Kunst, oder Archäologie oder Artefakte der religiös-jüdischen Kultur. Am Wochenende probten wir noch ein, zwei Mal unser Theaterstück, bevor es am Montag losging.
Wir fuhren zuerst nach Ramla, wo es eine Moschee zu sehen gab, die einmal eine Kreuzfahrer-Kirche war. In der Stadt fanden wir (Brinthanan und ich) auch noch eine Jesuiten-Kirche, wo wir nach einigem Suchen und Klingeln auch reinkamen. Tja, wer anklopft, dem wird aufgetan. Danach ging es nach Lydda in eine (heute) griechisch-orthodoxe Kirche mit prunkvoller Ausstattung. Den Mittag verbrachten wir im Sonnenschein in der schönen Anlage von Latrun (frz. Le Toron). Dort gibt es ein Trappistenkloster. Trappisten sind im Prinzip auch Benediktiner. Denn von den Benediktiner spalteten sich einstmals die Zisterzienser ab, ein Reformorden, welcher die Benedikt-Regel wieder strenger halten wollte. Von denen wiederum gab es noch einmal eine strengere Abspaltung, und das sind die Trappisten (die Härtesten sind natürlich immer noch die Kartäuser, die aber eine eigene Mönchsregel haben). Neben diesem Kloster gibt es eine ökumenische Brüdergemeinschaft, die Jesus-Bruderschaft, in der man zölibatär oder als Familie leben kann. Alles in allem jedenfalls ein wunderschönes Gelände, wo nebendran unter dem unglaublich frischen Grün, das sich uns noch öfter hier im Frühling (!) zeigen sollte, noch eine alte Kreuzfahrer-Ruine zu besichtigen war. Aber noch war unser Tag nicht abgeschlossen. Wir fuhren noch nach Emmaus Nikopolis, also einer der vielen Orte, die als das biblische Emmaus vorgeschlagen werden, wo Jesus nach seiner Auferstehung zwei Jüngern auf Wanderschaft begegnet ist. Dort hatte eine Karmeliterinnen-Schwester (von dem Kloster, wo wir vor ein paar Wochen zudritt waren) durch eine Vision ihre Mitschwestern hingeführt, und tatsächlich fand man eine große Kirchenruine unter der bezeigten Stelle. Deshalb gibt es hier inzwischen auch win Schwesternkloster. Die Schwester hieß "Maria von Jesus dem Gekreuzigten" und wurde bereits selig gesprochen. Nach diesem wunderschönen, aber auch anstrengenden Tag gönnte ich mir mit Brinthanan noch ein Gläschen Arak, bevor es in die Heia ging. Diesmal schliefen wir noch in Jerusalem, die nächsten Nächte waren wir wieder in Tabgha in Galiläa untergebracht.
Am Dienstag besuchten wir zunächst die sog. Herberge des Barmherzigen Samariters, also eine Kirchenruine, die der Tradition nach an der Stelle steht, wo die Herberge stand, die in dem berühmten Gleichnis Jesu vom Barmherzigen Samariter erwähnt ist (der auf "der Straße hinab nach Jericho" wanderte). Nebenan gab es auch ein interessantes Mosaik-Museum. Dort war auch eine olle Kanzel aufgestellt, mit zugehöriger Treppe, die ich natürlich sofort besteigen musste, worauf wie aus der Pistole geschossen ein Wachmann aus einem Megaphon an der Wand irgendetwas Unverständliches brüllte... Big Brother is watching you. :D Danach jedenfalls kamen wir zur Burg Belvoir, wo Tobias Jammerthal (Kommilitone und Pfarrerssohn) uns führte. Nebst dieser Bilderbuch-Burgruine gab es noch einen scheußlichen Kunstpark, der zumindest gut genug war, im Schatten dieser "Werke" ein Mittagsschläfchen zu ermöglichen. Als nächstes wanderten wir zur Ankerkirche (Ruine), auf einem Hügel, von dem man über Tiberias und den See Genezareth blicken kann. Die Kirche heißt deshalb so, weil dort ein merkwürdiger Ankerstein gefunden wurde (sicherlich heilig). Dann fuhren wir zu unserem Quartier nach Tabgha, wo wir nun also wieder zu Gast waren, und wo ich auch gleich die Vesper besuchte.
