...das Edle Heiligtum, hat seinen Namen mehr als verdient: so lautet der arabische Name für den Tempelberg. Heute waren wir zusammen mit der ausgezeichneten Koran-Forscherin Angelika Neuwirth dort, am 11. Januar mit unseren muslimischen Gästen, und das Beste daran war, dass wir ausnahmsweise auch in die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom konnten. Beide Gebäude sind innen unglaublich schön. Und obwohl der Felsendom von außen mehr hermacht, hat mir von innen die Al-Aqsa noch mehr gefallen: eine hohe, weite Halle, komplett mit rotem Teppich ausgelegt, gestützt von etlichen Säulen, und von allen Seiten strömt farbiges Licht herein, aus jedem Fenster anders. Im Felsendom gab es außer der Felsenhöhle besonders viel an Deckenkunst zu sehen und die Kuppel, die mit Mosaiken verziert ist. Dieser Besuch war zweifelsfrei einer der Höhepunkte des Studienjahres. Ein letztes Mal schlenderten wir noch durch den "Park", der auf dem weiten Tempelplatz ist, und gingen zurück zur Dormitio.
Am Wochenende verabschiedeten sich dann die Muslime wieder. Es war wirklich ein extrem spannendes Projekt, so eng in den theologischen Diskurs mit dem Islam einsteigen zu können. Ich hatte derweil auch einiges andere zu tun, denn ich musste ja gleich am Montag noch ein Referat über Kabbala halten, das ich dann auch erfolgreich vortrug. Tags darauf sahen wir Rabbi Bollag wieder, mit dem wir einige jüdische Lehreinrichtungen (Yeshivot) besuchten. Gleich die erste Begegnung war ziemlich frustrierend, aber gerade deswegen auch interessant, wir sprachen mit einem ultra-orthodoxen Rabbi über seine Yeshiva, der es gut verstand, auf keine Frage eine konkrete Antwort zu geben, sondern immer wieder in seinen Sermon über "Peace" und "Happiness" zurückfand.
Am Donnerstag war dann sozusagen wieder das Christentum dran, genauer das Tauffest am Jordan von den Syrisch-Orthodoxen, in Gedenken an die Taufe Jesu. Das war ein ganz schöner Trubel wie bei einem Volksfest, auch wegen einer Dudelsack-"Kapelle" von zwanzig syrischen Christen, was ich nun wirklich nicht erwartet hätte. Abends bin ich noch mit unserem Assistent Miro und zwei Kommilitonen nach Tel Aviv in den Elektronik-Laden. Nicht, dass es das in Jerusalem nicht gäbe, aber Tel Aviv ist einfach cool... Ansonsten wird das Leben jetzt hier immer entspannter... die meisten Prüfungen etc. habe ich weg - es kommen aber noch viele interessante Vorlesungen, auf die ich mich schon freue.
Ansonsten begann am Samstag die Gebetswoche für die Einheit der Christen, was natürlich in Jerusalem besonders spannend ist: jeden Tag wird in der Kirche einer anderen Konfession gebetet. Am Samstag waren es die Griechisch-Orthodoxen in der Grabeskirche, gestern die Anglikaner in St. George und heute nachmittag gehts zu den Armeniern in der Jakobus-Kathedrale.
Soweit die Meldungen. Auf bald, Euer Jakob!
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