"Wir haben einen... Abt!" Hatten wir auch schon vorher, aber nun wurde Gregory Collins aus Irland offiziell in einer großartigen Benediktionsfeier vom Bischof in sein Amt eingesetzt. Das war mal Katholizismus pur. Zwischendurch musste sich der arme Gregory zu Füßen des Bischofsthrones komplett hinlegen mit dem Gesicht nach unten, während eine gefühlte halbe Stunde alle möglichen Engel und Heiligen um ihren Beistand angerufen wurden.
Doch zunächst gab es letzten Donnerstag erstmal einen jüdischen Feiertag mitzuerleben: Rosh haShana, was "der Erste oder das Haupt des Jahres", also soviel wie Neujahr bedeutet, das für die Juden somit im Herbst beginnt. Dabei haben wir den Freudentänzen an der Klagemauer und einem Gottesdienst in einer Synagoge beiwohnen dürfen (also nicht alle zusammen, man hatte den Tag frei, und jeder ist so mit zwei, drei anderen losgezogen - es gibt hier ja genügend Synagogen zur Auswahl).
Heute wiederum hatten wir ein ernsteres Thema auf dem Plan, den Besuch in der Gedenkstätte Yad vaShem, das bedeutet wörtlich "Hand" (bzw. "Denkmal") und "Name". Dies ist einem Vers des Propheten Jesaja entnommen und bedeutet, dass hier den sechs Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors im Deutschland unter Hitler gedacht werden soll, und man versucht auch, diese anonyme Zahl durch Einzelgeschichten und eben Namen erkennbar zu machen, da sonst nicht deutlich wird, welches ungekannte Ausmaß an geradezu industriell organisiertem Mord an Unschuldigen und welche Zerstörung von Kultur hier systematisch vorgenommen wurde. Obwohl ich persönlich natürlich nicht schuldig bin, geht man doch mit einem sehr schwierigen Gefühl aus dieser Stätte heraus, besonders als Deutscher. In jedem Falle haben wir eine Verantwortung für die Zukunft, und wir sollten sehr hellhörig sein, wenn man in Deutschland und anderen Ländern wieder anfängt, Minderheiten pauschal abzustempeln und Angstmache zu betreiben.
"Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unermesslichem Leid."
Aber "Liebe zu den Menschen treibt die Angst aus." (1. Joh. 4,18)
Bis demnächst, Euer Jakob
Lieber Jacob, wir sind ja nun treue Leser deines Blogs und finden die hautnahen Einträge immer sehr spannend und erhellend.
AntwortenLöschenSusanne & Hartmut.