"Andenken an eine andere Welt", wie ein Album der wunderbaren Band Alcest heißt, sind auch alle diese letzten Tage, nun, da das Studienjahr seinem Abschluss entgegengeht - aber ich will nicht zu dramatisch werden...
Zunächst mal hatte ich vorletzte Woche das letzte Mal Spüldienst, das letzte Mal aufplatzende Müllbeutel des Küchenpersonals zum Container tragen, der von Wesen bevölkert wird, die schon eher wie Ratten als wie Katzen aussehen - achja, da kommt Schwermut auf... denn ohne solch lästigen Pflichten ist das Leben eben doch fad! Am Wochenende waren wir in Beit Jimal (benannt nach einem Rabbi Gamaliel), wo nochmal einige abschließenden Gespräche und Reflexionen zum Studienjahr stattfinden sollten. Am Freitag haben wir alle einen vorbereiteten Zettel vorgelesen, was uns persönlich so bewegt hat. Eigentlich hasse ich derartige Stuhlkreis-Sitzungen, aber es war doch noch mal eien gute Gelegenheit, einige Sachen, auch Schwierigkeiten Revue passieren zu lassen, und auch von anderen zu hören, die man vielleicht nicht so kennengelernt oder anders eingeschätzt hat. Nach einer schrecklich kalten Nacht verbrachten wir den ganzen Samstag mit langweiligen Reflexionsrunden über allen möglichen Kram des Studienjahrs, was uns daran gefiel oder nicht, wobei das meiste ohnehin keinen Einfluss auf irgendwelche Entscheidungen hat - naja, was solls. Der Sonntag war nach einer etwas besseren Nacht auch wunderbar sonnig, schön und frei, sodass man nach einer Morgenandacht von Andreas und Tobias Weyler etwas spazieren konnte in der umliegenden idyllischen Natur. Mit Brinthi lag ich etwas im Gras rum und aßen Pralinen aus dem örtlichen "Shop", wo es auch Crêpe gab - tja, Mönche müssen auch mal was essen. Es gibt nämlich zwei Klöster auf dem Berg dort, einmal die Salesianer, die eher modernistisch sind, und ein Schwesternkloster der Kartäuser, die bekanntlich als Schweigeorden so richtig kontemplativ sind. Von denen lernten wir im Shop auch eine nette kennen, die wohl wegen ihres Dienstes auch mit Kunden reden muss/darf. Es ist unglaublich, welche Ruhe und Freude diese Menschen ausstrahlen - als am Sonntag auf den blühenden Wiesen die Schwestern, mit frischen Zweigen in den Händen, sich (ausnahmsweise) unterhaltend und fröhlich grüßend an uns vorüberzogen, war es wie in einer anderen Welt zu sein.
Am Montag, Tag des Hl. Josef, war ich dann endlich mal wieder in meinem geliebten Herzl-Haus in meiner geliebten Mamilla (Straße/Mall), wo ich Chicken Wings aß, die total lecker waren, auch wenn ich hinterher aussah wie ein Barbar. Am Dienstag waren wir den ganzen Tag mit Tamar Avraham wieder in der West Bank unterwegs, in Hebron und einem Palästinenserdorf nahe der Siedlung Susya, die schon ganz schön um ihre Existenz kämpfen müssen. Als reichte das nicht, hatten wir abends noch eine kräftezehrende Diskussion mit dem Abt wegen dem Abschlussgottesdienst, wo dann eigentlich jeder unzufrieden war, erstens weil erst viele für eine Messe waren, dann wiederum viele einen schlichten Wortgottesdienst wollten, und so jeder irgendwie zwischen den Stühlen saß, und zweitens, weil nach dem aufreibenden Gespräch der Abt deutlich machte, dass er von Anfang an entschieden hatte für einen Wortgottesdienst - man hätte sich diesen Ärger also komplett sparen können.
Am Mittwoch habe ich mir dann erstmal aus Übermut im T-Shirt in der abendlichen Stadt eine Erkältung geholt, die mich bis auf diesen Moment schniefen und husten lässt - dabei dachte ich letzten Winter noch, sowas wird mir in Israel nicht passieren... naja, aber es klingt schon ab...
Trotzdem machte ich am Freitag den Kreuzweg der Franziskaner mit, wo sie also betend die Via Dolorosa in die Grabeskirche wandeln, was doch ein tolles Erlebnis war. "...wie ich zum Hause Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge..." (Ps. 42,5)
Nun erwartet mich noch eine letzte Woche Studienjahr, bevor die ersten Leute sprichwörtlich wieder ausfliegen, und die erste Aprilwoche, in der mich mein Freund Adrian besuchen wird, und die von vielen Abschieden geprägt sein wird, bevor ich nach Ostern selbst auch (nach Tü) zurückkehre...
Bis demnächst, Euer Jakob
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