Mittwochs ging es zunächst nach Baram, wo eine antike Synagoge zu finden ist und daneben ein neuzeitliches, ehemals christliches, von den frühen Zionisten zerstörtes Dorf. Ich las einen Augenzeugenbericht von der Vertreibung vor, bevor wir durch das Ruinenfeld wanderten. Davon waren alle ziemlich mitgenommen. Daraufhin fuhren wir nach zu der Klippe Rosh haNiqra (wir berichteten), wo ich mit Brinthanan nur einen Milchshake trank, da wir uns das ja schon angesehen hatten. Danach kam ein wahrer Höhepunkt: Die Kreuzfahrerburg Montfort. Zunächst kamen wir auf der anderen Seite des Tales an, in das wir dann hinabwanderten, den kleinen Fluss an einer flachen Stelle überquerten, bevor wir eine eingefallene mittelalterliche Mühle der Kreuzfahrer sahen. Dieser Ort war unglaublich verwunschen, überall alte Steine und Bögen mit Bäumen und Pflanzen überwachsen, und dennoch waren noch einige Räume und Gänge zugänglich. Nun folgte der Aufstieg zur eigentlichen Burg, an der es sich wunderbar klettern lässt, und die sich einige Stufen am Fels nach obenhin entlangzieht. Auf der anderen Seite hinaufgekraxelt, erwartete uns der Bus, mit dem wir nach Tabgha zurückfuhren. Dort gab es eine leckere Linsensuppe mit Würstchen und Apfeltasche als Nachtisch, alles von Dominique gekocht... mmmh. Am See hielt Nancy noch eine Abendandacht. Und dann gab es zuallerletzt noch die Nachtwanderung nach El Minye, einem alten orientalischen Palast.
Am Donnerstag ging es nach Tsfat, wo uns nach einigen Synagogen auch endlich der befürchtete Regen einholte, der ja bekanntermaßen in Israel ganz oder gar nicht fällt, d.h. wenn es regnet, dann aus Kübeln, und zwar tagelang. Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Wir besuchten nach dem Mittag das Drusenheiligtum Nevi Shueib. Die Drusen sind eine kleine Volksgruppe, die sich vom Islam abgespalten hat und in diesem Heiligtum den Schwiegervater des Mose, Jithro, verehrt. Dann wanderten wir weiter zu den Hörnern von Hattin, wo unser Theaterstück stattfinden sollte, und wie ein Zeichen des Himmels klarte derselbe völlig auf und schenkte uns reichlich Sonnenschein trotz einer Menge Wind. Das Stück hat Johannes geschrieben und es geht im Wesentlichen um die Niederlage der Kreuzfahrer gegen Saladin. Die Hauptrolle hatte Nancy als ruchloser Kreuzritter-Hauptmann Raynald v. Chatillon inne, während ich als Saladin mehr ein zweiter Erzähler war. Immerhin musste ich Nancy in der letzten Szene den Kopf abschlagen... ;) Aber es würde zu lang, das ganze Drama und jeden Teilnehmer jetzt nachzuerzählen, es ging immerhin fast ne Dreiviertelstunde. Jedenfalls war es ein großer Spaß, was nicht zuletzt daran lag, dass unsere Autorität als mutige Kreuzritter bzw. Muselmanen-Krieger immer wieder durch ein Minenfeld von Kuhfladen beeinträchtigt wurde, in die wir im sprichwörtlichen Eifer des Gefechts ständig reintraten. - Diesen Abend gab es Kürbissuppe und Kaiserschmarrn von Nancy, sehr lecker!
Freitags, am letzten Tag der Exkursion, führte uns der Weg einmal mehr nach Akko, wo wir allerdings viel Neues sahen (ich war ja mit Brinthanan und Andreas bereits zweimal dort gewesen). Zunächst wurden wir nämlich in die Bahai-Gärten dort in der Nähe geführt, wo deren Prophet Bahaullah begraben liegt. Dieser hatte den Eindruck, es müsste nach Mohammed mal ein neuer Offenbarer drankommen, den er in der eigenen Person erblickte. Bei einem ziemlich enttäuschenden Abschlussgespräch über ihren Glauben offenbarte sich diese weitere Abspaltung vom Islam als eine extrem tolerante, aber leider auch ziemlich oberflächliche Wohlstandsreligion, in der existentielle menschliche Dimensionen wie Angst und Schuld offenbar kaum einen Platz finden. Und es ist immer die Frage, ob man wirklich respektvoller ist, wenn man alle Religionsstifter in eine gleichwertige Reihe stellt und auf ein paar ethische Grundsätze reduziert, statt ehrlicherweise ihre Andersheit zu akzeptieren. Bei solch einer Toleranz des kleinsten gemeinsamen Nenners würde ich mich jedenfalls nicht ernst genommen fühlen (siehe auch Ökumene). Dennoch ist das moralische und gesellschaftliche Engagement vieler Bahai natürlich lobenswert (ebenso wie ihre akkurat angelegten Gärten).
Zum Mittag konnten wir es uns natürlich nicht verkneifen, ein letztes Mal bei Uri Buri einzukehren... Aber wie immer bei solchen Restaurants, bleibt doch nur das erste Mal wirklich unvergesslich. Am Nachmittag erwartete uns eine Führung von Stefan, der uns die mittelalterlichen Anlagen des Johanniter-Ordens und einen dazugehörigen unterirdischen Tunnel präsentierte.
Danach ging es auf eine lange, gemütliche Heimfahrt zurück ins regnerische und sturmgepeitschte Jerusalem... heute morgen scheint aber schon wieder die Sonne.
So weit erstmal! Kaum mehr als ein Monat bleibt uns hier noch, und die ersten Pläne und Vorbereitungen haben schon begonnen, wenn wir wieder (in alle Welt) auseinandergehen. Aber noch ist es ja nicht soweit.
Euer Jakob
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