Dienstag, 10. Januar 2012

Das Ende aller Dinge

...ist trotz der Jahreszahl 2012 noch nicht gekommen, obwohl ich doch vorsorglich den Herrn der Ringe noch einmal las, falls ich nicht mehr dazu komme...
Doch schon zu Sylvester in Tel Aviv stellten wir nach dem Abendessen beim Italiener (beste Lasagne ever) und dem Rumlungern in "Mike's Place" (einer Bar) fast enttäuscht fest, dass der Weltuntergang noch nicht eingetreten ist, wovon sich Filmemacher aller Art sicher nicht abhalten lassen, diesen weiterhin kreativ auszumalen.
Zu Neujahr bin ich dann der Kontinuität halber nochmal zum Italiener, nochmal Lasagne, aber diesmal in Jerusalem, und diesmal vegetarisch (wie wir alsbald feststellten). Dann war erstmal die letzten Ferientage abhängen angesagt, während ich mir mühsam ab und zu eine Seite Referatsausarbeitung abpresste (Archäologie ist dann doch nicht so mein Lieblingsgebiet, jedenfalls nicht in diesem Detailgrad).
Am vierten Januar begann dann wieder das Studienprogramm, und zwar mit einem zweiwöchigen Projekt, wo wir uns mit acht Muslimen, die aus Deutschland angereist sind, über theologische Fragen unterhalten und diskutieren, was total spannend ist, weil man die Frömmigkeit und Vorstellungen des andern wirklich mal im Detail kennenlernen kann. So haben wir am Mittwoch über einige Texte diskutiert, bevor wir am Donnerstag Ölberg und Via Dolorosa gemeinsam besuchten. Am Freitag (Epiphanias) gab es dann noch feierliche Vesper mit Haussegnung, was wieder ein nettes katholisches Ritual war. Dabei wird über den gesegneten Hauseingang mit (selbstverständl. gesegneter) Kreide die Jahreszahl gemalt und die Buchstaben CMB (Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus).
Am Sonntag sind wir dann in aller Frühe gemeinsam in den Negev (wörtlich "Süden", der Süden Israels, eine große Wüste) aufgebrochen, wo wir uns zuerst die Ruinenstadt Shivta anschauten, die wegen ihrer Gassen und Kirchenruinen sehr sehenswert ist.  Dann wanderten wir bei Ein Avdat und schauten uns auch die Ruine in der Nähe an (bevor alle erschöpft zum naheliegenden McDonalds strömten, der hier unverhofft mitten in der Wüste steht). Nachdem wir schließlich noch den Blick über den atemberaubenden Krater Machtesh Ramon schweifen ließen, kamen wir in unserem Quartier im Qibbuz Keturah an, das nach der zweiten Frau des Abraham benannt ist.
Am nächsten Morgen erhielten wir dort eine Führung und erfuhren einiges über die kommunale und sozialistisch beeinflusste Lebensweise der Bewohner dort, wo beispielsweise jeder ein gleiches Einkommen aus einer gemeinsamen Kasse erhält. Dies ist aber nicht in jedem Qibbuz so, es gibt eine große Bandbreite zwischen sozialistischen und kapitalistischen Tendenzen einerseits und säkularen und religiösen Tendenzen andererseits. In dieser Beziehung ist Keturah eine Ausnahme, da dies religiös gesehen sehr gemischt ist, und auch viele säkulare Israelis leben und arbeiten hier. Ein Rabbi wird aus ideologischen Gründen nicht akzeptiert. Es ist deutlich, dass man sehr viel Wert auf Demokratie legt und sich von keiner Einzelperson etwas sagen lassen will. Jedenfalls haben sie eine Menge interessanter Sachen da am Laufen. Zum einen produzieren sie Milch (bzw. die Kühe dort), zum anderen haben sie eine Dattelplantage. Dort leben Esel, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, dort rumzuwandern und alle herabgefallenen Datteln zu verspeisen; was ich ihnen sehr gönne, wenn ich daran denke, wie mies diese Tiere mancherorts in Israel behandelt werden. Darüberhinaus haben sie etliche Experimente mit Solaranlagen und auch schon ein erstes Feld aufgebaut, ein nächstes soll bald folgen. Last but not least beschäftigt sich dort eine Botanikerin damit, alle möglichen Bäume aus aller Welt auf ihre Wüstenfähigkeit zu testen, und hat schon eine ganze Reihe von Hainen angepflanzt, die dort vor sich hinflorieren, ganz abgesehen von einer besonders abgezäunten Dattelpalme mitten im Gelände, die tatsächlich aus einem 2000 Jahre alten Samen aus Massada entsprossen ist.
Später am Tag waren wir dann noch einmal in der Wüste wandern, wo es einen großen Hang mit ganz feinem Sand gab, wo dann alle (Männer) nochmal rumtollen konnten. Dann haben wir zum Mittag noch Teig frisch auf einer Platte auf dem Feuer "gebacken", bevor wir abgedüst sind nach Timna, wo es bei einem riesigen Felsen einen Hathor-Tempel gibt und weil die Gegend dort einfach sehr schön ist. Danach folgte die lange Fahrt nach Hause und heute gings weiter mit der Vorlesung...
Soweit erst mal. Bis bald!
Euer Jakob

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